#twitternwierueddel Wie ein CDU-Politiker Pflegekräfte gegen sich aufbrachte

Schlechte Bezahlung, hohe Belastung, Tausende Stellen unbesetzt: Pflegekräfte müssten einfach positiver über ihren Job berichten, fordert Gesundheitspolitiker Erwin Rüddel - und geriet in einen Shitstorm.

Seniorin und Pflegekraft in Hamburg
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Seniorin und Pflegekraft in Hamburg


In Deutschland herrscht Pflegenotstand. Um den zu bekämpfen, müssen Pfleger einfach mal mehr Werbung für ihren Job machen, dachte sich offenbar Gesundheitspolitiker Erwin Rüddel (CDU). Auf Twitter forderte der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag deshalb Pflegekräfte auf, extra positiv über ihren Job zu berichten.

Das ging gehörig nach hinten los. Unter dem Hashtag #twitternwierueddel berichten Pflegekräfte seither zynisch über ihren Berufsalltag. Eine Frau schreibt, sie habe nicht mal an ihrer eigenen Hochzeit freibekommen. Demnach sollte sie nach der Trauung noch Spätdienst machen. Die Zeremonie sei schließlich morgens. "Das erdet", schreibt sie auf Twitter sarkastisch. "Wer so einen erfüllenden und wichtigen Beruf in der Pflege hat, muss doch gar nicht mehr heiraten."

Sie ist nicht die Einzige. Lesen Sie hier, was Pflegekräfte auf Twitter von ihrem Alltag berichten.

Die Reaktionen zeigen: Viele Pflegekräfte in Deutschland arbeiten am Limit. Laut der Deutschen Stiftung für Patientenschutz bleiben ausgebildete Pflegekräfte nur 13 Jahre in ihrem Beruf. Nachwuchs sei wegen der schlechten Bezahlung und der Überlastung nur schwer zu finden. In den kommenden acht Jahren fehlen laut Schätzungen voraussichtlich rund 200.000 Vollzeitkräfte. Bis 2030 wird die Lücke sogar auf 500.000 geschätzt.

Der Ökonom Stefan Sell warnt vor allem vor dem Personalmangel in der Altenpflege. "Wir laufen auf eine Katastrophe zu", sagte er zum SPIEGEL. Altenpfleger verdienen laut Sell im Schnitt bis zu 30 Prozent weniger als Krankenpfleger. Diese Lohnlücke zwischen Alten- und Krankenpflege müsse dringend geschlossen werden.

Gesundheitspolitiker Rüddel bleibt trotzdem optimistisch. Die Politik habe es vorgemacht: 8000 neue Pflegkräfte sofort und mehr Geld. Darauf haben sich Union und SPD geeinigt. Nun müssten die Pfleger nur noch positiv über ihren Job sprechen, und die guten Zeiten für gute Pflege könnten kommen, schreibt er auf Twitter.

koe

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