Karriere nach dem Fußball Warum Philipp Lahm den FC Bayern nicht braucht

Philipp Lahm beendet seine Karriere und schlägt einen Job beim FC Bayern aus. Für seine berufliche Zukunft braucht Lahm den Klub auch nicht - er hat seine Karriere abseits des Platzes sehr gut vorbereitet.

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Von den manager-magazin.de-Redakteuren und Lukas Schürmann


Bayern Münchens Kapitän Philipp Lahm beendet nach dieser Fußballsaison seine Karriere. Auch stehe er danach nicht für den Posten des Sportdirektors beim deutschen Rekordmeister zur Verfügung, teilte Lahm am Dienstagabend nach dem 1:0 im Achtelfinalspiel des DFB-Pokals gegen den VfL Wolfsburg mit. "Ab Sommer bin ich Privatier", sagte Lahm.

Schon länger wird über die Zukunft des 33-Jährigen spekuliert. Sein Vertrag lief noch bis 2018, doch ein vorzeitiges Ende hatte er nicht ausgeschlossen. "Ich habe den Verantwortlichen Bescheid gesagt, dass ich am Ende der Saison aufhöre, Fußball zu spielen", sagte er.

Dass er auch nicht die vakante Stelle des Sportdirektors oder des Sportvorstandes übernehmen wird, dürfte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Klub-Präsident Uli Hoeneß enttäuschen. Lahm war die Wunschbesetzung der beiden für das Amt. Der Posten ist seit dem Abschied von Matthias Sammer im vergangenen Juli vakant.

Dass Lahm dem Klub einen Korb gibt, überrascht aus rein menschlicher Sicht nicht. Schließlich ist der Nationalspieler seit 1995 für die Bayern aktiv. Nach mehr als 20 Jahren ist der Wunsch nach einem "Tapetenwechsel" verständlich.

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Zugleich sei an dieser Stelle die These gewagt: Im Gegensatz zu anderen ehemaligen verdienten Fußballprofis, die bei ihrem Club nach Jahren der Rackerei auf dem Rasen dann unter dem Vereinsdach mit irgendeinem Job Unterschlupf finden, braucht Lahm diese Option nicht.

Lahm baute sich schon als Fußballer ein Firmenportfolio auf

Kaum ein anderer Profifußballer hat schon während seiner aktiven Laufbahn so intensiv an seiner Karriere abseits des Platzes gearbeitet wie Lahm. Deutschlands Weltmeister-Kapitän ist bereits bei einer Reihe von Unternehmen involviert. Erst im Sommer vergangenen Jahres zum Beispiel wurde Lahm Gesellschafter des Müsliherstellers Schneekoppe.

Zuvor war Lahms Einstieg in das Beratergeschäft bekannt geworden - als Gesellschafter der Berliner Agentur Die Brückenköpfe. Letztere wollen nach eigenen Angaben ein "Sparringspartner des Top-Managements großer und mittlerer Unternehmen, Verbänden und politischer Gremien im deutschen Gesundheitswesen" sein.

Seit 2015 ist Lahm auch Gesellschafter beim bayerischen Sportproduktehersteller Sixtus, der Kühlsprays, Cremes gegen wunde Haut oder Massageöle herstellt. Zum Lahm'schen Portfolio gehört ebenso Danova, ein Nürnberger Anbieter von betrieblicher Gesundheitsvorsorge. 40 Prozent des Unternehmens hatte Lahm im März 2016 gekauft.

Lahm will mehr als "stille Teilhabe"

Bei seinen diversen Beteiligungen ginge es ihm nicht nur um stille Teilhabe, wie er dem "Business Insider" gegenüber einmal erklärte. Er wolle sich unternehmerisches Wissen aneignen und suche dafür Partner, "mit deren Werten und Zielen ich mich identifizieren kann". Er beschäftige sich regelmäßig mit den Themen seiner Unternehmen, sagte Lahm dort weiter, "tausche mich mit den Geschäftsführern, dem Vertrieb oder Marketing aus und erhalte Informationen, um Entscheidungen mit beeinflussen und mittragen zu können."

Lahm verfügt also über diverse Optionen außerhalb des FC Bayern München, die er sich schon früh selbst aufgebaut hat. Er braucht den Klub für seine berufliche Zukunft nicht wirklich. Dem Weltklasse-Fußballer nimmt man daher vieles ab. Nur das mit dem "Privatier", der sich sinnbildlich erst mal auf seinen Fußballmeriten ausruht, definitiv nicht.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
Roland Bender 08.02.2017
1. Gesellschafter haben in der Regel kein operatives Mandat
Solange er das Management nicht an sich zieht (und dafür bräuchte er die Mehrheit), ist Lahm Privatier. Er hat mit solchen Aufsichtsratsmandaten vielleicht einige Tage im Jahr Arbeit. Aber ein operativer Vorstand lässt sich in sein Tagesgeschäft in der Regel nicht von einem Ex-Fußballer reinreden. Das wäre auch - nebenbei bemerkt - albern. Lahm hat ja keine Ahnung vom Geschäftsleben. Mittelfristig mag sich das ändern. Uli Höneß ist ein gutes Beispiel dafür aber im Moment ist wohl eher zurücklehnen angesagt. Aber das hat er sich verdient. Und ab und zu mal ein Aufsichtsratsmeeting zu besuchen ist bestimmt spannend.
schwaebischehausfrau 08.02.2017
2. Gemach , gemach....
Ja, Lahm hat genügend Geld verdient als Profi-Fußballer, um für den Rest seines Lebens nicht mehr arbeiten müssen. Und ja, man darf ihm zutrauen, dass er sich mit seinen Investments ein bischen cleverer anstellt als diverse Kollegen, die ihre ganze Kohle sinnlos verballert haben und/oder sich von halbseidenen "Beratern" ruinöse Investments haben aufschwatzen lassen ("Bauherren-Modelle", Schrott-Immobilien etc.) - und ihm Erniedrigungen wie das "Dschungelcamp" erspart bleiben. Nur: Indem man sich mit seinem Geld in Unternehmen einkauft und "Gesellschafter" wird, wird man nicht automatisch zu einem "erfolgreichen Unternehmer". Ob seine Investments sich als langfristig erfolgreich herausstellen, wird die Zeit zeigen.
hansfrans79 08.02.2017
3.
Nur dass er nicht Unternehmer WIRD, sondern es seit Jahren längst ist. https://www.google.de/amp/www.manager-magazin.de/unternehmen/handel/philipp-lahm-das-stetig-wachsende-business-imperium-a-1096645-amp.html?client=safari Lahm war schon immer mehr Unternehmer als Sportler, daher hat er auch nicht meine Sympathien.
Markus Frei 08.02.2017
4. Respekt
Ich denke mal er hatte schlicht keine Lust als "Halbzeitclown" und "Pseudoexperte" bei den öffentlich-rechtlichen zu landen, zwischendurch mal Dschungelcamp oder "Lets Dance". Aber passt auch irgendwie zu Lahm, dass er anscheinend frühzeitig über die Zukunft nachgedacht hat.
Knackeule 08.02.2017
5. Abwarten
Warten wir doch erst mal die nächste FCB-Aufsichtsrats-Sitzung in der nächsten Woche ab. Für mich ist Lahm noch keinesfalls beim FC Bayern aussen vor. Vielleicht will er sich nur nicht mit dem Job als Sport-Manager zufrieden geben, sondern strebt gleich den Posten als Sport-Vorstand an, der seit Samers Abgang verwaist ist. So viel wie Sammer hat Lahm in jedem Fall drauf, wahrscheinlich sogar deutlich mehr.
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