Pilotenstreik Welche Rechte haben Geschäftsreisende?

15.000 Passagiere konnten im Piloten-Streik nicht wie geplant fliegen - darunter Geschäftsreisende. Sie sind länger unterwegs und haben Extrakosten. Doch einiges davon dürfen sie sich von ihrem Chef zurückholen.

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Am Freitagvormittag streikten viele Germanwings-Piloten, um sich ihre Übergangsrente zu sichern. Entsprechend blieben auch viele Geschäftsreisende auf dem Boden. Die Folge: Sie müssen auf andere Flüge oder die Bahn ausweichen, verspäten sich oder verpassen wichtige Termine. Auch der Start ins Wochenende verzögert sich für viele.

Geschäftsreisende sollten nun ihre Rechte kennen. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Zählt die komplette Reise als Arbeitszeit, wenn Arbeitnehmer wegen des Streiks länger unterwegs sind?

Das kommt auf den Einzelfall an, erklärt Björn Gaul, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Köln. Zählt die Reisezeit als vergütungspflichtige Arbeitszeit, haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf Bezahlung. Ob das der Fall ist, müssen sie in ihrem Arbeitsvertrag nachschauen. Auch in einer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag kann es entsprechende Regelungen geben.

In den meisten Fällen zählt die Reisezeit jedoch nicht zur Arbeitszeit. Wer während des Streiks zum Beispiel zu einer Schulung unterwegs war und nun sehr lange auf Reisen ist, geht in der Regel leer aus. Etwas anderes kann aber etwa für Außendienstmitarbeiter gelten. Bei ihnen gehört das Reisen grundsätzlich zur Arbeitszeit und wird bezahlt.

Muss der Arbeitgeber Extrakosten etwa für Taxis übernehmen, die Arbeitnehmern wegen des Streiks entstehen?

Arbeitnehmer bekommen solche Kosten in der Regel vom Arbeitgeber erstattet. Das gilt jedenfalls dann, wenn es erforderlich war, ein Taxi zu nehmen und die Höhe der Summe angemessen ist. Anwalt Gaul rät, im Zweifelsfall beim Arbeitgeber kurz nachzufragen.

Können Selbstständige Germanwings dafür zur Kasse bitten, wenn wegen des Streiks ein wichtiger Termin platzt und ihnen Geld entgeht?

Nein. Germanwings müsste solche Kosten nur erstatten, wenn das Unternehmen den Flugausfall fahrlässig oder schuldhaft verursacht hätte. Das ist nicht der Fall.

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dpa/end

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OskarVernon 29.08.2014
1.
---Zitat--- Können Selbstständige Germanwings dafür zur Kasse bitten, wenn wegen des Streiks ein wichtiger Termin platzt und ihnen Geld entgeht? Nein. Germanwings müsste solche Kosten nur erstatten, wenn das Unternehmen den Flugausfall fahrlässig oder schuldhaft verursacht hätte. Das ist nicht der Fall. ---Zitatende--- Solche Kosten sollte man der VC in Rechnung stellen - *die* nämlich entscheidet stehend freihändig, welche Flüge ausfallen!
abeier6099 30.08.2014
2.
Mit hohen Kosten, Kampf gegen Bürgerinitiativen, werden die Flughäfen vergrößert. Bei einer guten Koordinierung, der teilweise berechtigten Forderungen, der Streiks, brauchten keine so riesigen Flugplätze (Steuermittel für Bildung) gebaut werden. Auch die Kosten gegen die demokratischen Rechte und den Bürgerwillen sind dadurch zu sparen. Arthur Beier
Malshandir 31.08.2014
3. natürlich verursacht
Also hier mussten die Gesetze geändert werden.gewerkschaft und germanwings mussten gemeinsam haften.
hörtauf 02.09.2014
4. Die VC..
..ist ein Haufen frustrierter Affen, die immer und immer mehr wollen. Germanwings ist ein Billigableger der LH mit anderen Konditionen - auch wenn sich diese an Recht und Gesetz halten müssen, steht es doch jedem frei dort zu arbeiten oder nicht. VC schürt die "angeblichen" Bedürfnisse der Piloten wie Propaganda, beim Streik werden Kaffee & Schnittchen gereicht. Ich als betroffener Fluggast habe kein Verständnis für die Streiks - ich habe den Ärger und bleibe auf allen meinen Kosten sitzen.
lexik 02.09.2014
5. Pfff
" Können Selbstständige Germanwings dafür zur Kasse bitten, wenn wegen des Streiks ein wichtiger Termin platzt und ihnen Geld entgeht? Nein. Germanwings müsste solche Kosten nur erstatten, wenn das Unternehmen den Flugausfall fahrlässig oder schuldhaft verursacht hätte. Das ist nicht der Fall." Na aber sicher doch. Streiks kommen, wenn sich die Arbeitgeberseite bei Tarifverhandlungen stur stellt und ihrerseits total überzogene Erwartungen formuliert. Würden alle einfach mal dieses Basar-gehabe ablegen, die Schauspielerei sein lassen, auf Untergangsrethorik und Anfeindungen verzichten und rational miteinander reden, wären Streiks garnicht notwendig. Ergo, die Arbeitgeberseite ist schuld. Sie will nur nicht zahlen und führt den Arbeitskampf genauso auf dem Rücken der Kunden wie die Arbeitnehmerseite auch. Wie im Kindergarten.
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