Rauswurf nach sexistischem Schreiben Entwickler will gegen Google klagen

Ein Entwickler flog bei Google raus, weil er gegen Frauen in der IT-Branche ätzte - und will nun gegen den Konzern klagen. Ein Jobangebot hat er auch schon.

Firmensitz von Google in Mountain View, Kalifornien
imago/ xim.gs

Firmensitz von Google in Mountain View, Kalifornien


Frauen seien aus "biologischen Gründen" weniger geeignet für Jobs in der Technikbranche. Für diese Meinung, die er bei seinem Arbeitgeber Google in einem internen Papier verbreitete, hat ein Entwickler seinen Job verloren. Dagegen will der 28-Jährige nun vorgehen.

Wie mehrere US-Medien übereinstimmend berichten, will sich der am Montag geschasste Entwickler gerichtlich gegen seine Kündigung wehren. Das zehnseitige Schreiben war übers Wochenende bekannt geworden und hatte für viel Empörung gesorgt.

Der Google-Entwickler argumentiert darin, Frauen seien weniger widerstandsfähig gegenüber Stress als Männer und schafften es deshalb selten in Führungspositionen in der Tech-Industrie. Männer hingegen verfügten über "natürliche Fähigkeiten", die sie zu besseren Programmierern machten.

Am Montag kurz vor seiner Entlassung hatte der Entwickler eine Beschwerde beim National Labor Relations Board (NLRB) eingereicht, einer US-Aufsichtsbehörde zur Schlichtung arbeitsrechtlicher Konflikte. Er habe sich darin beklagt, dass Google versucht habe, seine freie Meinungsäußerung zu unterdrücken, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Beschwerden beim NLRB genießen einen gewissen Schutz: Firmen dürfen Arbeitnehmer nicht unmittelbar dafür bestrafen, dass sie bei der Behörde wegen unfairer Arbeitsbedingungen vorsprechen.

In diesem Fall spielt allerdings der Zeitpunkt eine große Rolle. Google teilte mit, man habe erst nach der Kündigung aus der Presse erfahren, dass der Entwickler die Beschwerde eingereicht hatte.

Google-Chef Sundar Pichai hatte sich am Montag in einer E-Mail an die Mitarbeiter lediglich auf das umstrittene interne Schreiben bezogen. Zu behaupten, ein Teil der Belegschaft habe Merkmale, die sie biologisch weniger fähig für die Arbeit bei Google machten, sei "beleidigend und nicht okay", schrieb Pichai.

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Sollte es zu einem Prozess kommen, wäre es nicht der erste Rechtsstreit für Google, in dem es um Gleichstellung geht. Anfang des Jahres hatte das US-Arbeitsministerium Klage gegen Google eingereicht, weil der Konzern sich weigere, die Gehälter von Mitarbeitern offenzulegen.

Das sei nötig, um sichergehen zu können, dass niemand aufgrund von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder sexueller Orientierung diskriminiert werde, begründet das Ministerium. Ein Gericht verpflichtete Google daraufhin im Juli, die Daten zumindest teilweise herauszugeben.

Nun berichtet der "Guardian", dass rund 60 ehemalige und aktuelle Mitarbeiterinnen des Internetkonzerns planten, gegen Google gemeinsam vor Gericht zu ziehen. "Sie haben Bedenken, dass Frauen auf schlechter bezahlte Ebenen und Positionen gesetzt werden als Männer, die ähnlich qualifiziert und erfahren sind", sagte Anwalt James Finberg, der die Frauen vertritt.

Finberg hat laut "Guardian" bisher mit rund der Hälfte der Frauen gesprochen, die sich von Google teilweise erheblich diskriminiert fühlten.

Der arbeitslose Entwickler hat unterdessen bereits ein neues Jobangebot, von WikiLeaks-Gründer Julian Assange. Der verkündete auf Twitter, dass "Zensur etwas für Loser" sei. Weder Männer noch Frauen sollten dafür gefeuert werden, dass sie Ideen formulierten.

lov/AP/Reuters

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