Schockreklame eines Anwalts Endlich - Karlsruhe verbietet geschmacklose Kaffeetassen

Ein Rechtsanwalt wollte auf Kaffeetassen werben - mit Prügel- und Pistolenfotos. Das geht zu weit, entschied das Bundesverfassungsgericht. Und wer möchte schon einen Anwalt, der solche Tassen im Schrank hat?

Werbetassen-Motiv: "Nicht verzagen, Anwalt fragen"
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Werbetassen-Motiv: "Nicht verzagen, Anwalt fragen"

Eine Glosse von


Ein kleiner Schritt für das Bundesverfassungsgericht, ein gigantischer Schritt für den guten Geschmack: Am Freitag haben die höchsten Richter des Landes entschieden, dass ein Kölner Anwalt keine hässlichen Werbetassen herstellen lassen darf (Aktenzeichen 1 BvR 3362/14).

Also, jedenfalls keine, auf denen ein Mann zu sehen ist, der mit einem Stock auf das nackte Hinterteil einer Frau schlägt, und die mit dem Spruch "Wurden Sie Opfer einer Straftat?" für den Beistand des humorvollen Juristen warben. Das Gericht fand: Mandanten müssten unbedingtes Vertrauen zu ihrem Anwalt haben. Im Interesse der rechtssuchenden Bürger sei ein derartig reklamehaftes Anpreisen daher nicht erlaubt.

Das ist natürlich eine, Achtung, Kalauer, ziemliche Klatsche für den Anwalt - und auch, wenn man es recht bedenkt, schade für die vielen männlichen Opfer, die nach dem Kinobesuch von "Fifty Shades of Grey" von ihren Frauen zu mehr anstrengender Dominanz gezwungen werden, statt wie bisher friedlich auf dem Sofa kuscheln zu dürfen. Jetzt haben diese armen Leute keine Chance mehr zu erfahren, dass Hilfe nur ein Tässchen entfernt zu haben wäre.

Hinwiederum ebenfalls zu bedenken ist, dass eine solche Werbung ja auch, Achtung, noch mieserer Kalauer, nach hinten losgehen kann - denn wer möchte einen Anwalt haben, der solche Tassen im Schrank hat? Eben.

Sicherheitshalber im gleichen Aufwasch verboten wurde dem launigen Kölner noch eine weitere spaßige Tasse. Die zeigte eine Frau, die sich eine Schusswaffe an den Kopf hält, mit dem Mut machenden Text "Nicht verzagen, R... fragen". Da kann man natürlich knallhart kritisch nachfragen, ob die dargestellte Frau sich die Knarre geschnappt hat, bevor oder nachdem sie die Anwaltsrechnung bekommen hat.

Aber man kann es auch lassen und sich darüber freuen, dass das Bundesverfassungsgericht die Welt immerhin vor zwei sehr, sehr hässlichen Tassen bewahrt hat. Jetzt sind nur noch zweihundert Trillionen davon übrig. Go Karlsruhe!

Viele schöne Beispiele aus der Anwaltswerbung in Amerika zeigen übrigens, vor welchen Auswüchsen uns die geschmackssicheren Richter bewahrt haben. Hier eines der allerschönsten - Sie haben es sich verdient. Schönes Wochenende! Und nie vergessen: You need a lawyer, lawyer, lawyer. Yeah.

  • Maren Hoffmann ist Redakteurin bei manager magazin Online. Dort erschien ihr Beitrag zuerst.

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insgesamt 60 Beiträge
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Seite 1
Bueckstueck 21.03.2015
1. Im Ernst?
Das BVG hat nichts besseres zu tun als sich in das Werbetreiben von Bürgern einzumischen die offenkundig keinen verfassungsfeindlichen Charakter hat? Na dann ist ja alles bestens in der Republik!
ernstmoritzarndt 21.03.2015
2. Peinlich - für die anwaltlichen Berufsrechtler
Hier handelt es sich um eine besonders üble Stilblüte der anwaltlichen Berufsrechtler. Aus Neid, Missgunst - oder was es sonst für unlautere Gründe geben mag - ist ein Rechtsanwalt wegen seiner Werbung, die vielleicht nicht als besonders intelligent angesehen muß, abgemahnt worden. Das Verhalten der Berufsorganisationen in dieser Situation muß als besonders blödsinnig deshalb angesehen werden, weil eigentlich viel wichtigere Themen auf der Tagesordnung stehen sollten, mit denen man sich aber seit vielen Jahren substantiell nicht beschäftigt. Das Berufsrecht der Rechtsanwälte könnte reduziert werden auf wenig Kernthemen (dazu gehören derartige Fragen, wie hier entschieden nicht) - unter Abschaffung der Kammern. Dann werden aber tausende von Funktionärsposten frei. Deshalb kommt man nicht voran.
diego666 21.03.2015
3.
Das ist ja wohl eine Frechheit, dass das Verfassungsgericht sich in Fragen des guten Geschmacks einmischt. Und ob Mandanten unbedingtes Vertrauen zu diesem Anwalt haben, entscheidet in dem Falle auch der Geschmack der Mandanten. Wenn denen solche Werbung auf den Magen stößt, dann suchen sie sich halt einen anderen Anwalt. Ohne die Werbung haben sie ja sogar noch weniger Möglichkeit, sich über den Charakter des Anwalts Informationen einzuholen. Dieses Urteil ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden Menschen, der eine freiheitliche MÜNDIGE Mehrheitsgesellschaft will.
der_durden 21.03.2015
4.
Ich dachte erst, dieser Artikel sei Satire. Und Sie schreiben "endlich"? Wirklich? Der Autor tut so, als wäre dieses Urteil eines, auf das ganze Deutschland gewartet hat. Ganz im Gegenteil, ich finde es bedenklich, wenn in Deutschland das höchste Gericht über Fragen des Geschmacks urteilt. Diese Tassen sprechen mich nicht an, man würde sie in nicht meinem Schrank, erst recht nicht auf meinem Schreibtisch finden, aber verbieten? Was ein Schwachsinn! Sorry, aber dieses Verbot, dieses Urteil erschreckt mich. Karlsruhe hätte dieses Klage abweisen müssen. Zensur findet nicht statt heißt es in einem Verfassungsgut und ich kann nicht erkennen, dass auf dieser Tasse verfassungsfeindliche Zeichen zu sehen waren. Absurdistan!
der_durden 21.03.2015
5.
Zitat von der_durdenIch dachte erst, dieser Artikel sei Satire. Und Sie schreiben "endlich"? Wirklich? Der Autor tut so, als wäre dieses Urteil eines, auf das ganze Deutschland gewartet hat. Ganz im Gegenteil, ich finde es bedenklich, wenn in Deutschland das höchste Gericht über Fragen des Geschmacks urteilt. Diese Tassen sprechen mich nicht an, man würde sie in nicht meinem Schrank, erst recht nicht auf meinem Schreibtisch finden, aber verbieten? Was ein Schwachsinn! Sorry, aber dieses Verbot, dieses Urteil erschreckt mich. Karlsruhe hätte dieses Klage abweisen müssen. Zensur findet nicht statt heißt es in einem Verfassungsgut und ich kann nicht erkennen, dass auf dieser Tasse verfassungsfeindliche Zeichen zu sehen waren. Absurdistan!
Mea Culpa! Etwas missverständlich. Ich hätte mich genauer auf die Headline und nicht den gesamten Artikel beziehen müssen.
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