Frauenförderung "Die Quote ist Teufelszeug"

Als Personalchef der HypoVereinsbank kämpfte Oliver Maassen für mehr Frauen im Management. Dann nahm er ein Jahr Auszeit. Heute sucht er einen neuen Job und erlebt am eigenen Leib, was die Frauenquote für Männer bedeutet.

Top-Bewerberinnen und Top-Bewerber: Wem nützt und wem schadet die Quote wirklich?
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Top-Bewerberinnen und Top-Bewerber: Wem nützt und wem schadet die Quote wirklich?


KarriereSPIEGEL: Herr Maassen, die Bundesregierung will die europaweite Frauenquote stoppen. Diese Nachricht müsste Sie als Personalmanager auf Jobsuche doch freuen?

Maassen: Sie freut mich als Gegner der Frauenquote. Endlich eine Regulierung weniger. Jetzt muss sich die Regierung nur noch klar gegen die Quote in Deutschland aussprechen. Sie tut weder den Frauen noch den Unternehmen gut.

KarriereSPIEGEL: Wieso denn nicht?

Maassen: Das ganze Thema Frauenförderung ist völlig auf den Kopf gestellt, wenn wir nur über die 0,1 Prozent reden, die Top-Positionen sind. Frauenförderung fängt unten an. Wenn ein Unternehmen nur einen einstelligen Prozentsatz an Frauen in der Belegschaft hat, wie soll es da 20 Prozent im Top-Management erreichen? Wenn wir die Quote im Vorstand erhöhen wollen, müssen wir erst mal in den unteren Ebenen anfangen.

KarriereSPIEGEL: So kann man die Quote aber auch hinausschieben.

Maassen: Nicht unbedingt. Bei meinem alten Arbeitgeber, der HypoVereinsbank, hatten wir das Ziel, unsere Frauenquote im Management durch eine Vielzahl von Maßnahmen in fünf Jahren von zehn auf 20 Prozent zu erhöhen. Als ich gegangen bin, waren wir bei über 15 Prozent. Es geht also, aber es dauert.

KarriereSPIEGEL: Mit einer Quote geht es schneller.

Maassen: Die letzten drei Frauen, die ich in Top-Positionen befördert habe, sagten mir alle: Heute habe ich es viel schwerer. Ich muss beweisen, dass ich den Job bekommen habe, weil ich qualifiziert dafür bin und nicht weil ich eine Frau bin.

KarriereSPIEGEL: Und warum soll die Quote den Unternehmen schaden?

Maassen: Wenn ich die Quote als Türöffner für Frauen sehe, muss ich zwangsläufig meinen Anspruch aufgeben, immer nur den besten Kandidaten für die jeweilige Position zu nehmen. Wenn ich drei Männer und drei Frauen in der engeren Wahl habe und alle gleich gut sind, würde ich keine Sekunde zögern und die Frau nehmen. Wenn der Beste ein Mann ist, ich aber die Frau nehmen muss, habe ich ein Problem damit. Da wird die Quote für mich dann zum Teufelszeug.

KarriereSPIEGEL: Ist das denn heute so?

Maassen: Headhunter haben mir häufiger gesagt, dass heute oft die wichtigste Suchvorgabe ist, eine Frau zu finden. Viele Vorstände wollen möglichst schnell eine Frau fürs Top-Management oder den Aufsichtsrat, damit sie nicht mehr angreifbar sind. Eine Managerin hat mir vor kurzem erzählt, sie könne derzeit gleich zehn Aufsichtsratsmandate annehmen, weil ein Headhunter nach dem anderen bei ihr anklopft.

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KarriereSPIEGEL: Gibt es überhaupt genug Frauen für Top-Positionen?

Maassen: Natürlich gibt es viele Frauen, die hochqualifiziert und sehr gut sind. Auch weil sie gute Förderer hatten. Das waren übrigens meist Männer. Der Beweis, dass Frauen auch besser bei der Förderung anderer Frauen sind, muss erst noch geliefert werden.

KarriereSPIEGEL: Ist es heute einfacher für Frauen in einer Top-Position?

Maassen: Nein, Frauen werden noch immer hart von den Männern angegriffen und stehen unter enormem Erwartungsdruck. Das gilt vor allem, wenn sie die einzige Frau im Top-Management ist und auf den Ebenen darunter weiter nahezu 100 Prozent Männerwirtschaft herrscht.

KarriereSPIEGEL: Was können Unternehmen tun?

Maassen: Das Talent-Management weiblicher gestalten, die Karrierewege auch auf die Anforderungen von Frauen einstellen und eine Infrastruktur schaffen, in der Frauen und Männer die Doppelbelastung von Privatleben und Beruf auch bewältigen können. Zudem: anders kommunizieren.

KarriereSPIEGEL: Was meinen Sie damit?

Maassen: Als ich einmal mit sechs Trainees, drei Frauen und drei Männern, über das Thema Frauenförderung diskutiert habe, sagte eine junge Frau: Ich finde, dass wir in unserer Arbeitgeberkommunikation viel zu männlich kommunizieren. Ich habe dann Frauen und Männer getrennt gebeten, eine Stellenanzeige zu gestalten.

KarriereSPIEGEL: Wie haben die sich unterschieden?

Maassen: Es war frappierend. Die Anzeige der Frauen sprach die Bewerber persönlich an und machte Appetit auf den Job. Die Anzeige der Männer war schwarzweiß im Blocksatz und wie ein Kochrezept: Man nehme und rühre - Sie müssen - Sie bekommen. Da hat es bei mir Klick gemacht. Die junge Frau hatte recht. Als Personaler müssen wir uns bewusst machen, dass Männer und Frauen unterschiedlich kommunizieren und das auch herausstellen.

KarriereSPIEGEL: Unternehmen brauchen also mehr weibliche Sichtweisen?

Maassen: Unbedingt. Gefragt ist eine Unternehmenskultur, in der sich Frauen und Männer besser verstehen und sich gegenseitig fördern. Man muss beide Seiten dazu bringen, sich ihrer unterschiedlichen Sichten und Herangehensweisen bewusst zu werden. Benötigt wird ein ganzer Bauchladen von Maßnahmen, um ernsthafte Frauenförderung zu betreiben. Das verlangt aber eine Entwicklungszeit und lässt sich nicht kurzfristig mit einer gesetzlichen Quote erreichen.

KarriereSPIEGEL: Sie suchen derzeit einen neuen Job. Sind Sie frustriert, dass Frauen heute manchmal vorgezogen werden?

Maassen: Nein, ich lamentiere nicht, Stellen auf dieser Hierarchieebene sind nun mal dünn gesät. Aber ich bemerke mit einem gewissen Augenzwinkern, dass mich meine eigene Begeisterung für das Thema Frauenförderung gerade einholt und geeignete Jobs heute an Frauen gehen. Solange die Frau besser ist, habe ich kein Problem damit. Aber wenn Mannsein zum Ausschlusskriterium wird, dann finde ich das schlimm.

KarriereSPIEGEL: Sie stecken also im Geschlechterkampf?

Maassen: Überhaupt nicht, ich mache den Frauen keinen Vorwurf. Mein Vorwurf richtet sich an die Männer, die jetzt nur hektisch ihre Quote erfüllen wollen.

  • Helga Kaindl
    Das Interview führte KarriereSPIEGEL-Autorin Bärbel Schwertfeger. Sie ist freie Journalistin in München.

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_wajakla_ 06.03.2013
1. Bundesregierung
"Herr Maassen, die Bundesregierung will die europaweite Frauenquote stoppen." Will die Bundesregierung das? Ich hatte von Merkel eigentlich den Eindruck, dass sie der Quote positiv gegenübersteht, aber wenn das doch nicht so sein sollte - dann danke, Bundesregierung. Bitte bleibt aber dann auch dabei! Ich wünsche mir wirklich, dass in diesen Tagen eine starke Kraft entschieden gegen diesen Überhand nehmenden Irrsinn wie den der Frauenquote, kämpft. Nicht nur Position bezieht, sondern auch erfolgreich dagegen ankämpft. Leider kann ich in der Beziehung Merkel nicht mehr völlig vertrauen. Sie selbst hat Aussagen bezüglich der Frauenquote oder auch bezüglich des Mindestlohns getroffen, die völlig konträr zu den Positionsaussagen der CDU stehen - und ich glaube auch, dass sie diese Sachen durchsetzen möchte, wenn möglich natürlich durch die Hintertür, so dass sie vordergründig noch sagen kann, sie wäre doch dagegen gewesen, hat sich aber nicht durchsetzen können.
LorenzSTR 06.03.2013
2. Käse
Es gibt keine "männliche" oder "weibliche" Kommunikation - da scheint der Herr vlt. einfach, wie es oft der Fall ist, einfach wieder die falschen Trainees (Hauptsache jung, angepasst und brav) ausgewählt zu haben. Personalmanagement eben... Da wird sowieso meist der größte Unsinn verbrochen (man denke nur an grotesk übertriebene Anforderungsprofile zum Billigtarif) und oft nur eingestellt, wer nicht wirklich kompetent ist und dadurch "gefährlich" werden könnte - gibt es vlt. deshalb auch so wenige Frauen in den hohen Positionen? An den Schul- und Uniabschlüssen liegt es scheinbar nicht.
juliuss 06.03.2013
3. Danke!!
Also vielen herzlichen Dank für diese Fürsprache: wir wissen ja, dass Buddies lieber auf Buddies hören. Ham wir wieder mal geklärt, wie Frauen so sind und dass sie 'anders' kommunizieren (das ist etwas 'anderes' als 'besser', nicht wahr?) Wer wissen möchte, wo die Geschlechterstereotypen aus der Aufklärung und Romantik überwintern, muss halt im unverbildeten TOP-Management suchen. Kant war in dieser Hinsicht teilweise avantgardistisch, hier hingegen lesen wir viel aus den traditionsreichen Schriften von Gellert, Schlegel und Fichte ÜBER die Frau an sich. Danke nochmal!!
Zhiyal 06.03.2013
4. schlecht verbrämte Herablassung
---Zitat--- Natürlich gibt es viele Frauen, die hochqualifiziert und sehr gut sind. Auch weil sie gute Förderer hatten. Das waren übrigens meist Männer. Der Beweis, dass Frauen auch besser bei der Förderung anderer Frauen sind, muss erst noch geliefert werden. ---Zitatende--- Die Herablassung in diesen Worten finde ich unerträglich. Frauen sind also gut, weil sie gute Förderer hatten (Männer sind demnach Einzelkämpfer ohne Netzwerk)? Und diese Förderer waren auch noch männlich - nicht wirklich erstaunlich, wenn wir bedenken, dass diese Förderer gar keine Frauen sein konnten - denn die gab es im oberen Management ja praktisch nicht. Dass nicht alle Männer Sexisten sind, wird hier als Argument gegen die Gleichberechtigung verwendet - darauf muss man erstmal kommen. Und schließlich der alte Vorwurf, Frauen würden vielleicht gar nicht ausschließlich Frauen fördern. 1) Ja, es soll vorkommen, dass Frauen nicht alle gleich sind - manche identifizieren sich sogar mit ihrer Arbeit und nicht nur mit ihrem Geschlecht! ; 2) Frauen wollen Gleichberechtigung nicht weil sie besser oder irgendwie netter sind, sondern weil sie Menschen sind; 3) Diversität auch im Management erhöht die Produktivität und die Gewinnspanne
caecilia_metella 06.03.2013
5. Konkrete Ziele sind notwendig
Wenn Frauen (auch Autorinnen) eines Tages davon abgekommen sind, sich ständig von Männern bewerten zu lassen, dann werden sie auch frei entscheiden können, was sie selbst wollen und was nicht. Männer sind auf vielen Gebieten einfach zu schlecht oder zu egoistisch, um auf einer "Vormachtstellung" beharren zu können, die sie nie hatten. ... "geeignete Jobs heute an Frauen gehen." Welcher Zeit trauert er, der in einer gleichberechtigten Bundesrepublik erzogen worden sein will, denn nach? 50 % wäre eine Zahl, die über Gleichberechtigung spricht. Mit der Hektik hat er allerdings recht. Nun aber auch nicht zu viel Zeit lassen. Konkrete Ziele sind notwendig in einer Arbeitswelt, die ständig unter Dampf steht. Konkretes Ziel: Werbung sollte nicht mehr Frauen diskriminieren in o.g. Form oder "Mein Haus hat immer das sauberste der Welt zu sein". Professorinnen kann es völlig egal sein, ob Staub auf all den fehlerhaften Büchern liegt, die Männer mit viel Zeit geschrieben haben.
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