Büropsychologie So nutzen Sie den Gruppenzwang für sich

Überzeugt man Kollegen schneller, wenn man jeden einzeln bearbeitet? Oder ist es besser, bei Entscheidungen die ganze Truppe zu versammeln? Volker Kitz kennt die besten Psychotricks fürs Büro und weiß, welche Entscheidungen Sie besser in der Gruppe treffen.

Zustimmung in der Gruppe: So bekommen Sie Rückhalt für Ihre Projekte
Corbis

Zustimmung in der Gruppe: So bekommen Sie Rückhalt für Ihre Projekte


Sie wollen im Büro ein neues Projekt vorantreiben. Einige Kollegen sind aufgeschlossen, aber noch nicht so richtig begeistert. Was machen Sie, um ihnen den nötigen Motivationsschub zu geben? Treffen Sie sich mit jedem Einzelnen, um ihn zu überzeugen - oder setzen Sie ein Meeting an, um das Projekt in der Gruppe zu diskutieren?

In einem Versuch hat man getestet, unter welchen Umständen sich Menschen eher auf etwas einlassen - und restliche Zweifel ausblenden: Man stellt Probanden vor unterschiedliche Dilemma-Fragen. Immer ist dort jemand in einer schwierigen Situation und muss sich entscheiden: Soll eine Frau Mitte 40 ihre sichere Stelle bei einer Bank aufgeben, um ihrer Leidenschaft, dem Fotografieren, zu folgen? Soll ein junger Mann mit starken Rückenschmerzen sich einer riskanten Operation unterziehen? Die Probanden sollen angeben, wie hoch von 0 bis 100 Prozent die Erfolgschance sein muss, damit sie der armen Dilemma-Person den riskanteren Weg empfehlen. Zunächst beantworten die Probanden diese Frage jeweils allein. Dann lässt man sie die Frage in einer Gruppe diskutieren und am Ende eine gemeinsame Entscheidung treffen.

Fotostrecke

5  Bilder
Chef-Typologie: Superstars, kreative Chaoten, Nichtskönner
Die Ergebnisse sind eindeutig: In der Gruppe sind alle plötzlich viel mutiger und lassen ihre Bedenken hinter sich. Das Phänomen nannte man daher ursprünglich den Risikoschub-Effekt.

Später stellte sich heraus: Menschen werden in der Gruppe nicht immer nur risikobereiter. In der Gruppe verstärkt sich grundsätzlich jede Einstellung. Wer vorher eher interessiert war, ringt sich in der Gruppe endgültig zu einem klaren Ja durch. Wer hingegen vorher eher zurückhaltend war, lehnt die Sache nach der Gruppendiskussion endgültig ab. Deshalb nennt man den Effekt heute ganz allgemein Gruppenpolarisierung.

Einzeln für die Sache begeistern oder die Gruppe versammeln?

Offenbar entsteht in der Gruppe ein Wettbewerb darüber, wer am risikofreudigsten beziehungsweise am vorsichtigsten ist. Und wir befeuern uns dabei gegenseitig, indem einer dem anderen noch weitere Argumente für die Einstellung liefert, die in ihm sowieso schon schlummert.

Die Gruppenpolarisierung können Sie also in beide Richtungen nutzen. Wo immer Sie eine Sache antreiben wollen, aber die betreffenden Einzelpersonen sich noch nicht ganz trauen: Bitten Sie zur Gruppendiskussion. Dort verwandeln Sie Aufgeschlossenheit zu Entschlossenheit. Wollen Sie hingegen etwas verhindern, versammeln Sie die latenten Bedenkenträger in einer Gruppe, um das Projekt endgültig sterben zu lassen. Haben Sie es mit einer Mischsituation mit vielen unterschiedlichen Meinungen zu tun, dann lohnt es sich hingegen, jeden erst einmal einzeln zu bearbeiten.

  • Mareike Föcking
    Volker Kitz (links) hat Jura und Psychologie studiert und unter anderem als Wissenschaftler am Max-Planck-Institut gearbeitet. Heute lebt er als freier Autor in München. In der Reihe "Büropsychologie" stellen wir seine besten Bürotricks vor. Sie sind seinem aktuellen Buch entnommen: "Warum uns das Denken nicht in den Kopf will. Noch mehr nützliche Erkenntnisse der Alltagspsychologie" (gemeinsam mit Manuel Tusch, rechts).
  • Mehr unter www.kitz-tusch.com



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ir² 30.03.2014
1.
Zitat von sysopCorbisÜberzeugt man Kollegen schneller, wenn man jeden einzeln bearbeitet? Oder ist es besser, bei Entscheidungen die ganze Truppe zu versammeln? Volker Kitz kennt die besten Psychotricks fürs Büro und weiß, welche Entscheidungen Sie besser in der Gruppe treffen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/kitz-steuern-sie-entscheidungen-in-team-und-gruppe-a-959602.html
Ich höre mir alle Meinungen und Ideen an, dann entscheide ich was wie gemacht wird. Diese Entscheidung ist für alle bindend. Und das ganz ohne Psychologenunterstützung! Wo ist das Problem? Wer das nicht beherrscht, kann kein Führungsaufgaben wahrnehmen.
henryboehm 30.03.2014
2. und wo bleibt
"die freie meinungsbildung"? eben! wer schlauer ist bedient sich der kommunikationsmethoden und wo faengt die negative manipulation an? "freie meinungsbildung" ist eine illusion!
zapata23 30.03.2014
3.
Den gesamten Inhalt des Artikels könnte man auch in einem Absatz zusammenfassen. Aber tolle Werbung für das Buch.
D.Fronath 30.03.2014
4.
Zitat von sysopCorbisÜberzeugt man Kollegen schneller, wenn man jeden einzeln bearbeitet? Oder ist es besser, bei Entscheidungen die ganze Truppe zu versammeln? Volker Kitz kennt die besten Psychotricks fürs Büro und weiß, welche Entscheidungen Sie besser in der Gruppe treffen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/kitz-steuern-sie-entscheidungen-in-team-und-gruppe-a-959602.html
Dieses Phänomen wird noch deutlich verstärkt, wenn Meinungen wiederholt unvorbereitet und unvermittelt von sach- und/oder interessenfremden Mitarbeitern eingeholt werden. In diese Falle laufen häufig jüngere Führungskräfte oder eben Manager, die nur Manager sind, weil sie ansonsten arbeiten müssten. Das spontane Zusammentrommeln der gesamten Belegschaft, um darüber zu befinden, ob die Webseite grün oder blau sein soll, und auf die gleiche gedankenlose Art und Weise, um so eine Kleinigkeit festzulegen wie, ob man sich auf den B2B oder den Endkundenmarkt konzentrieren soll - damit können Abteilungen oder ganze Unternehmen wirkungsvoll lahmgelegt werden. Über kurz oder lang wird durch die ständigen Polarisierung ohne nachvollziehbare Grundlagen jede Entscheidung auf irgendwann vertagt und die Belegschaft stumpft ab. Und u.a. das Er- und Ausarbeiten von fundierten Meinungen, das Abschätzen von erreichbaren Zielen und deren Nutzen wird so nachhaltig entwertet. Nichts gegen vox populi als Realitätstest; das Gegenteil - permanente auto- oder technokratische Entscheidung, die das "die da oben"-Gefühl anfachen - ist auch nicht wünschenswert.
digidoctor 30.03.2014
5. Warum in Anführungszeichen?
Ist das ein Zitat? Ich sehe es nirgends?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.