Rechte und Pflichten bei Schneechaos Was Arbeitnehmer im Winter beachten müssen

Was Angestellte beachten müssen, wenn sie wegen starken Schneefalls nicht zur Arbeit kommen können - und wann sie mit Lohnausfall zu rechnen haben.


Schneechaos und ausgefallene Züge in Bayern, Lawinengefahr und Straßensperrungen in Österreich: In den Alpen ist der Winter eingezogen - mit spürbaren Folgen für Arbeitnehmer und Urlauber.

So waren im österreichischen Saalbach-Hinterglemm am Wochenende zeitweise rund 12.000 Wintersportler eingeschlossen. Rund die Hälfte von ihnen kommt aus Deutschland, viele mussten ihre Heimreise - und damit auch die Rückkehr an den Arbeitsplatz - wegen des Wetters verschieben.

Ist starker Schneefall "höhere Gewalt", die einen Arbeitnehmer am Weg zur Arbeit hindert? Wann darf man einfach zu Hause bleiben? Und wie sieht es mit der Lohnfortzahlung in solchen Fällen aus?

Angestellte tragen das Wegerisiko

Arbeitnehmer sind zunächst einmal selbst dafür verantwortlich, dass sie ihre Arbeit pünktlich beginnen können - sie tragen das sogenannte Wegerisiko. Im Normalfall heißt das: Auch bei Sturm, Stau oder Streik müssen sie dafür sorgen, dass sie rechtzeitig im Büro sind.

Und zwar auch dann, wenn das bedeutet, dass sie sich morgens deutlich früher auf den Weg machen müssen. Alles, was vorhersehbar ist, ist keine "höhere Gewalt" und taugt deshalb auch nicht als Entschuldigung für Arbeitnehmer: Das gilt für den angekündigten Streik bei Bus und Bahn, bei Demonstrationen mit Straßensperrungen auf dem Arbeitsweg und eben auch bei Winterwetter im Winter.

Wer trotzdem zu spät kommt - etwa, weil die Straßen komplett verstopft waren oder die Bahn lange Zeit nicht gekommen ist - kann aber nicht einfach abgemahnt oder gar fristlos gekündigt werden. Voraussetzung: Er kann glaubhaft machen, dass er alles versucht hat, um pünktlich zu sein. Der Arbeitgeber kann allerdings verlangen, die versäumte Zeit nachzuholen - oder den Lohn für diese Zeit kürzen.

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Wintereinbruch in Bayern: Viel Schnee, viele Unfälle

Dabei darf der Chef aber nicht verlangen, dass die versäumte Zeit unbedingt am selben Tag ausgeglichen wird. Denn schließlich kann nicht jeder den Feierabend einfach nach hinten verschieben - etwa, wenn Kinder aus der Kita abgeholt werden müssen. In einem solchen Fall kann der Arbeitgeber aber darauf bestehen, dass die Stunden an einem anderen Tag nachgearbeitet werden.

Arbeitnehmer, die im Winter zusätzliche Ausgaben tätigen müssen, um ins Büro zu kommen, haben keinen Anspruch auf Erstattung durch den Arbeitgeber. Wer beispielsweise ein Taxi nehmen muss, um es rechtzeitig zum Meeting zu schaffen, trägt die Kosten selbst. Dass man im Hotel neben der Firma übernachtet, um am nächsten Morgen pünktlich am Schreibtisch zu sein, kann allerdings kein Chef verlangen.

Auf ihrem Weg zur Arbeit sind Angestellte über die jeweilige Berufsgenossenschaft versichert. Das gilt auch im Winter und bei besonders kritischen Straßenverhältnissen - allerdings nur so lange, wie sie den direkten Arbeitsweg nicht verlassen.

Grundsätzlich gilt: Wer es wetterbedingt nicht rechtzeitig ins Büro schafft, muss trotzdem alles dafür tun, dort möglichst bald anzukommen. Und er sollte, sobald die Verzögerung absehbar ist, den Arbeitgeber informieren - um dann mit ihm zu klären, ob sich die Anreise überhaupt noch lohnt oder ob vielleicht ein Tag im Homeoffice eingeschoben werden kann.

Vielleicht hat der Chef aber auch ein Einsehen und gibt schneefrei für alle. Dann verzichtet er von sich aus für diesen Tag auf die Arbeitsleistung - und muss trotzdem den Lohn weiterzahlen.

him/mit Material von dpa

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wi_hartmann@t-online.de 07.01.2019
1. "Flachlandtiroler"
Ratschläge aus dem flache Norden, was zu tun, oder zu lassen ist auch bei widrigen Witterungsverhältnissen in den Alpenländern pünktlich von A nach B zu gelangen, wird eher bei den Betroffenenmit Mitleid für die Ratgeber aus Hamburg zur Kenntnis genommen.
Mardor 07.01.2019
2. Überflüssig
Zitat von wi_hartmann@t-online.deRatschläge aus dem flache Norden, was zu tun, oder zu lassen ist auch bei widrigen Witterungsverhältnissen in den Alpenländern pünktlich von A nach B zu gelangen, wird eher bei den Betroffenenmit Mitleid für die Ratgeber aus Hamburg zur Kenntnis genommen.
Stellen Sie sich vor, das Arbeitsrecht ist in Bayern das gleiche wie in Hamburg... M.a.W.: Ihr Kommentar ist so überflüssig wie ein Kropf.
matti99 07.01.2019
3. alter Kaffee
wieder so ein Beitrag wie aufgegossener Kaffee. Die berufsgenossenschaftliche Unfallversicherung gehört in Deutschland zur Pflichtversicherung jeder bezahlten Tätigkeit. Im Artikel wird alles aus der gehobenen Sicht eines Redakteurs geschrieben: Es gibt nicht nur im Büro tätige Angestelle. Solche Regeln gelten auch für gewerbliche, Unternehmens- und Verwaltungsmitarbeiter, die vielleicht auch (nur) den rechtlichen Lohnempfänger-Status eines "Arbeiters" haben und nicht im Büro arbeiten. Und auch für die vielen Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes gelten solche Regeln.
mazzmazz 07.01.2019
4. Das ist...
...nun einmal die Gesetzeslage in der BRD. Normalerweise wied man sich rechtzeitig absprechen und ggf. Homeoffice machen, Urlaub nehmen oder die Zeit eben nacharbeiten. Nur die wenigsten Jobs sind ja derart wichtig, dass der AN pünktlich sein muss, um das Bestehen des Unternehmens oder die öffentliche Versorgung / Sicherheit zu gewährleisten. Man fährt halt ein Bisschen früher los, dann passt das. Ich habe für meine knapp 50 Km im tief verschneiten Oberbayern heute 10 Minuten länger gebraucht als im Hochsommer. Da ich ohnehin schon morgens im Auto einige Telefonate erledige, ist das egal. Wer pünktlich sein muss, startet eben eine halbe Stunde früher. Wenn es aber richtig gefährlich wird, bleibt man besser zu Hause. Bei einer Hurricane-Warnung hatte ich mir diesen Luxus mal geleistet. Unser Bisschen Schnee hier rechtfertigt das nur in Ausnahmefällen, wie Kellnern auf Skihütten und Menschen ihne Führerschein, deren Bahn nicht fährt. Bahnfahrer mit FS könnten ja vor dem Wintereinbruch ein Auto mieten.
schwerpunkt 07.01.2019
5.
In Österreich mag derzeit wirklich viel Schnee in kurzer Zeit gefallen sein. Ja, im südlichen Bayern liegt ebenfalls Schnee. Aber die Schneekatastrophe, von der man hin und wieder hört oder ließt gibt es nicht. ich bin heute früh 230km durch's südliche Bayern gefahren (einmal quer durch .. und habe aufgrund der Meldungen wirklich Schlimmes erwartet). Ja, es liegt Schnee. manchmal auch auf wenig befahrenen Straßen. Aber nichts für einen Winter ungewöhnliches. Ich habe ich nur wenige Minuten länger gebraucht als an wetterfreundlichen Tagen. Aber selbst das lag mehr an der Reaktion mancher Fahrer auf diese "extremen" Verhältnisse, als an den Verhältnissen selbst. Ich habe schon extreme Wintertage mit wirklich katastrophalen Straßenverhältnissen erlebt. Das sind derzeit keine davon. Ich entdecke normale, winterliche Verhältnisse. Wer damit nicht zurecht kommt und DESWEGEN zu spät kommt (unfallbedingte Staus, die es ansonsten auch so jederzeit geben kann, ausgenommen), hat wohl noch keinen Winter in Süddeutschland erlebt.
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