Arbeitsrecht Wenn am Ende des Jahres noch Urlaub übrig ist

Urlaubstage mit ins nächste Jahr nehmen - das darf ein Arbeitnehmer nicht so ohne Weiteres. Was also tun, wenn Sie jetzt noch Urlaubsanspruch haben? Alles Wissenswerte zum Thema.

Noch Urlaubstage offen - also einfach los?
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Noch Urlaubstage offen - also einfach los?


Vier Wochen, so viel Urlaub steht jedem Arbeitnehmer in Deutschland mindestens zu - doch auf dem Bürotisch stapeln sich die Unterlagen. Urlaub nehmen? Passt nicht, schon wieder nicht! Immer wieder geht es Arbeitnehmern in Deutschland so: Der Urlaub wird hintangestellt, aus verschiedenen Gründen. Die eine hat zu viel zu tun, der andere möchte sich die Tage gern für eine längere Reise aufsparen.

Doch dass und wann der Urlaub genommen werden muss, regelt das Bundesurlaubsgesetz - mitsamt seinen Ausnahmen und Fristen. Darf der Resturlaub mit ins nächste Jahr genommen werden oder müssen Sie noch schnell einen Urlaubsantrag stellen? Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Bis wann muss ich meinen Jahresurlaub nehmen?

Die Antwort steckt schon im Begriff: Der Jahresurlaub sollte tatsächlich im laufenden Jahr genommen werden. Aus gutem Grund, sagt Annelie Buntenbach vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB): "Regelmäßiger Erholungsurlaub ist unerlässlich für die Gesundheit der Beschäftigten."

Urlaubszeit anzusparen sei deshalb nicht sinnvoll, sagt Buntenbach. Möglich ist es unter bestimmten Bedingungen aber schon.

Kann ich meinen Resturlaub mit ins nächste Jahr nehmen?

Ja. Allerdings brauchen Sie dafür einen Grund. Laut Gesetz können Sie Urlaubstage ins neue Jahr mitnehmen, wenn sogenannte persönliche Gründe vorliegen.

Damit sind Umstände gemeint, die Sie nicht selbst beeinflussen können oder wegen derer Sie nicht benachteiligt werden dürfen, Elternzeit oder eine lange Krankheit zum Beispiel. Der nicht genommene Urlaub darf dann nicht verfallen.

Auch wenn der Partner schwer krank ist und die erhoffte Reise ausfallen muss oder Sie im nächsten Jahr mehr Zeit für die Kita-Eingewöhnung brauchen, kann das laut Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht, ein Grund sein. Gesetzlich festgeschrieben sei das zwar nicht, aber "Gerichte sind bei solchen Entscheidungen relativ locker".

In der Regel müssen Sie Ihren Urlaub dann aber bis spätestens zum 31. März des Folgejahres nehmen. Danach verfallen Urlaubstage aus dem vergangenen Jahr. Hier sind nur Ausnahmen möglich, wenn Sie sie persönlich vereinbaren.

Kann ich mit meinem Chef Ausnahmen vereinbaren?

Einen Rechtsanspruch auf angesparten Urlaub haben Sie zwar nicht. Jeder Arbeitnehmer kann sich mit seinem Arbeitgeber aber individuell absprechen, sagt Bredereck. Dann können Sie zum Beispiel Urlaub für eine längere Reise ansparen. Man sollte die Absprache aber im Zweifelsfall beweisen können. "Dazu reicht zum Beispiel der Mailverkehr mit dem Chef aus", erklärt der Fachanwalt.

Auf der rechtlich sicheren Seite sind Sie bei diesem Arrangement allerdings nur, wenn Ihr Urlaubsanspruch über dem gesetzlichen liegt. Der vorgeschriebene Urlaub muss schließlich bis spätesten Ende März genommen werden, Ihre persönliche Vereinbarung steht nicht über dem Gesetz. Allerdings, sagt Bredereck, gebe es solche Absprachen oft, geklagt werde fast nie.

Kann ich meinen Resturlaub jetzt noch kurzfristig einreichen?

Ja, Sie müssen Ihren Resturlaub auf jeden Fall noch in diesem Jahr beantragen. Ihr Chef muss auf ihren Urlaubswunsch eingehen, außer es sprechen sogenannte dringende betriebliche Gründe dagegen.

So kurz vor Jahresende kann das etwa das Weihnachtsgeschäft sein, sagt Bredereck. Auch wenn viele Mitarbeiter krank sind, ist das ein solcher Grund. "Da geht es um Vorkommnisse, die nicht in der betrieblichen Routine liegen", erklärt Bredereck.

Aber egal ob Weihnachtsgeschäft oder Grippewelle: In beiden Fällen könnten Sie Ihren Urlaub mit ins nächste Jahr nehmen. Er verfällt dann nicht.

Kann ich mir meinen Resturlaub auszahlen lassen?

Nein, in der Regel geht das nicht. Nur, wenn Sie das Unternehmen verlassen und am Ende noch Urlaubsanspruch haben, wird der ausgezahlt, sagt Fachanwalt Bredereck.

Allerdings habe ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in der deutschen Rechtsprechung nun einiges durcheinandergebracht, sagt Bredereck. Das Gericht hat nämlich geurteilt, dass Urlaubsansprüche vererbbar sind - und in dem Fall ausbezahlt werden müssen.

Was passiert mit meinem Resturlaub bei Kündigung?

Ist am Ende Ihres Beschäftigungsverhältnisses noch Urlaubszeit offen, wird er ausgezahlt, sagt Bredereck. Der Urlaubsanspruch verwandelt sich dann in einen sogenannten Abgeltungsanspruch. Allerdings hat auch hier das EuGH geurteilt - und angemahnt, dass der Arbeitnehmer bei einem befristeten Arbeitsverhältnis nicht darauf setzen kann, den gesamten Jahresurlaub anzusparen. Für ihn gilt auch erst mal der Grundsatz, dass er zur Erholung Urlaub nehmen soll.

Ich habe ein Arbeitszeitkonto. Kann ich meinen Resturlaub darauf übertragen?

In einigen großen Unternehmen gibt es sie bereits: Arbeitszeitkonten, auf die die Mitarbeiter einzahlen, um sich zusätzliche Freizeit anzusparen - sei es für die Pflege von Angehörigen, ein Sabbatical, eine Teilzeitphase oder eine längere Reise.

Die Beschäftigten können nach einer arbeitsreichen Zeit etwa Überstunden und Boni einzahlen - und unter bestimmten Bedingungen auch ihren Resturlaub. Auch hierfür muss der Urlaubsanspruch aber über dem gesetzlichen Minimum liegen. Ansonsten gilt hier das Bundesurlaubsgesetz. Und das besagt ja grundsätzlich: Sie müssen Ihren Jahresurlaub im laufenden Kalenderjahr nehmen.

sun/dpa



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
Chris Sharma 27.11.2018
1. Veralteter Artikel?
Gab es nicht etwa vor 2 Wochen ein neues Gesetz des EuGH laut dem viele ihrer im Artikel aufgeführten Punkte für nichtig erklärt wurden? z.B. Dass Urlaubstage eben nicht mehr verfallen dürfen.
Swantje Unterberg (SPON-Redakteurin) 27.11.2018
2. Urteil des EuGH
Zitat von Chris SharmaGab es nicht etwa vor 2 Wochen ein neues Gesetz des EuGH laut dem viele ihrer im Artikel aufgeführten Punkte für nichtig erklärt wurden? z.B. Dass Urlaubstage eben nicht mehr verfallen dürfen.
Vielen Dank für die kritische Lektüre des Artikels. Die Urteile des EuGH sind aber unter den letzten zwei Punkten genannt - und dass sie in Deutschland für Aufregung sorgen. Allerdings ändern sich durch die Urteile keine Gesetze, sondern ggf nur die Rechtsauslegung. Und über die müssen unter Berücksichtigung des europäischen Urteils nun wiederum deutsche Gerichte urteilen. Betrachtet wird da erst mal nur der Einzelfall.
digge8 27.11.2018
3.
Wer am Ende des Jahres noch Urlaub übrig hat, hat seine work-life-balance nicht im Griff und sollte für die noch nichtgenommenen Urlaubstage in den Zwangsurlaub geschickt werden. Denn niemand ist unersätzlich e
cor 27.11.2018
4. Nette Pauschalaussage
Zitat von digge8Wer am Ende des Jahres noch Urlaub übrig hat, hat seine work-life-balance nicht im Griff und sollte für die noch nichtgenommenen Urlaubstage in den Zwangsurlaub geschickt werden. Denn niemand ist unersätzlich e
Nach dieser Logik hat auch derjenige, der nicht auf allen Vieren Abends aus dem Büro kriecht, einfach nicht genug Arbeit. Sie merken schon, dass ihr Pauschalaussage nicht ganz so hinhaut, oder?
Crom 27.11.2018
5.
Zitat von digge8Wer am Ende des Jahres noch Urlaub übrig hat, hat seine work-life-balance nicht im Griff und sollte für die noch nichtgenommenen Urlaubstage in den Zwangsurlaub geschickt werden. Denn niemand ist unersätzlich e
Selten so ein Blödsinn gelesen. Es kann z.B. vorkommen, dass Kollegen krank werden und man deswegen keinen Urlaub antreten kann. Ich muss aktuell meinen Urlaub mit fünf Kollegen abstimmen, da ich entweder für diese Vertretung machen muss oder umgekehrt. Da kann es schon vorkommen, dass man dann eben nicht alle Tage nehmen konnte.
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