KarriereSPIEGEL

Zuschläge für Überstunden

U-Bahn-Wärter verdient 235.000 Dollar

Reinigungskräfte verdienen nie viel? Von wegen: Ein Stationswärter, der in San Francisco die U- und S-Bahnen sauber hält, kann sich über ein horrendes Gehalt freuen. Dafür machte er allerdings auch unglaubliche 2485 Überstunden.

Von manager-magazin.de-Redakteur

AP

BART-Station im Zentrum von San Francisco

Freitag, 04.11.2016   17:13 Uhr

Wenn es so etwas gäbe in Amerika, könnte sich Liang Zhao Zhang für den Orden "Held der Arbeit" bewerben. Den gibt es nicht, dafür aber einen gewissen Ruhm, seit ein Bericht der Organisation Transparent California den U-Bahn-Wärter zum neuen Neidobjekt erhoben hat.

Laut der Lokalzeitung "San Jose Mercury News" verdiente Zhang als Stationswärter des Schnellbahnnetzes BART in der Region San Francisco 234.591 Dollar im vergangenen Jahr. "Wo kann ich mich bewerben?", ulkten Bahnkunden in einer Straßenumfrage.

Ganz so neidverdächtig wie Hedgefondsmanager mit Milliardengewinnen ist Zhang dann aber doch nicht. Sein Grundgehalt von 57.946 Dollar mag zwar für viele Hausmeisterkollegen im Land unerreichbar erscheinen. In der vom Silicon Valley geprägten Bay Area mit extremen Lebenshaltungskosten reicht sie gerade so zum Leben.

Richtig bemerkenswert sind aber die Überstundenzuschläge von 162.000 Dollar. Dafür musste Zhang zusätzlich zu seinem Schichtdienst von 1421 Stunden unglaubliche 2485 Überstunden leisten, berichtet die "Mercury News". Das sind 53 Stunden pro Woche. Denn einen Luxus gönnte sich Zhang: Er machte - in den USA ebenfalls unglaubliche - fünf Wochen Urlaub.

Ein Extremfall, aber kein Einzelfall

Eine Firmensprecherin wurde zitiert, Zhang habe sich freiwillig für die Zusatzarbeit gemeldet. Zugleich sei dieser Fleiß aber auch nötig, "sonst wären unsere Stationen dreckiger". Der Wärter ist zwar ein Extremfall, aber längst nicht allein. Mehrere Vorarbeiter, Hausmeister und Polizisten bekamen sechsstellige Überstundenzuschläge - und schafften es doch nicht unter die Top Ten der Großverdiener bei BART.

Dennoch lösen die hohen Zuschläge - die nach einem neuen Bundesgesetz noch deutlich steigen könnten - eine Debatte aus, ob das wirklich nötig sei. "Es wäre toll, wenn alle Hausmeister 200.000 Dollar bekämen", sagt Robert Fellner von Transparent California. "Aber ich bezweifle, dass BART-Kunden, die für diesen Exzess bezahlen müssen, jemals eine solche Gelegenheit bekommen."

Ein lokaler Abgeordneter empfiehlt den Wählern der Region schon, am kommenden Dienstag dagegen zu stimmen, dass BART Anleihen in Milliardenhöhe verkaufen darf. Das Geld für eine Renovierung des Netzes werde zwar dringend gebraucht, aber "Fehlverhalten sollte nicht belohnt werden".

Der Bahnbetreiber argumentiert, die Überstunden auszuzahlen sei immer noch günstiger als ausreichend Arbeitskräfte einzustellen.

Die Geschichte von Liang Zhao Zhang jedenfalls macht die Runde. Der Lokalsender "ABC13" aus Texas behauptet, der Mann sei für ein Interview nicht erreichbar gewesen. "Er musste arbeiten."

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