Radelnde Polizisten Dein Freund und Fahrradfahrer

Verfolgungsjagden macht Polizist Thomas Kiraly schon lange, doch immer öfter ist er dabei auf dem Fahrrad unterwegs. Er und seine Kollegen lieben die Effizienz dieses Dienstfahrzeugs - und dass sie bisweilen von Passanten beklatscht werden.

Radelnde Polizisten: Thomas Kiraly (l.), Andreas Hofmann und Carsten Ulbricht (r.)
DPA

Radelnde Polizisten: Thomas Kiraly (l.), Andreas Hofmann und Carsten Ulbricht (r.)


Einmal in der Woche tauscht Thomas Kiraly seine Polizeiuniform gegen ein schwarz-blaues Trikot und kurze Sporthosen ein, dazu kommen Handschuhe und Helm. Mit einem leisen Klick rasten die Schuhe ein, dann tritt Kiraly in die Pedale. Der 39-Jährige gehört zur Fahrradstaffel der Dresdner Polizei. Kiraly, der privat in jeder freien Minute mit seinem Rennrad fährt, freut sich, wenn er auch während seiner Arbeitszeit auf dem Sattel sitzt. Selbst wenn das Polizeirad schwerer ist und hier und da klappert: "Es ist eine Abwechslung."

In immer mehr deutschen Städten setzt die Polizei auf Pedale statt Blaulicht: In Köln, Düsseldorf, Hamburg und Münster macht sie bereits gute Erfahrungen mit Fahrradstreifen. In Leipzig sind letztes Jahr acht Polizeibeamte auf das Rad umgestiegen.

Seit Mitte Juli radeln 20 Polizisten auch regelmäßig ins Berliner Zentrum. "Wir bekommen unglaublich viel Zuspruch, selbst von Leuten, die wir ermahnen", sagt Sascha Ziegler, Chef der Fahrradstaffel. Erst kürzlich hätten Passanten geklatscht, als die Polizisten einen Radkurier nach einer wilden Verfolgungsfahrt gestoppt hätten. Rund 30 Kilometer am Tag legen die Radpolizisten im Schnitt zurück. Zunächst soll das Projekt drei Jahre laufen.

Fotostrecke

9  Bilder
Dienstfahrrad: Mit freundlicher Unterstützung vom Fiskus
In Dresden steuert Polizist Kiraly mit zwei Kollegen die Hauptstraße an, eine Fußgängerallee, die direkt in die Altstadt führt. Hunderte Radler kommen jeden Tag hier vorbei: Touristen, Studenten, Dresdner auf dem Weg zur Arbeit. Die Ampelkreuzung am nahe gelegenen Albertplatz ist für zahlreiche Unfälle berüchtigt.

60 Euro Strafe für eine rote Ampel

Es dauert nicht lange, bis der erste Radler bei Rot über die Ampel saust und nur knapp an den Autos vorbeirast. Auf die "Stopp, Polizei!"-Rufe reagiert er nicht. Die Polizisten schwingen sich aufs Rad und holen den jungen Mann nach wenigen Metern ein. Es ist ein Austauschstudent, der die Fahrradpolizisten nicht bemerkt hat. 60 Euro sind fällig. "Das finde ich zu viel", sagt der Student. Bezahlen muss er trotzdem. Wenige Minuten später rollt eine Frau mit Handy am Ohr vorbei - sie kommt mit einer Verwarnung davon.

Viele sind überrascht, wenn sie von Polizisten auf Rädern angehalten werden. Auch Passanten bleiben verwundert stehen. "Manche wissen gar nicht, dass es uns gibt", sagt Kiraly. Acht Personen zählt die sächsische Fahrradstaffel in Dresden und ist seit 2009 im Einsatz. Allerdings kommen die im Schnitt nur etwa einmal pro Woche auf den Sattel, meist sind sie mit dem Motorrad oder dem Streifenwagen unterwegs. Manchmal wünscht sich Kiraly, öfter Rad-Schicht zu haben: "Um effizienter bei den Kontrollen zu sein."

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) hält viel von Polizisten auf dem Rad. "Denn auf zwei Rädern können sie die Situation von Radfahrern besser einschätzen als aus dem Auto", sagt eine Sprecherin. Der Anteil des Radverkehrs bundesweit wächst: Zwischen 1998 und 2012 ist er laut ADFC von 9,5 auf 12,5 Prozent gestiegen.

Strafen für Geisterradler

Dementsprechend hoch sind die Unfallzahlen - auch wenn sie im vergangenen Jahr leicht gesunken sind. Laut Statistischem Bundesamt verunglückten 2013 in Deutschland rund 71.400 Radfahrer. 2012 waren es 74.700. Im vergangenen Jahr kamen 354 Radfahrer im Straßenverkehr ums Leben. Das ist ein Minus von 12,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Etwa 32.300 Radfahrer waren als Hauptverursacher an Unfällen beteiligt (2012: 33.711).

Die Radcops, wie sich die Dresdner Radpolizisten scherzhaft nennen, sind auch in Parks und Grünanlagen unterwegs. Dort, wo Streifenwagen nicht hinkommen. So haben sie am besten ein Auge auf alle, die per Rad zu schnell oder ohne Licht unterwegs sind. Oder auf "Geisterradler", die Radwege in der falschen Richtung befahren. Oft stellen die Polizisten auch gestohlene Räder sicher, manchmal gehen sogar Drogenkuriere ins Netz.

"Man entwickelt mittlerweile einen Blick", erzählt Kiraly. Stutzig werden die Beamten zum Beispiel, wenn jemand nachlässig gekleidet ist, aber auf einem teuren Rad sitzt.

Einige Stunden und zahlreiche Strafzettel später machen sich die drei Dresdner Radpolizisten auf den Weg zurück ins Revier. Ein Radfahrer fährt auf der anderen Straßenseite - ohne Licht. "Zu tun gibt es für uns genug", sagt Kiraly.

Fotostrecke

7  Bilder
Luxus-Fahrräder: Der richtige Dreh

Christiane Raatz/dpa/end



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 200 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wug2012 09.08.2014
1. Tolle Sache.
Das gab es in Rheinland-Pfalz auch. Bis es durch die Rot-Grüne Landesregierung aus Kostengründen eingestampft wurde.
polyphon 09.08.2014
2. Kapitulation
Die Polizei hat ja längst kapituliert: Normale Bürger werden als "Geisterradfahrer" drangsaliert und abkassiert, wenn sie in falscher Richtung auf einem Radweg unterwegs sind. Vor kriminellen Banden aber zieht sich die Polizei zurück ( http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/null-respekt-polizistin-klagt-ueber-straffaellige-einwanderer-12882648.html ) und kapituliert, auch, weil die Rückendeckung der Politiker fehlt. Unsere Gesellschaft hat leider andere Probleme als Radfahrer, die den Radweg mal verkehrt herum fahren.
Charlie_xxx 09.08.2014
3. Ganz nett...
... aber solange wie die Leute auf den Straßen in der Stadt ungestraft mit 80-100 Sachen bei erlaubtem Tempo 60 unterwegs sind, halte ich das Vorgehen "Gegen Geisterradler" für absoluten Blödsinn- falsche Priorität beim Personaleinsatz. Oder will der Staat etwas für die Fitness seiner Beamten tun und das auf Kosten der Steuerzahler? Lobenswert, aber nicht nachvollziehbar.
FFMer 09.08.2014
4. Hab ich noch nie irgendwo gesehen
Wieviel radelnde Polizisten gibt es denn in Deutschland ?
kdshp 09.08.2014
5.
Zitat von sysopDPAVerfolgungsjagden macht Polizist Thomas Kiraly schon lange, doch immer öfter ist er dabei auf dem Fahrrad unterwegs. Er und seine Kollegen lieben die Effizienz dieses Dienstfahrzeugs - und dass sie bisweilen von Passanten beklatscht werden. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/polizei-auf-fahrrad-radelnde-jagd-auf-verkehrssuender-a-985051.html
Rad fahren verleitet wohl zu fehlverhalten! Ich bin 2 polizisten in köln mit abstand hinterhergefahren also die auf dem rad und ich auf dem rad. In 30min 4 mal über rot gefahren, 1 stopschild überfahren, 2 mal falsch abgebogen und 2 mal autofahrer behindert.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.