Größenvorschrift Kleine Bewerber müssen draußen bleiben

Wenige Millimeter größer, und sie könnten Polizistinnen werden: Drei Frauen haben gegen die Größenvorschriften der Polizei in Nordrhein-Westfalen geklagt - ohne Erfolg.

Polizistin, allerdings in Hamburg (Archivfoto)
DPA

Polizistin, allerdings in Hamburg (Archivfoto)


Die Klägerinnen sind 161,5 Zentimeter groß, 162 und sogar 162,2 Zentimeter. Aber um in Nordrhein-Westfalen Polizistinnen zu werden, müssten sie auf 1,63 Meter kommen. Das ist die vorgeschriebene Mindestgröße.

Und diese Vorschrift ist rechtens, entschied nun das Oberverwaltungsgericht des Landes in Münster. Es wies die Klage der drei Frauen aus Oberhausen, Rheinberg und Kleve zurück.

Es geht nur um wenige Millimeter - aber die drei müssen nun ihre Ausbildung zur Polizeibeamtin abbrechen. Schon für ihre Zulassung zur Ausbildung waren sie vor Gericht gezogen, das Verwaltungsgericht in Düsseldorf hatte ihnen im vorigen Sommer Recht gegeben.

Doch das Bundesland ging in Revision, ihre Zulassung zur Ausbildung galt nur unter Vorbehalt. Und so hat sich der Traum vom Polizeiberuf für die Klägerinnen wahrscheinlich zerschlagen: Eine abermalige Revision ist nicht zugelassen. Wollen die drei das Bundesverwaltungsgericht anrufen, müssen sie sich dieses Recht erst erstreiten.

Die Richter in Münster erklärten, es sei nicht zu beanstanden, wenn die Polizei eine Mindestkörpergröße festlege. Das gehöre zur Organisationsfreiheit des Landes. Außerdem seien die Gründe nachvollziehbar: Bei Festnahmen zum Beispiel oder mit schwerem Gerät seien kleinere Bewerber klar im Nachteil - so sehr, dass dann die Polizei nicht funktionsfähig sein könnte.

Aber warum werden dann kleine Bewerber nicht wenigstens für Aufgaben zugelassen, bei denen die Körperlänge nicht wichtig ist, etwa im Verwaltungsbereich? Das Bundesland argumentiert, nach dem derzeitigen System müssten alle Bewerber flexibel in allen Arbeitsbereichen der Polizei einsetzbar sein. Auch diese Auffassung sei rechtlich in Ordnung, heißt es in der Pressemitteilung des Gerichts.

Die Klägerinnen sahen sich durch die Regelung gegenüber männlichen Bewerbern diskriminiert, weil Frauen im Durchschnitt kleiner sind. Das finden die Richter aber "wegen des legitimen Zwecks gerechtfertigt" - eine unzulässige Diskriminierung liege deshalb nicht vor.

Aktenzeichen: 6 A 2014/17, 6 A 2015/17 und 6 A 2016/17

Video: Ausbildung bei der Bundespolizei

SPIEGEL TV

mamk/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.