Zahl der Feiertage "Herr Kretschmer sollte sich um die Probleme seines Landes kümmern"

Sachsen hat zwei Feiertage mehr als die norddeutschen Bundesländer. Trotzdem meint der sächsische CDU-Ministerpräsident, dass Hamburg und Co. keinen freien Tag extra brauchen. Jetzt ist die Empörung groß.

Ministerpräsident Michael Kretschmer
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Ministerpräsident Michael Kretschmer


Mit dieser Forderung hat sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer keine Freunde gemacht: Der CDU-Politiker warnt die norddeutschen Bundesländer, einen neuen Feiertag einzuführen - und das, obwohl Sachsen zwei freie Tage mehr im Jahr hat. Nicht nur Norddeutsche sind deshalb empört.

Einige machen ihrem Ärger in sozialen Netzwerken Luft: "Der Mann hat sonst keine Probleme", schreibt ein User namens Ralf H. Müller bei Twitter. "Ich warne vor zu viel Milch im Kaffee", schiebt er sarkastisch hinterher.

Ein anderer schlägt auf Facebook vor, die Feiertagsregelungen zu vereinheitlichen. "Die Stadt Augsburg könnte hier das Rollenmodell sein." Tatsächlich hat die Stadt bundesweit die meisten Feiertage. Denn dort feiert man am 8. August zusätzlich das Friedensfest. Damit hat die Stadt satte 14 Feiertage pro Jahr.

Lesen Sie hier weitere Reaktionen auf Kretschmers Forderungen:

Kretschmer ist jedoch nicht allein mit seiner Kritik an einem zusätzlichen Feiertag. Zuvor hatten bereits Bundesgesundheitsministerium und Arbeitgeberverband vor zusätzlichen Belastungen gewarnt. "So schön neue Feiertage für den einzelnen Arbeitnehmer kurzfristig auch sind, gesetzliche Feiertage verteuern die Arbeit in Deutschland", sagte Kretschmer der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Es grenze an "Übermut", wenn angesichts der wachsenden internationalen Konkurrenz deutschen Unternehmen neue Belastungen aufgeladen würden, auch wenn es dafür "aus christlicher Tradition gute Gründe geben mag", sagte der CDU-Politiker weiter. Zugleich warnte er, dass für den zusätzlichen Feiertag die Beiträge zur Pflegeversicherung steigen könnten.

Bei den Gewerkschaften kam seine Forderung ähnlich schlecht an wie in den sozialen Netzwerken. Der DGB konterte den Vorstoß des Ministerpräsidenten aus Sachsen mit harscher Kritik. "Auf schlechte Ratschläge aus Sachsen wird hier niemand hören", sagte der Vorsitzende des DGB-Bezirks Nord, Uwe Polkaehn, in Hamburg. "Herr Kretschmer sollte sich um die Probleme seines Landes kümmern."

Die Arbeitnehmer hätten den zusätzlichen freien Tag mit ihrer Arbeitsleistung schon erwirtschaftet, teilte der Bezirk Nord des Deutschen Gewerkschaftsbunds dazu mit. Die Produktivität steige stetig, auch die Gewinne der Firmen hätten sich im Gegensatz zu den Löhnen "prachtvoll entwickelt".

koe

insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
andraschek 17.04.2018
1. Wir brauchen auch keine neuen Feiertage,
aber wir brauchen auch nicht so viele Arbeitstage. Na ja und das der Arbeitgeberverband nichts davon hält, also mehr Feiertage, ist ja nicht wirklich neu. Aber wie ich nicht müde werden kann zu sagen wenn mehr Feiertage dann aber keine religiös motivierten.
kuestenvogel 17.04.2018
2. Moin nach Sachsen
Die Abgabe bzgl. Pflegebeiträge wird diskutiert, was eben nicht zum Wohle des ANs ist. Nur ein gesunder AN ist produktiv. Lieben Gruß auch nach Bayern - eine Chance um wirtschaftlich aufzuholen. Wir Fischköppe zeigen es und holen auf ;)! Dass es nun ein christlicher Feiertag sein muss... Ein konfessionsloses Datum hätte uns Norddeutsche vermutlich besser repräsentiert.
neurobi 17.04.2018
3.
Sollte es wirklich dazu kommen, dass mein neuer Feiertag mit für mich höheren Sozialversicherungsbeiträgen verbunden sein wird, werde ich mir Überlegungen dagegen notfalls bis zum bis zum Bundesverfassungsgericht auf Gleichberechtigung mit Sachsen und Bayern zu klagen. Wenn die sich mehr Feiertage gönnen müssten dort ja die Beträge höher sein als im Norden.
domino3116 17.04.2018
4. Sich mal erkundigen!
In Sachsen ist ein freier Tag, der mehr als anderswo ist, der Buß- und Bettag. Dafür zahlen dort die Arbeitnehmer 0,5% des durchschnittlichen Bruttogehalts für die Pflegeversicherung. Also: Geld für Freizeit.gu
trader_07 17.04.2018
5.
""So schön neue Feiertage für den einzelnen Arbeitnehmer kurzfristig auch sind, gesetzliche Feiertage verteuern die Arbeit in Deutschland", sagte Kretschmer der "Neuen Osnabrücker Zeitung"." Herr Kretschmer hat mit dieser Aussage natürlich völlig Recht. Trotzdem denke ich, dass es sich nicht lohnt, ein solches Bohei um das Thema zu machen. Wenn ein zusätzlicher Feiertag kommt, sollten die norddeutschen Arbeitgeber diesen zusätzlichen freien Tag bei der nächsten Gehaltsrunde mit einpreisen und die Erhöhung fällt dann halt entsprechend spärlicher aus. Problem gelöst.
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