Auszeit vom Job Chef, jetzt ist Sabbat

2015 endlich die große Weltreise? Ein Buch schreiben oder einfach mal länger entspannen? Wer einige Monate Auszeit vom Job braucht, sollte mit seinem Chef ein Sabbatical aushandeln. Dafür gibt es mehrere Varianten.

Im Liegestuhl in der Sonne: Im Sabbatical hat man mehr Zeit für sich
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Im Liegestuhl in der Sonne: Im Sabbatical hat man mehr Zeit für sich


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Frankfurt/Main - Arbeitnehmer, die ihren Job für eine Weile hinter sich lassen wollen, um ihren Lebenstraum zu verwirklichen - das sind die Kunden von Daniela Scholl. "Jeder ist unterschiedlich gestrickt, deswegen kommen für ein Sabbatical auch ganz unterschiedliche Modelle infrage", sagt die Begründerin der Auszeitagentur in Frankfurt am Main.

"Sabbaticals sind häufiger in großen Unternehmen üblich, dort ist die Personaldecke etwas dicker", sagt Alexander Böhne, verantwortlich für betriebliche Personalpolitik bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. "Wenn jemand für zwei, drei Monate ausfällt, macht sich das in einem kleinen Unternehmen sofort bemerkbar."

Hilfreich sei deshalb, sich in die Situation des Chefs hineinzuversetzen, rät Scholl. "Wer für seine Auszeit bereits eine Vertretung präsentieren kann, hat die erste Hürde genommen." Eine kurze Auszeit lasse sich oft durch aufgesparten Resturlaub realisieren: "Die wenigsten wollen ein ganzes Jahr raus, meist geht es um drei bis sechs Monate." Erst wenn es mehr sein soll, müssen andere Lösungen her.

Unbezahlter Urlaub: "Der einfachste Weg zum Sabbatical ist, unbezahlten Urlaub zu nehmen", sagt Jörg Wiedemuth, Bereichsleiter für tarifpolitische Grundsatzfragen bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Das sei bei Weitem das häufigste Sabbatical-Modell, bestätigt Scholl. "Wer unbezahlt Urlaub macht, muss sich allerdings freiwillig krankenversichern", warnt sie. Von der Rentenversicherung und anderen Sozialabgaben können sich Arbeitnehmer befristet freistellen lassen.

Zeitwertkonten: Auf einem Lebensarbeitszeitkonto werden Überstunden angespart. Später kann das Guthaben für arbeitsfreie Zeiten ohne Einkommensverluste genutzt werden: "So ein insolvenzgeschütztes Zeitwertkonto ist steuerlich günstiger als ein Jahr voll und ein Jahr gar nicht bezahlt zu werden", erklärt Wiedemuth. Es gebe aber keinen Rechtsanspruch auf ein Zeitwertkonto. Getroffen werden entsprechende Absprachen meist auf Betriebsebene.

Teilzeit: Teilzeitarbeit kann eine Lösung sein: Wer einen Vertrag über eine 30-Stunden-Woche hat, kann theoretisch auch 40 Stunden in der Woche arbeiten - und die freie Zeit am Stück nehmen. "Ein Arbeitgeber darf den Antrag eines Mitarbeiters auf Teilzeit nicht unbegründet ablehnen", sagt Wiedemuth.

Bildungsurlaub: "Ein Sabbatical lässt sich auch zur Weiterbildung nutzen, beispielsweise um einen Abschluss nachzuholen oder zu promovieren", sagt Böhne. Dafür könne mit dem Betrieb eine unbezahlte Auszeit vereinbart werden. "Der Vorteil dabei ist, dass sich die Beschäftigten beruflich weiterentwickeln können und das Unternehmen bei der Rückkehr davon profitiert." Zum Teil wird die Fortbildung sogar finanziell gefördert.

Ob der Bildungsurlaub beim Chef ankommt, hängt auch vom Nutzen für den Arbeitgeber ab. Eine Firma sei schließlich nicht für die persönlichen Wünsche der Mitarbeiter zuständig, sagt Sabbatical-Beraterin Scholl. "Bei beruflicher Weiterbildung im Job ist der Arbeitgeber dagegen zur Mitwirkung verpflichtet", ergänzt Wiedemuth. Alles andere sei Verhandlungssache: "Ob der Sprachurlaub auf Malta noch als Fortbildung zählt, ist dann eine Frage der Kulanz."

Peter Neitzsch/dpa/ade

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insgesamt 19 Beiträge
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fatherted98 30.12.2014
1. mehere Varianten?
...mir ist nur eine bekannt...kündigen...alles andere ist Wunschdenken eines SPON Schreiberlings....vielleicht in Journalistenkreisen möglich/üblich...im wirklichen Leben wohl kaum.
mweldag 30.12.2014
2. Lebenszeitkonto und andere Phantasien
in der heutigen Zeit wechselt man , vor allem im Ingenieurswesen, alle 3-5 Jahre den Job um bissl voranzukommen. Die meisten Firmen haben garkein Interesse ihre "Goldesel" für eine gewisse Zeit abzudrücken. Einfach rauspressen soviel es geht an Leistung/Stunden die man beim Kunden abrechnen kann. Journalisten die sich kostenfrei bei Freunden/Familie einnisten können werden sich das wahrscheinlich genehmigen können. Anders kann ich es mir nicht erklären.lg
mmkkrr 30.12.2014
3.
Ich frage mich wirklich in welcher Position man sich befindet, in der der Arbeitgeber, das Team, die Kollegen, der Chef auf einen verzichten, fuer Monate. Ich selber wuerde mich denn doch fragen, ob ich meine Zeit in eine essentielle Aufgabe investiere...?
denkdochmalmit 30.12.2014
4. Die Einzigen...
...die ohne Probleme ein Sabbatical nehmen können sind Lehrer. Und das sogar wenn an der Schule Stunden ausfallen. Alle anderen werden ausgelacht..!
dwg 30.12.2014
5. Richtig
Zitat von fatherted98...mir ist nur eine bekannt...kündigen...alles andere ist Wunschdenken eines SPON Schreiberlings....vielleicht in Journalistenkreisen möglich/üblich...im wirklichen Leben wohl kaum.
Aber selbst dann wird es schwierig bei der nächsten Bewerbung den Eindruck zu vermeiden, daß derjenige das demnächst gleich wieder macht. Außerhalb von Schulen und Behörden ist selbst die Elternzeit ein Problem und ein Sabbatical geht in der Regel nicht.
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