Büro-Kung-Fu Bitte recht schlagfertig

Die fiesen Kommentare vom Kollegen wären ja halb so schlimm, wenn einem die passende Antwort sofort einfallen würde - und nicht erst wieder auf dem Heimweg in der U-Bahn. Vier Abwehrtechniken für den Nahkampf im Büro.

Kämpfende Manager: Die richtige Abwehrstrategie ist alles!
Corbis

Kämpfende Manager: Die richtige Abwehrstrategie ist alles!


Eine Sekretärin soll handschriftliche Notizen ihres neuen Chefs in ein Textverarbeitungssystem eingeben. Sie kann das Gekrakel jedoch nicht entziffern. Also sagt sie zu ihrem Chef: "Ich kann Ihre Schrift nicht lesen." Darauf sagt er: "Ich gebe Ihnen vier Monate, um meine Schrift erkennen und entziffern zu lernen." Darauf sie: "Ich gebe Ihnen zwei Wochen, so zu schreiben, dass ich's lesen kann."

Ihnen gefällt die Antwort, stimmt's? Aber wäre sie Ihnen auch so schnell eingefallen? Viele Menschen haben das Problem, dass sie in einer Situation, in der sie sich ungerechtfertigt angegriffen fühlen, sprachlos bleiben. Und erst Stunden später fällt ihnen ein, welchen brillanten Satz sie in dieser Situation hätten erwidern können. Jeder hat solch hilflose Wut schon einmal erlebt. Wie schafft man es also, sich im Büro so gut zu behaupten wie die Sekretärin?

1. Seien Sie frech

Durchbrechen Sie Ihre Bravheitsschablone. Haben Sie den Mut, Kanten zu zeigen. Wenn Sie ein Mensch sind, der es allen immer recht machen und niemandem weh tun will, werden Sie niemals schlagfertig sein können. Eigentlich ist es gar nicht so wichtig, was Sie sagen. Wichtiger ist, dass Sie überhaupt etwas sagen. Und wer Frechsein übt, baut gleichzeitig sein Selbstbewusstsein auf. Der Chef der Sekretärin hat übrigens herzhaft gelacht.

2. Stehen Sie einfach mal auf

Angenommen, Sie werden schon wieder von Ihrem Chef angeschnauzt. Versuchen Sie es einmal mit folgender Strategie: Sie stehen auf, schauen ihm in die Augen, gehen vielleicht sogar noch einen Schritt auf ihn zu und sagen ganz ruhig: "So lasse ich nicht mit mir reden, kommen Sie wieder, wenn Sie einen normalen Ton gefunden haben. Danke!" Dann setzen Sie sich wieder hin oder verlassen den Raum.

Was ist passiert? Sie stehen auf. Ihr Chef erwartet das nicht von Ihnen und ist erst einmal perplex. Gleichzeitig stehen Sie auch innerlich auf. Körpersprachlich drücken Sie aus: "Hier ist meine Position. So weit und nicht weiter." Das, was Ihr Körper macht, beeinflusst wiederum Ihr Selbstbewusstsein. Sie fühlen sich viel stärker. Sie sind nicht mehr der Untergebene, sondern Gleicher unter Gleichen.

Und dann wenden Sie sich noch ab. Das müssen Sie nicht tun, das können Sie aber. Damit haben Sie die Möglichkeit, die Kommunikation abzubrechen. Wenn Sie jemanden nicht mehr anschauen oder weggehen, hat er eine riesige Hürde zu überwinden, um etwas zu erwidern. Das ist nicht die feine Art, aber in diesem Fall geht es für Sie darum, dass Sie nicht mehr leiden und eindringlich Ihre Position klarstellen.

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3. Machen Sie Witze

Gerade im Wirtschaftsleben hat der Mensch seriös, ernsthaft und damit missgelaunt zu sein. Humor finden zwar alle gut, er bekommt aber sein Reservat zugeordnet: die Mittagspause, den Kneipentisch, die Fastnachtszeit. Warum eigentlich? Es gibt schlichtweg nichts, was Sie ernst nehmen müssen. Das schließt Ihre Arbeit ein, die Beziehung, die Familie, das Geschäftsleben, Ihr Hobby. Einfach alles.

Stellen Sie sich folgende Szene vor: Ein Mitarbeiter mit kleiner Körpergröße regt sich unheimlich auf. Seine Tirade endet mit dem Satz "...und das sag ich dem Kunden geradewegs ins Gesicht." Sein Kollege antwortet: "Ich heb' dich dann hoch."

Die Welt ist immer so ernst, wie Sie sie sehen wollen. Sie kennen vielleicht die Atmosphäre bei Sitzungen. Alle sitzen steif da, jeder redet kontrolliert, und die Stimmung ist so verspannt, dass man kaum wagt zu atmen. Versuchen Sie es mit einem Witz! Sie dürfen nicht auf die anderen warten, sonst warten Sie Ihr Leben lang. Lachen entkrampft und entspannt - auch im Meeting.

4. Machen Sie die Form zum Inhalt

Stellen Sie sich vor, Sie werden während einer Sitzung von einem Kollegen mit scharfem Unterton attackiert: "Ach, Frau Huber, das ist wieder mal einer Ihrer völlig undurchdachten Vorschläge. Man hat den Eindruck, Sie haben die ganze Sitzung nicht zugehört."

Gegen so einen Sitzungsquerschläger könnten Sie inhaltlich reagieren, oder aber Sie wählen eine Methode, bei der Sie sich keine Gedanken machen müssen, mit was Sie da gerade bombardiert worden sind: Sie gehen überhaupt nicht auf den Inhalt ein, sondern machen nur zum Thema, wie man im Moment miteinander redet. Sie machen die Form zum Inhalt.

Sie könnten etwa erwidern: "Unsachliche Bemerkungen bringen uns nicht weiter, Herr Kaiser. Wir alle wollen zügig zu einem Ergebnis kommen. Ich würde Sie bitten, im Sinne einer effektiven Sitzung, sich erst dann wieder zu melden, wenn Sie den Ton gefunden haben, den wir hier gewohnt sind. Danke."

Die Strategie dahinter: Gehen Sie nicht inhaltlich auf den Angriff ein. Analysieren und bewerten Sie die Art des Angriffs. Indem Sie den anderen wegen seiner unsachlichen Art zurechtweisen, stehen Sie immer als Gewinner da - egal bei welcher Attacke.

Verstärkend können Sie den Angreifer auch noch in der Gruppe isolieren, indem Sie zum Beispiel sagen: "Wir alle wollen zügig zu einem Ende kommen." So machen Sie den Angreifer auch noch zum Verursacher einer schleppenden Sitzung.

  • Matthias Pöhm musste als jüngstes von neun Kindern schon früh lernen, sich durchzusetzen. Sein persönliches Schlüsselerlebnis hatte der Software-Ingenieur während einer Mitarbeiterversammlung: Sein Chef forderte ihn auf, etwas zum Thema "Personalvertretung" zu sagen. Knallrot, mit bebender Stimme und schweißnassen Händen, stammelte er etwas daher. Danach besuchte er jeden Rhetorikkurs, den er finden konnte. Seit 1997 arbeitet er selbst als Trainer für Schlagfertigkeit und Rhetorik. Zuletzt erschien die Neuauflage seines Bestseller "Nicht auf den Mund gefallen. So werden Sie schlagfertig und erfolgreicher" im mvg Verlag.

insgesamt 22 Beiträge
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_themroc_ 17.02.2014
1. Krasser Beratungsfehler
... "Ich heb' dich dann hoch." ... Lieber Herr Pöhm, ich empfehle ihnen dringend, ihre Kundschaft nicht so zu beraten, dass sie Witze über körperliche Eigenschaften, Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht etc. in ihrem professionellen Umfeld reißt. Ich weiß nicht, in welchem Jahrhundert Sie den Text geschrieben haben, sowas wird heute allgemein als chauvinistischer Mist bewertet.
FairPlay 17.02.2014
2. Schlagfertig
bedeutet kontrollierter Umgang mit Rhetorik. Das darf man nicht mit Frechheit oder Anmaßung oder Selbstüberschätzung tun. Denn sonst kann eine falsche Schlagfertigkeit leicht nach hinten los gehen. Man sollte immer wissen wo und bei wem und wann. Das aber ist die große Kunst genau den richtigen Zeitpunkt zu spüren.
Spiegelwahr 17.02.2014
3. Sekretärin, die aufmuckt, kann gehen
Wenn jemand im Ernst glaubt, dass eine Sekretärin sich leisten kann, bei einem neuen Chef aufzumucken, der hat keine Ahnung vom Büroalltag. Wenn der Chef ein Idiot ist, ist es Zeit sich einen neuen Chef zusuchen oder den Chef abzuschießen. Als Sekretärin gibt es viele Wege, den Chef schlecht aussehen zulassen. Man muss nur die Schwächen des Chefs unterstützen in der richtigen Richtung. Schnelle Antworten sind meist dumme Antworten. Verdeckter Widerstand ist besser, weil der sabotiert jeden Ablauf und ist schwer zu entdecken.
alangasi 17.02.2014
4. Büro
Ich frag mich immer: Besteht die Arbeitswelt eigentlich nur noch aus Büroheinis? Könnte man meinen wenn man die Spiegelratgeber zu Thema Arbeit liest!
JKStiller 17.02.2014
5. Die Antwort finde ich niedlich!
"Unsachliche Bemerkungen bringen uns nicht weiter, Herr Kaiser. Wir alle wollen zügig zu einem Ergebnis kommen. Ich würde Sie bitten, im Sinne einer effektiven Sitzung, sich erst dann wieder zu melden, wenn Sie den Ton gefunden haben, den wir hier gewohnt sind. Danke." - Das kann man aber auch kürzer a la Stromberg formulieren: "Sind Sie eigentlich außer doof noch was anders?"
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