Renten-Rat vom Job-Coach Wie Mütter 500.000 Euro verlieren - und was sie dagegen tun können

Wenn Mütter aus dem Job aussteigen, verlieren sie über die Jahre Hunderttausende Euro, rechnet Job-Coach Katrin Wilkens vor. Hier verrät sie, wie Sie die Rentenlücke wenigstens zum Teil stopfen können.

Berufstätige Mutter
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Berufstätige Mutter


Ein typischer Fall, der an mich herangetragen wird, könnte so aussehen: Eine 45-Jährige, zweifache Mutter, möchte einen Rat. Ein fiktives Beispiel, aber eins, das die Probleme auf den Punkt bringt.

"Guten Tag, ich war Projektleiterin in einem mittelständischen, familiengeführten Unternehmen. Heute arbeite ich sozusagen zwei Etagen tiefer, in Teilzeit. Ich habe mich damals bewusst für eine Teilzeitlösung entschieden, weil ich meine beiden Mädchen aufwachsen sehen wollte.

Nun ist die Jüngste 13 Jahre alt und ich möchte wieder voll durchstarten, was sich beim Bewerben als schwierig herausstellt. Ich habe den Eindruck, ich trage für alle Zeit den Mutti-Stempel. Mein Mann arbeitet ebenfalls und wir bekommen in letzter Zeit öfter Streit über anstehende Investitionen, weil er sagt, wir könnten mehr unternehmen, wenn wir mein altes Gehalt (2800 Euro netto) aus der Zeit vor den Kinder hätten.

Lohnt sich ein Bewerbungs-Abstrampeln überhaupt noch? Oder soll ich eher versuchen, meinen Wunsch nach einer kleinen Selbstständigkeit auszuleben?"

Zur Person
  • Marianne Moosherr
    Katrin Wilkens, Jahrgang 1971, ist Rhetorikerin und Journalistin. Vor sieben Jahren hat sie in Hamburg eine Agentur gegründet und sucht nun vor allem Müttern einen neuen Job, die sich beruflich verändern wollen.

Meine Antwort: Ob sich das lohnt, müssen Sie selbst entscheiden, indem Sie das Risiko einer Neugründung genau abwägen: Haben Sie Rücklagen für nicht geplante Investitionen? Können Sie Akquise und Vertrieb? Mögen Sie auch die oft weniger schillernden Details einer Selbstständigkeit wie die Umsatzsteuer-Voranmeldung oder die Buchhaltung?

Dass Sie wieder voll arbeiten, lohnt sich für Sie auf jeden Fall, zumindest pekuniär. Ökonomen haben berechnet, dass sich im Laufe eines Mütter-Lebens mit zwei Kindern eine veritable Summe Geld anhäuft, die Sie (beziehungsweise Ihre Familie) einbüßen: In der Zeit, in der Sie nicht arbeiten, in der Sie in Teilzeit wieder anfangen und später dann in der Rente verlieren Sie zusammengerechnet über 500.000 Euro.

Matschhosen und Geigenstunden statt Rentenversicherung

Bedenkt man außerdem, dass Kinder zusätzlich noch eine ziemliche Stange Geld kosten (was vom Kindergeld nur teilweise abgedeckt wird), dann reden wir hier über eine Summe, mit der man sich schon ziemlich gut rentenversichern könnte - wenn man das Geld anlegen würde.

Natürlich wird ein Teil dieser Kosten etwa über Steuererleichterung oder Kindergeld aufgefangen. Aber welche Frau würde diese Summe denn tatsächlich in ihre private Rentenvorsorge investieren? Meistens werden von diesem Geld Matschhosen und Geigenstunden gekauft.

Nun entscheiden sich ja die meisten Frauen aus guten Gründen dafür, nicht das französische Modell (sechs Wochen nach der Geburt wieder voll arbeiten) zu leben. Sie wollen bewusst ihre Kinder aufwachsen sehen. Gerade deswegen sollte eine Diskussion über die Zukunft mit dem Partner unbedingt stattfinden: Wie kann ich mich finanziell so absichern, dass ich im Falle einer Scheidung oder Krankheit nicht mittellos dastehe?

Manche Männer überschreiben ihren Frauen ihre Rentenpunkte, andere schließen eine monatlich laufende Zusatzrentenversicherung ab. Wiederum andere kaufen eine kleine, bezahlbare Wohnung, deren Kredit sie mit den Mieteinnahmen abdecken. Wenn sich dann der Mann aus dem Grundbuch herausschreiben lässt, dann hat die Frau wenigstens eine kostengünstige Bleibe, falls Lebensunwägbarkeiten auftreten. Und wenn Sie beide mit 65 Jahren noch glücklich zusammenleben, können Sie auch einfach die Wohnung gemeinsam verkaufen und stocken so Ihre gemeinsame Rente auf.

Verstehen Sie, worauf ich hinaus will? Es ist egal, was Sie arbeiten, wo und wie viel Sie verdienen, aber es kommt eine Zeit, da haben Sie keine Möglichkeit mehr, Geld anzusparen. Und für diese Zeit sollten Sie vorsorgen.

Das sind Sie sich schuldig. Und das kann auch ein sinnvolles Erbe sein, das Sie Ihren Kindern hinterlassen.

insgesamt 71 Beiträge
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Seite 1
Lagrange 21.12.2018
1. verstehe nicht ganz ...
... was das bringen soll. Genau dafür gibt es doch den Versorungsausgleich. Alle in der Ehezeit erworbenen Ansprüche werden hälftig geteilt. Was für einen Sinn macht es da, die Rentenpunkte schon vorher zu überschreiben. Ich glaube die viel wichtigere (aber auch die deutlich schwierigere) Aufgabe ist es, den Frauen zu verklickern, dass sie nach einer Geburt nicht so lange aussetzen dürfen und den Männern, dass sie sich ebenfalls beruflich zurücknehmen müssen. Ich wäre dafür das Elterngeld pro Person auf 7 Monate zu begrenzen und das ElterngeldPlus wieder abzuschaffen.
logo001 21.12.2018
2. Mütter 500.000 Euro verlieren
man kann nur das verlieren was man mal gehabt hat, wer nicht arbeitet hat halt frei und nutz die Zeit anders das dann viel mehr wert ist als Geld.
anloli 21.12.2018
3. Der nächste Relotius Fall?
Rentenpunkte lassen sich nicht einfach übertragen. Dann könnte ja jeder Sterbenskranke seine Rente noch schnell jemandem überschreiben. Bitte lieber Spiegel arbeitet mal an eurer Qualitätskontrolle!
belustigter 21.12.2018
4. Wie kommt man nur dazu, immer wieder solche Zahlen zu veröffentlichen?
500.000€ muss man erstmal verdienen. Bei 45 Beitragsjahren wären das etwas mehr als 925€ Verlust pro Monat. Selbst wenn man mit vermögensbildenden Maßnahmen in dieser Zeit rechnet und Karrierechancen mit einbezieht, ist diese Zahl sehr hoch. Das deutsche Durchschnittseinkommen mag ja irgendwo bei 3500,-€ pro Monat liegen aber wenn man sich mal den Median anschaut oder die entsprechenden Werte für die neuen Bundesländer, dann soll man mir mal eine Mutter zeigen, die hier genug verdient, um überhaupt so viel verlieren zu können. Wäre mal interessant zu erfahren, mit welchen Daten Frau WIlkens rechnet.
PRAN1974 21.12.2018
5.
Schlecht gewähltes Beispiel meiner Meinung nach. Die Frau verdiente vorher 2800 Euro netto! Das heißt, selbst wenn sie auf die Hälfte reduziert hat, bekommt sie immer noch etwa 1500 Euro im Monat, Kindergeld nicht eingerechnet. Möglicherweise arbeitet sie sogar 25 oder 30 Stunden und verdient damit weiterhin gut im Vergleich zu vielen Niedriglöhnern. Da der Mann sicher auch gut verdient, gibt es keinen Grund, wieso sie davon nicht mehrere hundert Euro im Monat für die Rente zurücklegen sollte. Das reicht doch völlig problemlos, um sich im Alter keine Sorgen machen zu müssen. Nicht für jede ist Karriere das Wichtigste im Leben, aber natürlich muss man dann auch sparsam sein und mit Geld umgehen können.
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