Mehr Geld Praktikanten verdienen erstmals über 1000 Euro

Der "Generation Praktikum" geht es besser: Im Vergleich zum Vorjahr ist der Durchschnittslohn für Praktikanten auf dem deutschen Arbeitsmarkt um 82 Euro gestiegen - und ist nun erstmals vierstellig.

Praktikum in der Fabrik
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Praktikum in der Fabrik


1032 Euro verdient ein Praktikant derzeit im Schnitt. Das ist das Ergebnis des jährlichen "Praktikantenspiegels", den die Unternehmensberatung Clevis in Kooperation mit der Jobbörse Absolventa und der Universität Magdeburg erstellt hat. Befragt wurden mehr als 5500 Praktikanten. Demnach stieg der durchschnittliche Lohn gegenüber dem Vorjahr um 82 Euro.

Noch 2011 hatte eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds DGB ein weitaus düstereres Bild gezeichnet: Trotz Recht auf Entlohnung arbeiteten 40 Prozent der Praktikanten unbezahlt, in den besonders begehrten Bereichen Kunst und Kultur waren es sogar zwei Drittel. Und der Rest verdiente im Schnitt gerade einmal 551 Euro.

Heute sind laut der aktuellen Clevis-Studie 88 Prozent der Befragten zufrieden mit ihrem Arbeitsverhältnis, nur noch drei Prozent sehen kein Geld für ihre Arbeit. Die Einkommenssteigerung ist vor allem auf die neue Mindestlohn-Regelung zurückzuführen. Frauen verdienen dabei weniger als Männer; bei Pflichtpraktika 20, bei freiwilligen fast 50 Euro. Allerdings entscheiden sie sich auch eher für schlechter zahlende Branchen.

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Die Studie stellt weiter fest, dass 85 Prozent der Arbeitgeber auch nach dem Praktikum weiter mit ihren ehemaligen Praktikanten in Kontakt bleiben und so begehrte Absolventen frühzeitig an das Unternehmen binden. Für gute berufliche Aussichten zeigen sich auch die Praktikanten flexibel: Mehr als die Hälfte zieht dafür an einen anderen Wohnort, zwölf Prozent gehen sogar ins Ausland. Durchschnittlich dauert ein Praktikum etwa fünf Monate, der Altersschnitt der Praktikanten liegt bei 24,2 Jahren. Die Hälfte der Befragten kommt aus den Wirtschaftswissenschaften.

Der DGB meldet jedoch Zweifel an, ob wirklich alles so rosig aussieht. "Praktika sind nach wie vor anfällig für Missbrauch", sagte Florian Haggenmiller, DGB-Bundesjugendsekretär, der "Berliner Zeitung": "73 Prozent aller Praktika finden während des Studiums statt. Dort hat der Gesetzgeber aber massive Ausnahmen vom Mindestlohn zugelassen." Die Arbeitgeber seien "sehr kreativ, wenn es darum geht, bei einem Praktikum den Mindestlohn zu umgehen", und würden zuweilen freiwillige Praktika als Pflichtpraktika ausgeben.

mh



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
Newspeak 03.02.2017
1. ...
Der Spiegel und andere Medien koennten sich einmal angewoehnen, dass man Urteile darueber, wem es "besser geht" allenfalls durch Befragung der Betroffenen erhaelt. Diese ewige Deklarative ist wie in der DDR. Juchhu, 200% Planuebererfuellung, wem sollte es da noch schlecht gehen.
el_grande_reader2 03.02.2017
2. kleine Anmerkung von links:
auch wenn das Praktikum durchgehend für alle Praktikanten mit 2000 ? vergütet würde, wäre das immer noch kein Ersatz für verlässliche und sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse - da kann man dann auch gleich das bedingungslose Grundeinkommen für alle einführen und sämtliche Arbeitsverträge in Sonderzuschläge umwandeln, je nachdem, welche Aufgaben man übernimmt und welche Ausbildung man vorweisen kann...
Schen 03.02.2017
3. Vollkommen richtig!
Ich kann meinem Vorredner nur zustimmen, das übliche Jubeln bei Statistiken zu Arbeitslosenzahlen, Gehälter oder Vermögensverteilung ist vollkommen unangebracht und hat mit seriösem Jounalismus nichts zu tun! Betrachtet man diese Statistiken genau haben alle Deutschen ein recht ansrhnliches Vermögen, dass dem nicht so ist weiss jeder und keiner kann diese Märchen mehr hören! Besser wäre die Überschrift gewesen "immer noch viel zu viele Praktikanten verdienen gar nichts" oder "Ausbeutung von praktikanten legalisert durch zu viele Ausnahmen". Aber wieder mal Chance vertan....
mali123 03.02.2017
4. wenn nun alle
ein praktikum machen, das verhältnismäßig gut bezahlt ist, dann ist niemandem geholfen, da es keine richtig bezahlte arbeit ist, sondern die arbeit einfach ersetzt wurde durch ein praktikum. toll. so toll.
sunshinebob 03.02.2017
5. Repräsentative Umfragen gehen anders
Wenn die Hälfte der Befragten aus den Wirtschaftswissenschaften sind, wie kann dann diese Umfrage auch nur halbwegs repräsentativ sein?
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