Erfolgreich bewerben So klappt es mit einem Job bei der Polizei

Sportlich sollten Sie sein, stressresistent - und bitte nicht tätowiert. Wer Polizist werden will, muss einige Hürden überwinden. Auch Abitur ist in vielen Bundesländern Voraussetzung.

Wappen der bayerischen Polizei
DPA

Wappen der bayerischen Polizei


"Wenn ich groß bin, möchte ich Polizist werden": Diesen Wunsch haben viele Kinder. Die Zugangshürden sind allerdings ziemlich hoch. Viele fürchten sich vor den Auswahltests. Und: "die Polizei" gibt es so gar nicht. In Bund und Ländern teilen sich mehrere Behörden die Polizeiarbeit - und alle bilden selbst aus.

So behalten Bewerber den Überblick:

In Grundzügen ist die Ausbildung überall gleich. Zur Auswahl stehen der mittlere und der gehobene Dienst. Allerdings bilden viele Bundesländer schon seit Jahren nicht mehr für den mittleren Dienst aus. Wo es ihn noch gibt, steht er grundsätzlich allen Schulabsolventen mit Realschulabschluss offen. Bei der Bundespolizei etwa dauert die Ausbildung dann zweieinhalb Jahre.

Der gehobene Dienst bedeutet ein Studium. Bewerber müssen deshalb meist Abitur oder Fachabitur haben. Was und wo Polizeianwärter im gehobenen Dienst studieren, ist je nach Behörde und Bundesland unterschiedlich. In der Regel machen die Bewerber in drei Jahren einen Bachelor an eigenen Hoch- oder Fachhochschulen.

Wer sich besonders gut anstellt, kann anschließend noch in den höheren Dienst wechseln - mit einem zweijährigen Master an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster, in dem es vor allem um Führung und Management geht.

Sind also immer mehr Polizisten Akademiker? Definitiv, sagt Mechthild Hauff, Sprecherin der Deutschen Hochschule der Polizei. "Der Polizeiberuf ist inzwischen so komplex, dass es ohne akademische Qualifikation nicht mehr geht."

Sporttests gibt es nicht mehr überall

Vor Studium oder Ausbildung kommt jedoch zunächst der Auswahltest. Er gilt als besonders hart. Eine Vielzahl von Webseiten, Seminaren und Fachbüchern sollen Interessenten darauf vorbereiten.

Der Test besteht aus mehreren Teilen, die Details sind von Behörde zu Behörde unterschiedlich. Ein Intelligenztest mit Logik- und Gedächtnisaufgaben gehört immer dazu, genau wie ein Einzelgespräch und eine ärztliche Untersuchung. Sporttests gibt es dagegen nicht mehr überall: Manche Polizeibehörden verlangen stattdessen aktuelle Sport- und Schwimmabzeichen. Ein Führerschein und Fremdsprachenkenntnisse sind in vielen Fällen ebenfalls Pflicht.

Außerdem müssen Bewerber gewisse körperliche Voraussetzungen erfüllen, so gibt es Vorgaben bei der Größe und dem Body-Mass-Index. Nordrhein-Westfalen führte beispielsweise 2006 eine Mindestgröße von 1,68 Meter für Männer und 1,63 Meter für Frauen ein. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf urteilte jedoch, die festgelegten Mindestgrößen seien rechtswidrig. Eine 1,61 Meter große Frau musste daraufhin zum Auswahlverfahren zugelassen werden.

Bewerber mit Tattoo

Es gibt allerdings auch absolutes Tabus: Wer vorbestraft ist, kann kein Polizist werden. Sichtbare Tätowierungen oder Piercings, im Gesicht zum Beispiel, sind in vielen Fällen ebenfalls ein Ausschlussgrund. Das gilt allerdings nicht überall.

In Berlin dürfen Polizisten ihre Tattoos inzwischen auch offen zeigen. Zuvor wurden Bewerber mit auffälligen Tattoos nur dann eingestellt, wenn sie diese bis zum Ende ihrer Ausbildung auf eigene Kosten vollständig entfernen ließen. In jedem Fall verboten sind auch weiterhin Tätowierungen mit extremistischen, entwürdigenden, sexistischen oder gewaltverherrlichenden Bildern.

Der Polizeiberuf ist auf jeden Fall kein Job wie jeder andere. "Es ist eben auch Aufgabe von Polizisten, körperliche Gewalt anzuwenden", sagt Oliver Malchow, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Das sei für viele eine Belastung: "Sie haben vielleicht Angst, dürfen die aber nicht zeigen." Deshalb sind soziale Kompetenzen und Stressbewältigung Teil der Ausbildung, trainiert wird das zum Beispiel in Rollenspielen.

Wer sich nicht von den hohen Hürden abschrecken lässt, hat gute Chancen auf einen Job als Polizist. Allein bei der Bundespolizei sind derzeit Tausende Stellen unbesetzt.

von Tobias Hanraths/dpa/koe



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