Vorstoß der SPD Warum es nichts bringt, grundlos befristete Verträge zu verbieten

Die SPD will Arbeitsverträge abschaffen, die ohne sachlichen Grund befristet sind. Viel sinnvoller wäre es, Arbeitgeber für jeden befristeten Vertrag mehr zahlen zu lassen, meint Arbeitsmarktforscher Joachim Möller.

DPA


Rund acht Prozent aller Arbeitnehmer sind befristet beschäftigt. Der Anteil ist zwar seit 2011 nicht weiter angestiegen. Trotzdem gilt: Fast jede zweite Neueinstellung erfolgt befristet. Besonders betroffen sind junge Menschen.

Wer nicht weiß, ob er seinen Job behält, wird nicht so leicht eine Familie gründen und Kinder bekommen, sagen die Befürworter eines Verbots der sachgrundlosen Befristung. Das Argument ist richtig - aber das Verbot wäre trotzdem falsch. Denn es beruht auf der irrigen Annahme, dass anstelle der bislang befristeten Verträge automatisch unbefristete Verträge abgeschlossen werden. Das wird aber keineswegs in allen Fällen so sein.

Oft werden die Arbeitgeber dann auf Leiharbeiter ausweichen, freie Mitarbeiter beauftragen oder die vorhandenen Beschäftigten Überstunden machen lassen, statt jemanden einzustellen. Das gut gemeinte Verbot würde in vielen Fällen Auswirkungen haben, die aus Arbeitnehmersicht nicht unbedingt erfreulich sind.

Flexibilität für Betriebe

Hinzu kommt: Es ist keine gute Idee, den Betrieben durch zu starre Regelungen die Flexibilität zu nehmen. Es wird Zeiten geben, in denen die Geschäfte nicht so gut laufen wie erhofft oder die Auftragslage sich schlechter entwickelt als erwartet. In einem Land mit einem vergleichsweise strengen Kündigungsschutz wie Deutschland muss es ergänzende Regelungen geben, die Flexibilität ermöglichen.

Sollte also alles so bleiben, wie es ist? Nein. Denn die Kritiker der derzeitigen Befristungspraxis haben ja ernst zu nehmende Argumente. Befristungen bedeuten in vielen Fällen Unsicherheit und Härte für die betroffenen Arbeitnehmer. Das sollte soweit möglich vermieden werden - mit wirksamen Anreizen.

Arbeitgeber stärker in die Pflicht nehmen

Die Ökonomen Christian Hohendanner und Karl Heinz Hausner schlagen vor, die Arbeitgeber für Beschäftigte mit befristeten Verträgen höhere Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zahlen zu lassen. Dafür könnten die Beiträge für unbefristet Beschäftigte sinken. Überzeugend wäre auch folgende Variante: Die Arbeitgeber sollten bei sachgrundlosen Befristungen die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung allein tragen.

Beschäftigte mit befristeten Verträgen haben ein höheres Risiko, arbeitslos zu werden, als ihre Kollegen mit unbefristeten Verträgen. Daher ist es durchaus gerechtfertigt, die Arbeitgeberbeiträge zur Arbeitslosenversicherung in diesen Fällen höher ausfallen zu lassen. Wenn den betroffenen Arbeitnehmern mehr Netto vom Brutto bleibt, ist das sicher auch kein Fehler. Sie müssen ja mit der erhöhten Gefahr leben, am Ende ohne Job dazustehen.

Meistens kommt es jedoch gar nicht erst so weit. Ein Großteil der sachgrundlos befristeten Verträge wird verlängert oder in einen unbefristeten Vertrag verwandelt.

Zum Autor
IAB
Der Volkswirt Joachim Möller (Jahrgang 1953) ist seit 2007 Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Die Forschungsstelle gehört zur Bundesagentur für Arbeit. In seiner regelmäßigen Kolumne auf KarriereSPIEGEL rückt er falsche Gewissheiten über die Arbeitswelt zurecht.
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Seite 1
GSYBE 25.01.2018
1. auch ein Ansatz...
Das ist auch ein Ansatz, aber nur die Arbeitslosenversicherung den AGs aufbrummen ist lächerlich wenig; zusätzlich noch mindestens 10% höherer Lohn, ähnlich wie bei Leiharbeit (wie in Frankreich).
grabenkaempfer 25.01.2018
2.
"Oft werden die Arbeitgeber dann auf Leiharbeiter ausweichen," mag ja sein, aber gerade in der Leiharbeitsbranche gibt es diese befristeten Verträge zu Hauf. Genau da würde das Gesetz am meisten ansetzen.
Häußlerle 25.01.2018
3. Entlarvende Logik
"Oft werden die Arbeitgeber dann auf Leiharbeiter ausweichen, freie Mitarbeiter beauftragen oder die vorhandenen Beschäftigten Überstunden machen lassen, statt jemanden einzustellen." Weil Arbeitgeber, wenn sie nicht mehr die eigenen (befristeten) Leute ausnehmen können andere Arbeiter ausnehmen werden sollen sie die eigenen weiterhin grundlos befristen können? Wohl eher braucht es strenge Regeln für Leiharbeit und Co, damit die Beschäftigten endlich nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden können.
smartphone 25.01.2018
4. Leih und befristet abschaffen
Im Grunde können darüber nur die befinden , die von sowas betroffen sind. Diese Methodiken sind in praxi der perfekte Karrierekiller . Grund : die HRs wollen nach wie vor bruchfreie Lebensläufe sehen --- und das korreliert überhaupt nicht mit solchen Methoden . Bei mir hat das gereicht letztlich komplett aus etwas wie Familie(ngründung) zu verabschieden ... Schauen sie sich heute mal an wie manch Weltfirma agiert . Einstellung nur per Befristung ( 6-12 Monate ) mit evtl Übernahme . und wenn wg Konjunktur etc keine, dürfen sie sich erst 2 Jahre später wiede bewerben. Wenn das der Hauptarbeitgeber der Region ist denkt bei z Zt "bester Arebitsmarktsituation" dennoch 1/3 der Jugend die Region zu verlassen .... Die sog Wirtschaft agiert also regional udn damit staatsschädigend ..... Ökonomie ist in dieser Form verachtenswert und Protagonisten sind um es krass zu sagen mundtot zu machen . WO bleibt die fette Lawine in Davos ?
be_winkler 25.01.2018
5. Es muss generell umgesteuert werden....
weitere Manipulationen am Verhältnis Arbeitgeber/Arbeitnehmer sind nicht zielführend. Schon jetzt ist überhaupt nicht mehr einsehbar, warum nur Arbeitgeber der Reparaturbetrieb einer vollkommen verfehlten Politik sein sollen, die auf Basis Bismarck'scher Erfahrung und Gesetzgebung gemacht wurde, basierend auf Annahmen, die schon seit Jahrzehnten nicht mehr zutreffen. Die Digitalisierung der Wirtschaft wird weite Teile der Bevölkerung "arbeitslos" machen, die dann nicht mehr länger in der "Beschäftigungsgesellschaft Staat" als nichtstuende Beamte und öffentlich Bedienstete rumsitzen können, oder in Krankenkassen, Versicherungen oder Sendeanstalten des öffentlichen Rechts sinnfreie und unproduktive Arbeiten verrichten können. Wir benötigen eine komplett neue Architektur des Sozialstaates, die wahrscheinlich deutlich differenzierter und komplizierter sein wird, als die Auszahlung eines neuerlich diskutierten einheitlichen Grundgehalts. Daran sollte geforscht und gearbeitet werden..... Die kommende Massenarbeitslosigkeit is absehbar, da werden auch unbefristete Verträge keine Sicherheit für Arbeitnehmer darstellen.
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