Arbeitsrecht Guardiola wirbt für Manchester um Spieler - darf er das?

Pep Guardiola ist noch beim FC Bayern München unter Vertrag, scheint für seinen neuen Verein Manchester City aber bereits Spieler anzuwerben. Das ist arbeitsrechtlich heikel.

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Guardiola (links) 2014 mit ManCity-Manager Pellegrini
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Guardiola (links) 2014 mit ManCity-Manager Pellegrini


Noch bis zum Ende der Saison arbeitet Josep Guardiola als Trainer beim FC Bayern München, danach wechselt er zum englischen Fußballverein Manchester City. Doch schon jetzt bestellt Guardiola offensichtlich das Feld bei seinem neuen Arbeitgeber.

Am Montag traf sich der 45-Jährige mit Txiki Begiristain, dem Sportdirektor von Manchester City, sowie mit Ilhan Gündogan, dem Onkel und Berater des BVB-Spielers Ilkay Gündogan. Vermutet wird, dass Guardiola schon jetzt Abwerbegespräche führt - und das, obwohl sein Arbeitsvertrag mit dem bayerischen Spitzenverein noch läuft.

Darf er das eigentlich?

"Nein", sagt Sonja Riedemann, Fachanwältin für Arbeitsrecht. "Guardiolas Arbeitsvertrag mit dem FC Bayern München läuft noch bis zum Ende normal weiter. Also darf er nicht jetzt schon für einen neuen Verein arbeiten, und für diesen auch keine neuen Spieler anwerben." Damit verletze er die Treuepflicht gegenüber den Bayern.

Dieses Verhalten sei unsportlich, weil die beiden Vereine zwar nicht in der Bundesliga miteinander konkurrieren, aber in der Champions League. Guardiola ist bis zum letzten Arbeitstag zur Loyalität gegenüber seinem Arbeitgeber verpflichtet. Allerdings sei es schwierig nachzuweisen, was genau er in Amsterdam mit Begiristain und Gündogan besprochen hat.

Guardiola darf sich auf seinen neuen Job vorbereiten

Erlaubt ist in jedem Fall, dass sich Guardiola auf seinen neuen Job vorbereitet. Dazu gehört, dass er sich an seinem freien Tag mit Mitgliedern des neuen Vereins treffen kann. Bei einem solchen Treffen darf Guardiola über sein Gehalt oder seinen Vertrag sprechen. Er kann mit ihnen zum Beispiel über die Ausstattung des Fitnessstudios reden oder eben auch, wen er sich als Spieler vorstellen könnte - vor allem, weil es bestimmte Abwerbezeiten gibt. Abwerben selbst darf er nicht, das müssen andere aus dem Verein für ihn übernehmen.

"Es ist im Profifußballgeschäft nicht ungewöhnlich, dass ein vor einem Wechsel stehender Cheftrainer von seinem neuen Verein bereits in die Planung des Kaders für die kommende Saison eingebunden wird", sagt Arbeitsrechtsfachanwalt Thomas Becker aus Potsdam. "Wenn Pep Guardiola aber zu einem Treffen wie diesem fährt, bei dem nicht auszuschließen ist, dass über einen möglichen Wechsel von llkay Gündogan nach Manchester gesprochen wird, sollte er dies zuvor mit dem Management oder dem Vorstand des FC Bayern München abklären, um gar nicht erst den Anschein einer Illoyalität zu erwecken."

Was Guardiola machen kann: Er darf Kollegen vom FC Bayern München zum neuen Verein "mitnehmen" - wenn diese es selbst wollen und korrekt wechseln.

Er kann ihnen zum Beispiel erzählen, dass er zu einem bestimmten Verein wechselt und dort etwa eine Stelle als Physiotherapeut frei wird. "Er darf seine Kollegen allerdings nicht dazu aufstacheln, ihren Arbeitgeber zu verlassen und ihren Vertrag zu brechen", sagt Sonja Riedemann. Wenn die Kollegen, die sich Guardiola wünscht, aber fristgerecht kündigen oder deren Vertrag ohnehin ausläuft, gibt es keine Probleme.

Geheimnisse über den FC Bayern München darf Guardiola hingegen nicht verraten - auch dann nicht, wenn er bereits zu Manchester City gewechselt hat. "Interna müssen in seinem Kopf bleiben und die Akten im Büro", sagt Riedemann. Verrät Guardiola doch geheime Informationen, etwa über einen geplanten Spielereinkauf, dann kann das auch strafrechtliche Konsequenzen haben.

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Wenn jemand seinen Arbeitsplatz wechselt, sind Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse, die unter die sogenannte nachvertragliche Verschwiegenheitspflicht fallen, generell von besonderer Bedeutung. Das sind zum Beispiel Betriebsinterna oder Bilanzdetails, Listen mit Einkaufspreisen, Vertriebserlösen oder Kunden. Bereits mit der Unterschrift unter dem Arbeitsvertrag beginnt die Verschwiegenheitspflicht eines Mitarbeiters. Und, wichtig: Sie gilt auch nach dem Arbeitsverhältnis weiter.

Vielfach vereinbaren Unternehmen im Arbeitsvertrag ein solches nachvertragliches Wettbewerbsverbot, das für maximal 24 Monate gilt. Es verbietet Mitarbeitern, nach dem Abschied selbst als direkter Konkurrent aufzutreten (etwa als Freiberufler) oder bei einem direkten Rivalen des Arbeitgebers durchzustarten.

Andererseits müssen Arbeitnehmer nach dem Abschied sehen, wo sie bleiben, und docken natürlich an ihre Berufserfahrungen an. Häufig seien Vereinbarungen zum Abwerben von Kunden aber nichtig oder zumindest unverbindlich, sagt Arbeitsrechtler Reinald Berchter von der Kanzlei Elblaw. "Zum Beispiel, weil sie das berufliche Fortkommen des Arbeitnehmers unangemessen erschweren."

Existiert ein wirksames Wettbewerbsverbot und verstößt der gekündigte Arbeitnehmer dagegen, indem er zum Beispiel bei der Konkurrenz anheuert, kann der Arbeitgeber mit einer Unterlassungsklage das konkurrierende Verhalten des Ex-Mitarbeiters unterbinden. Unter Umständen steht dem Arbeitgeber sogar Schadensersatz zu.

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neeanders 09.03.2016
1. Schwachkaufen 2.0
Wer sagt denn, dass Guardiola nicht mit vollem Wissen und Wollen der Bayern für MCity um Gündogan wirbt? Der BVB st den Bayern wieder sehr nah auf die Pelle gerückt, und in München knallen die Sektkorgen genauso wie nach dem Götze-Transfer oder der Verpflichtung von Lewa, wenn der BVB wieder einen weiteren Leistungsträger verliert Man hat ihn dann zwar nicht selbst, aber er kostet dem FC Bayern dafür auch kein Geld Win-Win würde ich sagen.
macfan 09.03.2016
2. Schlechter Stil
Wenn es stimmt, ist es auf jeden Fall schlechter Stil von Guardiola.
deutschemark 09.03.2016
3.
Der FCB wird das schon registriert haben und wenn nächste Woche gegen Juve der FCB ausscheiden sollte, wird er noch in der selben Woche gehen müssen, dann ist das der Grund. Bundesliga und Pokal wird dann von Gerland gecoacht in Verbindung mit Ancelotti oder umgekehrt. Der kann dann wenn die Meisterschaft entschieden ist, sein System schon mal testen. Wetten dass?
hj.binder@t-online.de 09.03.2016
4. Das wäre doch was für den DFB
Der DFB hätte doch die Möglichkeit, die Spieler zu sanktionieren: Derartiges unsportliches Verhalten ist mit der Nationalmannschaft nicht zu machen - EM ade.
retterdernation 09.03.2016
5. Der Gedanke ...
das die Bayern gegen Juventus Turin ausscheiden könnten, fasziniert vom Unterhaltungsfaktor betrachtet - ziemlich intensiv. Nicht das ich den Bayern das Weiterkommen neide, Gott bewahre! Aber lustig wäre es trotzdem, wenn der weltbeste Trainer einfach so mal untergeht. Schaun mer Mal, wie eine andere Lichtgestalt des deutschen Fußballs es ausdrücken würde. Jetzt wo der Uli doch wieder am Ruder sitzt, könnte das angesprochene Szenario schnell zu dramatischen Konsequenzen führen. Und seien Wir doch mal ganz ehrlich, viele Fußballfans würden den Schuhblattler tanzen - wenn es denn so kommen würde. Was natürlich nicht passieren wird...
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