Ertappte Politikerin Wer im Lebenslauf lügt, kann jederzeit gefeuert werden

Aus dem Strandurlaub wird eine Sprachreise, aus dem Praktikum eine berufliche Station - im Lebenslauf wird gern ein bisschen geschummelt. Doch wer so weit geht wie SPD-Politikerin Petra Hinz, riskiert seinen Job.

Petra Hinz (Archivbild 2013)
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Petra Hinz (Archivbild 2013)


Erst Abitur, dann ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften - der Lebenslauf der Essener SPD-Politikerin Petra Hinz ist wenig auffällig. Aber frei erfunden.

Hinz ist als stellvertretende SPD-Vorsitzende in Essen zurückgetreten, für den Bundestag will sie 2017 nicht mehr kandidieren. Über ihren Anwalt hat sie eine Entschuldigung verbreiten lassen: Sie wisse nicht mehr, "welche Gründe sie seinerzeit veranlasst haben, mit der falschen Angabe über ihren Schulabschluss den Grundstein zu legen für weitere unzutreffende Behauptungen".

Doch die Gründe liegen auf der Hand: Wenn es um die Bewerbung für einen neuen Job gibt, will sich jeder bestmöglich präsentieren. Und der Grat zwischen Schönfärben und Schummeln ist schmal. Aus dem Strandurlaub wird eine Sprachreise, aus der Rucksacktour durch Südamerika ein beruflicher Auslandsaufenthalt, aus der Arbeitslosigkeit eine Selbstständigkeit, aus der Zeugnisnote "ausreichend" ein "gut".

Warum nicht, denken sich viele Bewerber, nach dem Motto: Kleinere Notlügen wird schon keiner merken. Irgendwie muss man ja den Einstieg ins Berufsleben schaffen. Und tragen nicht auch Unternehmen in ihren Stellenanzeigen ganz schön dick auf?

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Bewerbungsgespräch: Wann Sie straflos lügen dürfen

Aber Falschangaben sind alles andere als ein Kavaliersdelikt. Dass die Angaben im Lebenslauf der Wahrheit entsprechen, bestätigen Bewerber durch Datum, Ortsangabe und Unterschrift.

Wer seine Bewerbungsunterlagen mit Falschangaben aufpoliert und dabei ertappt wird, riskiert den Job - und zwar fristlos, auch nach der Probezeit. Arbeitgeber können auch Jahre später noch den Arbeitsvertrag anfechten und mitunter auch Schadensersatz verlangen.

Von einer Lehrerin, die jahrzehntelang mit gefälschten Abschlüssen und Urkunden unterrichtet hatte, fordern mehrere Bundesländer Rückzahlungen ihrer Beamtenbezüge in sechsstelliger Höhe. Ein Gericht hat sie zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Die Richter unterscheiden in solchen Fällen nach Schwere des Täuschungsversuchs. Die Täuschung muss jedoch einen Aspekt betreffen, der bei der Einstellung eine wesentliche Rolle gespielt hat. Das heißt: Lügen, die für den Arbeitsplatz nicht relevant sind, haben in der Regel keine Konsequenzen - zumindest keine rechtlichen. Die Karriere von Petra Hinz wird wohl trotzdem beendet sein.

vet/jol



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