Schleswig-Holstein Sparkassen-Vorstände müssen Gehaltszettel zeigen

Ihre Lohnabrechnung halten viele Bankenchefs lieber geheim. In Schleswig-Holstein geht das jetzt nicht mehr. Die Vorstände einiger Sparkassen mussten ihr Einkommen erstmals offenlegen.

Hauptstelle der Förde-Sparkasse in Kiel
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Hauptstelle der Förde-Sparkasse in Kiel


Die Top-Manager der öffentlichen-rechtlichen Sparkassen in Schleswig-Holstein haben das erste Mal ihren Gehaltszettel öffentlich präsentiert. Die jährlichen Grundgehälter reichen demnach von 133.000 bis 390.000 Euro - je nach Höhe der Bilanzsumme der jeweiligen Sparkasse. Dazu kommen erfolgsabhängige Leistungen von 2800 bis zu 117.000 Euro.

"Wir setzen damit als Erste die gesetzliche Auflage des Landtages um, für mehr Transparenz bei den Gehältern und Versorgungsbezügen unserer Top-Manager zu sorgen", sagte der Präsident des Sparkassen- und Giroverbands, Reinhard Boll, am Freitag. "Eine solche Veröffentlichung in Tabellenform mit den Namen und genauen Leistungen wurde in Deutschland bisher nicht praktiziert."

Boll kritisierte, dass Sparkassen in anderer Trägerform, Volksbanken oder regionale Privatbanken ihre Vorstandsgehälter nicht preisgeben müssten. Die Regel gilt für öffentlich-rechtliche Einrichtungen.

Die Top-Manager offenbarten auch ihre Altersbezüge. Die Pensionen liegen demnach jährlich bei 98.000 bis 273.000 Euro. Dafür halten manche Sparkassen Rückstellungen in Höhe von mehr als drei Millionen Euro in ihren Büchern vor. Unter den 26 aufgelisteten Vorständen ist nur eine Frau. Sie verdient im Vergleich am wenigsten.

"Ich stehe hinter jeder Zahl in dieser Tabelle"

Er könne verstehen, wenn manche die Höhe der Bezüge und Pensionen kritisierten, sagte Boll. Aber im Kampf um die besten Kräfte müssten die Sparkassen marktübliche Gehälter zahlen. "Sonst laufen uns Spitzenkräfte einfach davon." Boll sieht die Bezahlung als Frage des Marktes und nicht der Moral. "Ich stehe hinter jeder Zahl in der Tabelle."

Schleswig-Holstein hatte 2015 ein "Vergütungsoffenlegungsgesetz" für öffentliche Unternehmen beschlossen und auch das Sparkassengesetz entsprechend geändert. Danach muss der Träger einer öffentlich-rechtlichen Sparkasse darauf hinwirken, dass die Bezüge und sonstigen Leistungen jedes Mitglieds von Vorstand und Verwaltungsrat unter Namensnennung auf der Homepage des Finanzministeriums sowie im Anhang zum Jahresabschluss veröffentlicht werden.

Die Regel betrifft auch andere Unternehmen, zum Beispiel öffentliche Energieversorger, Transportunternehmen und Abfallentsorgungsfirmen. Das Landesfinanzministerium rechnet in den kommenden Wochen mit mehreren Mitteilungen zu Chefgehältern.

Schleswig-Holstein steht mit seiner Offenheit bundesweit nicht allein da. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel gibt es ebenfalls ein Vergütungsoffenlegungsgesetz. Hamburg hat ein Transparenzgesetz, wonach städtische Unternehmen unter anderem zu Gehältern der Leitungsebene Zahlen auf den Tisch legen müssen.

fok/dpa



insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
trader_07 17.06.2016
1. Gut...
...jetzt weiß man also, wieviel die verdienen. Was bringt uns das außer einer neuen Neid-Debatte?
Robert Mitchum 17.06.2016
2. Der eigentliche Skandal
ist die Pension. Ab 100.000€ p.a. über 20 Bezugsjahre (Rentenbezugsdauer) sind vermutlich für jedes Jahr der 10-20 Vorstandsjahre nochmal 100.000 bis 200.000€ EXTRA.
jj2005 17.06.2016
3. Schwedische Verhältnisse
Einfach nur skandalös, das Ganze! Wo kommen wir denn hin, wenn wir unsere Gehälter begründen müssen?
noalk 17.06.2016
4. Was erlauben Boll?
Er kritisiert die Pflicht zur Offenlegung. Geht's noch? Öffentlich-rechtlich gehört sich das so! Wenn's den Vorstehern nicht passt, können sie gerne in die Privatwirtschaft wechseln.
cm1 17.06.2016
5. Sehr gut
Transparenz ist das beste Mittel gegen unbegründeten Neid. Wer leistet, soll auch etwas verdienen. Darum müssen die Ruhegehälter stark reduziert werden, schließlich leistet ein Rentner nichts mehr für seinen Arbeitgeber. Der, der arbeitet, soll mehr haben, als diejenigen, die nicht arbeiten
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