DGB-Umfrage Junge leiden unter unsicheren Jobs

Befristet, in Teilzeit oder Minijobs: Gut jeder Vierte unter 35 Jahren hat keinen regulären Vollzeitjob, zeigt eine Umfrage des DGB. Viele junge Beschäftigte klagen über Stress, Druck und mickrige Gehälter.

Kassiererin in Berlin: Fast jeder Zweite unter 25 Jahren hat keinen regulären Vollzeitjob
DPA

Kassiererin in Berlin: Fast jeder Zweite unter 25 Jahren hat keinen regulären Vollzeitjob


Leiharbeit, befristete Stellen, Werkverträge, Teilzeitjobs: Einer von vier Beschäftigten unter 35 Jahren arbeitet in Deutschland nicht in einem regulären Vollzeitjob. Laut einer Umfrage im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) sind 27,9 Prozent der unter 35-Jährigen "atypisch" beschäftigt, bei den unter 25-Jährigen sogar 46,4 Prozent. In diese Kategorie fallen allerdings auch Arbeitnehmer, die bewusst auf Teilzeit herunterfahren, um sich mehr ihren Familien oder Hobbys widmen zu können.

Eine große Rolle für jüngere Beschäftigte spielen befristete Verträge: Sind bei den über 35-Jährigen lediglich fünf Prozent befristet angestellt, ist der Anteil bei den unter 35-Jährigen mit 16,2 Prozent mehr als dreimal so groß. Laut Gesetz kann ein Vertrag derzeit auf bis zu zwei Jahre begrenzt werden, ohne dass der Arbeitgeber die Befristung begründen muss. Innerhalb dieser Maximaldauer können Unternehmen befristete Verträge bis zu dreimal verlängern.

Die unsichere Beschäftigung wirkt sich auch auf die Psyche junger Arbeitnehmer aus: Fast zwei von drei jüngeren Beschäftigten fühlen sich nach eigener Aussage dadurch belastet, dass sie ihre spätere Rente nicht oder nur gerade für ausreichend halten. Bei den über 35-Jährigen sind es 53,2 Prozent.

Durchschnittseinkommen von 1855 Euro im Monat

Jeder dritte junge Beschäftigte hat laut der Erhebung ein monatliches Bruttoeinkommen von weniger als 1500 Euro - und empfindet das als nicht angemessen. 30 Prozent verdienen mehr als 2500 Euro. Das monatliche Durchschnittseinkommen liegt bei 1855 Euro, bei über 35-Jährigen bei 2717 Euro. Auch in dieser Altersgruppe ist jeder Dritte mit seinem Gehalt unzufrieden.

Unter Arbeitsstress und Zeitdruck leiden Jüngere weniger als Ältere. Jeder dritte unter 35 fühlt sich deshalb belastet, bei den Älteren sind es gut 41 Prozent. Dabei machen 61 Prozent der jungen Beschäftigten regelmäßig Überstunden.

Der DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller nennt die Ergebnisse alarmierend: "Junge Menschen sind im Job enorm unter Druck." Die meisten wollten einen sicheren Arbeitsplatz, an dem sie sich selbst einbringen können, könnten aber nur befristete Jobs kriegen. Vor allem im Gesundheitssektor und im Bau werde über Arbeitshetze und Zeitdruck geklagt. "Alarmierend sind diese Werte auch deshalb, weil die Fehlerhäufigkeit unter diesen Bedingungen zunimmt", so Haggenmiller.

International stellt sich die Lage dramatischer dar:Demnach ist nur ein Viertel der Arbeitskräfte weltweit angestellt und bezieht ein festes Gehalt.

lov/dpa

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insgesamt 136 Beiträge
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Seite 1
fatherted98 08.01.2016
1. Willkommen...
...in Merkels neuer Arbeitswelt. Mit der Hilfe von Gazprom Gerd haben es die Arbeitgeber endlich geschafft...den hire and fire Arbeitnehmer zu schnitzen...das sind jetzt halt vor allem Junge...die alten sind eh Arbeitslos weil die keiner mehr will. Vielen Dank an unsere Bundeskanzlerin und Ex Bundeskanzler.
abby_thur 08.01.2016
2.
Unter 1.850€ verdiene ich auch (brutto), damit bin ich allerdings hier in Thüringen eher ein "guter Normalverdiener", da alle anderen meistens noch viel weniger zu viel schlechteren Konditionen bekommen. Befristet werde ich auch seit eh und je. Ich sehe das mittlerweile aber auch als Chance, im Falle einer besseren Stelle schneller wechseln zu können. Das einzige was Sackgang ist, ist das 3-Monate vorher melden beim Assiamt.
abby_thur 08.01.2016
3.
Zitat von fatherted98...in Merkels neuer Arbeitswelt. Mit der Hilfe von Gazprom Gerd haben es die Arbeitgeber endlich geschafft...den hire and fire Arbeitnehmer zu schnitzen...das sind jetzt halt vor allem Junge...die alten sind eh Arbeitslos weil die keiner mehr will. Vielen Dank an unsere Bundeskanzlerin und Ex Bundeskanzler.
Naja. Das die Stellen bis ins Ultimo befristet werden könne, ist keine Sache, die man Angela Merkel ankreiden kann. Man sollte Befristung als Chance sehen, für sich selbst. Wenns mal was besseres gibt ist man schneller wieder frei, so sehe ich das mittlerweile.
gekreuzigt 08.01.2016
4. Umfrage des DGB.
Da ist das Ergebnis irgendwie vorhersehbar.
hibee 08.01.2016
5. Warum nicht gleich so?
Naja. Dass man arbeitslos ist, ist keine Sache, die man Angela Merkel ankreiden kann. Man sollte Arbeitslosigkeit als Chance sehen, für sich selbst. Wenns mal wieder eine freie Stelle gibt, kann man gleich anfangen, so sehe ich das mittlerweile.
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