Profi-Fußballerinnen Und was machen Sie so beruflich?

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Eine Ikone - Birgit Prinz, Königin des Fußballs und Anti-Barbie


dapd

Birgit Prinz (Jahrgang 1977), Angriff, Rückennummer 9

Verein: 1. FFC Frankfurt

  • Was bisher geschah:

Trampolinturnen und Leichtathletik probierte Prinz als Kind aus, in der C-Jugend kickte sie dann beim SV Dörnigheim. "In der Jugend spielte ich stets mit Jungs zusammen und erkannte: Die sind auch nicht besser als ich", so Prinz. Ihr Bundesligadebüt beim FSV Frankfurt gab sie im zarten Alter von 15 Jahren; beim ersten Treffer in der Nationalelf war sie erst 16.

Eine Elfe oder Gazelle ist sie nicht, erst recht keine Barbie, obwohl es inzwischen ein grotesk unähnliches 29-Zentimeter-Püppi nach ihrem Vorbild gibt. Birgit Prinz beeindruckt stets mit ihrem Antritt im Strafraum und ihrem wuchtigen Zweikampfverhalten. Das sorgte bei den WM-Titeln 2003 und 2007 für Aha-Effekte der Männer. Manche Spötter mussten einräumen, dass Prinz (im Sinne von: nur Prinz) bei den Rumpelfüßlern der Kreisliga B vielleicht doch eine Halbzeit gegen Oberrodenbach oder Mössingen mithalten könnte.

Nicht nur dort. Für großes Hallo sorgte 2003 die Offerte vom AC Perugia, als erste Frau bei den Kerlen der italienischen Erstliga mitzuspielen, dotiert mit einem Jahresgehalt von einer Million Euro. PR-Gag oder Ernst? Prinz überlegte und sagte ab; sie wolle spielen und nicht auf der Bank sitzen.

Der Frauenfußball ist inzwischen einen großen Schritt weiter, die Rekordnationalspielerin mit famosen 212 Länderspielen und 128 Toren immer noch da. Prinz ist eine Ausnahmesportlerin und eine Königin dieses Sports. Der Vergleich "Steffi Graf des Fußballs" ist so schlecht nicht, beide standen nie gern im Mittelpunkt und mieden den Medien-Rummelplatz. Prinz jedenfalls hat alles erreicht, was es im Frauenfußball zu erreichen gibt: reichlich nationale und Uefa-Titel, Torschützenkönigin der Bundesliga und der WM, zweimal war sie Weltmeisterin, gewann die letzten fünf Europameisterschaften. Auch Weltfußballerin des Jahres war sie bereits, dreimal in Folge.

Nur drei WM-Titel in Folge, die hat sie noch nicht. Birgit Prinz, die sich in der WM-Vorbereitung eine Bänderdehnung zuzog, arbeitet daran. Nach mäßigen Testspielen ist ihr der Stammplatz nicht mehr sicher, es hängt vom Turnierverlauf ab. Trainerin Silvia Neid spielte noch mit ihr zusammen und wird sie nicht so leicht fallenlassen. Einmal mehr will die Spielführerin entscheidende Tore schießen - bevor ihre Karriere in der Nationalelf endet und sie vollends zur Legende für kommende Fußballerinnen-Generationen wird.

  • Ausbildung/Beruf und Plan B:

Ihr Abitur legte Birgit Prinz 1997 ab und wurde danach zur Masseurin und medizinischen Bademeisterin sowie zur Physiotherapeutin ausgebildet. 2005 begann sie ein Psychologiestudium in Frankfurt, um sich neue Perspektiven zu eröffnen. "Es hat mir einfach Spaß gemacht. Ich wollte gern an einer Uni studieren und nicht irgendein Fernstudium machen. Von daher hab ich mir auch Wünsche erfüllt, wie ich gern mein Leben leben möchte", so Prinz.

In ihrer langen Karriere zählt sie zu den bestbezahlten Fußballerinnen und hat zudem einige persönliche Sponsoren wie Nike und die Commerzbank, kann also die Zeit nach dem Fußball sorgloser angehen als andere. Bis dahin klebt sie vielleicht noch ein Jährchen oder zwei beim FFC Frankfurt dran. Um die beruflichen Pläne will Prinz sich erst nach der WM intensiv kümmern: "Es entwickelt sich alles sehr gut, aber es ist noch nichts spruchreif." Finanziell ausgesorgt habe sie nicht, aber das sei auch nicht relevant - "weil ich mir nicht vorstellen könnte, den Rest meines Lebens auf dem Golfplatz oder der Terrasse zu verbringen".

insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
rewerb 27.06.2011
1. Bernd Schröder....
ist doch kein notorischer Mäkler. Er hat nur einen ziemlih klaren Blick darauf, was im deutschen Fussball so alles schief läuft. Solche Leute brauchte es mehr, v.a. auch im Männerbereich.
entreotto 27.06.2011
2. Hallo , nicht der Rede wert
Zitat von sysopFür Deutschlands Nationalspielerinnen ist Fußball längst mehr als ein Hobby. Trotzdem haben fast alle eine Ausbildung, einen Zweitberuf,*oft auch einen Plan B für später. Guck mal, wer da kickt: 22 Steckbriefe von Bundeswehr bis Physiotherapie, von der Stadtkämmerin bis zur Fleischereifachverkäuferin. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,770408,00.html
es gibt auch Weltmeisterschaften und DM im 100km Lauf, Leute, die neben Beruf noch 200km / Wo trainieren. Dagegen sind Fussballerinnen Faulpelze und eine Ausbildung hat heute fast jeder junge Mensch
Rodri 27.06.2011
3. ...
Uh, mir kommen die Tränen. In wirklich populären Mannschaftssportarten gibt es in unteren Ligen sehr viele Sportler, die viel mehr auf sich nehmen müssen, um ihrem Beruf nachzugehen und gleichzeitig ihren Sport auf hohem Niveau machen zu können. Und da kommen deutlich mehr 500 Zuschauer wie es bei der Frauen-Fußballbundesliga gibt... Mal ganz abgesehen von den armen Schluckern, die ständig bei Olympia antreten und denen auch nicht das Geld hinterher geworfen wird.
stesoell 27.06.2011
4. Oo
Zitat von entreottoes gibt auch Weltmeisterschaften und DM im 100km Lauf, Leute, die neben Beruf noch 200km / Wo trainieren. Dagegen sind Fussballerinnen Faulpelze und eine Ausbildung hat heute fast jeder junge Mensch
Dieses "fast" ist das besorgniserregende. Alles andere nur Fussball.
tomkey 27.06.2011
5. Schröter besser als Dietrich
Zitat von rewerbist doch kein notorischer Mäkler. Er hat nur einen ziemlih klaren Blick darauf, was im deutschen Fussball so alles schief läuft. Solche Leute brauchte es mehr, v.a. auch im Männerbereich.
Da geb ich Ihnen recht. Er benennt Fakten und Tatsachen ohne diese zu beschönigen. Deswegen "liebt" man ihn so beim DFB. Er ist ein Frauenfußball-Fanatiker im positiven Sinne, besser als FFC Boß Dietrich, der im Frauenfußball seine Gelddruckmaschine gefunden hat. Hier werden Artikel veröffentlicht, ohne den leisesten Schimmer davon zu haben. Wo sind die Schreiber, die sich wirklich mit Frauenfußball auskennen? Für den künstlichen Hype um die WM wird aber auch jeder Mist bei SPON veröffentlicht. Langsam reicht's.
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