Anwerbeaktion Schwäbisch Hall weist Portugiesen ab

Schwäbisch Hall warb in portugiesischen Medien um Fachkräfte und wurde mit 15.000 Bewerbungen überschwemmt. Ein halbes Jahr später ist die Bilanz mager: Die Betriebe haben nur 26 Portugiesen eingestellt, mehr Kellner als Techniker. Die besten Chancen hatte, wer spontan anreiste.

"Hallo, hier bin ich": Gut lief es für Bewerber, die spontan angereist sind
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"Hallo, hier bin ich": Gut lief es für Bewerber, die spontan angereist sind


Eine Werbeoffensive sollte Fachkräfte aus Südeuropa scharenweise nach Schwäbisch Hall locken - doch ein halbes Jahr später sieht die Bilanz ernüchternd aus. Zwar gibt es mehr als 15.000 Bewerbungen, einen Job haben bisher aber nur 26 Menschen gefunden.

"Nachfrage und Angebot passen nicht immer zusammen", sagt Stadtsprecher Martin Kaspar zur Erklärung. Fachkräftemangel sei in der Stadt in Baden-Württemberg nach wie vor ein Thema.

Die Stadt hatte im Januar Journalisten aus kriselnden Euro-Staaten eingeladen, um sich ein Bild von Schwäbisch Hall und dem dortigen Jobangebot zu machen. Ein Beitrag in einer portugiesischen Zeitung löste daraufhin einen überraschenden Bewerberansturm aus.

Warum sich ausgerechnet so viele Portugiesen gemeldet haben? Unter dem Artikel hätten anders als in den Beiträgen anderer Blätter direkte Links zu möglichen Arbeitgebern gestanden, erklärte Kaspar. "Da mussten viele nur auf die E-Mail-Adresse klicken." In der ersten Nacht waren damals 2500 Bewerbungen eingetrudelt.

"Hallo, hier bin ich"

Einigen reichte ein Anschreiben allerdings nicht: "65 Portugiesen sind gleich persönlich vorbeigekommen", sagte Kaspar. "Die haben sich ins Auto oder Flugzeug gesetzt und gesagt: 'Hallo, hier hin ich.'" Von diesen spontanen Bewerbern hätten rund 20 auch einen Job bekommen. Viele seien in der Gastronomie - etwa als Köchin, Kellner oder Barkeeper - untergekommen, andere arbeiteten heute als Tischler oder bedienten Maschinen in Fabriken.

"IT-Ingenieure erster Klasse" seien bei diesen Bewerbern nicht dabei gewesen, sagte er. Unter den sechs Portugiesen, die später über eine klassische Bewerbung vermittelt wurden, seien allerdings IT-Spezialisten, Elektro- oder Maschinenbauingenieure und Industrie-Mechaniker.

Insgesamt habe die Agentur für Arbeit in der Flut an Einsendungen mehr als 2000 interessante Bewerber ausgemacht, sagte Emilio Petricca von der Arbeitsagentur der Stadt. Rund tausend von ihnen seien an die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) weitergeleitet worden und könnten damit auch im Rest der Bundesrepublik Erfolg haben. Auch rund um Schwäbisch Hall könnten einige noch ihr Glück finden: Derzeit seien hier etwa 2800 Stellen frei.

Gegen heimische Fachkräfte habe man dort allerdings auch nichts einzuwenden, betonte Stadtsprecher Kaspar. Die Werbeoffensive habe in Deutschland kaum jemanden auf die freien Stellen in Schwäbisch Hall aufmerksam gemacht, sagte auch Petricca. "Das war eine ganz geringe Zahl." Nur fünf Bewerbungen aus der Bundesrepublik seien daraufhin eingegangen - darunter zwei von Portugiesen, die bereits in Deutschland lebten.

mamk/dpa



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frantonis 31.07.2012
1. Facharbeitermangel hausgemacht
Dies zeigt mal wieder, was hinter der Mär vom Facharbeitermangel steckt. Wenn Firmen zuwenig junge Leute ausbilden und ältere Mitarbeiter in den Vorruhestand schicken, braucht man keine Billig-Lohnkräfte aus dem Ausland anwerben.
Haver 31.07.2012
2. Keine einfachen Antworten auf komplizierte Probleme
Leider ist ihre Antwort nur von populistischer Natur, da weiß man gar nicht was man zuerst korrigieren soll. Den Großteil der Arbeitsplätze in Deutschland stellen kleine und mittlere Unternehmen, bei denen die Zahl der Mitarbeiter je nach Auftragslage schwankt. Sind es gar neue Unternehmen, wachsen diese meist überproportional schnell. Eine Ausbildung dauert mehrere Jahre. Außerdem gibt es in Deutschland eine Verteilung von wirtschaftlichen Zentren, besonders im Süden. Diese Zentren brauchen einen höheren Anteil an Fachkräften als in anderen Regionen Deutschlands, deswegen besteht bei diesen ein Mangel. Dank der guten wirtschaftlichen Lage bilden die meisten Betriebe aus und schicken auch weniger Menschen in den Vorruhestand, da sich hier auch die gesetzlichen Regelungen zur Rente geändert haben.
lynx2 31.07.2012
3. Ernüchternd?
Zitat von sysopGetty ImagesSchwäbisch Hall warb in portugiesischen Medien um Fachkräfte und wurde mit 15.000 Bewerbungen überschwemmt. Ein halbes Jahr später ist die Bilanz mager: Die Betriebe haben nur 26 Portugiesen eingestellt, mehr Kellner als Techniker. Die besten Chancen hatte, wer spontan anreiste. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,847380,00.html
Das ist eine Blamage und enthüllt das ganze 'händeringende' Geschrei nach Fachkräften als das was es ist: Heiße Luft! Diese 26 Leute hätten sie bei uns auch bekommen für einen Billig-Lohn. Da braucht es keine Anwerbeaktion, die 15.000 Bewerbungen bringt. Die Kosten sollte man den Klitschen in Rechnung stellen, die die ca. 20 Kellner (überwiegend!) eingestellt haben. Die Bermerkung, zum Zug wäre gekommen, wer schnell zur Verfügung stand, d.h. sich auf eigene Kosten in den Flieger gesetzt hat, um in S' Hall anzutanzen und dort eine befristete Stelle anzutreten, zeigt, daß es gar nicht um die Auswahl qualifizierter Bewerber ging. Ist den Behörden, allen voran den Arbeitsagenturen, nicht klar, wie man Personal anwirbt. Nicht mit dem Gießkannenprinzip, sondern gezielt, von der Nachfrage her. Da hätten sie die sog. Mittelständler mal vorher fragen sollen, welchen Bedarf sie haben. 95% hätten geantwortet: Portugiesen? Nein, danke. Das sind doch Südländer, die sind doch faul und wollen mittags Siesta machen. Ich kenne einige dieser Firmen in dieser Gegend. Das sind im techn. Bereich (Maschinenbau) alte schwäbische eingesessene Traditionsunternehmen. Denen schweben ganz andere Bewerber vor: Techniker, max. Dipl.-Ing (FH) , deutsch, mehrsprachig, die sie für wenig Geld bei der Konkurrenz abwerben können. Portugiesen Fehlanzeige.
felix-goes-hollywood 31.07.2012
4.
Zitat von lynx2Das ist eine Blamage und enthüllt das ganze 'händeringende' Geschrei nach Fachkräften als das was es ist: Heiße Luft! Diese 26 Leute hätten sie bei uns auch bekommen für einen Billig-Lohn. Da braucht es keine Anwerbeaktion, die 15.000 Bewerbungen bringt. Die Kosten sollte man den Klitschen in Rechnung stellen, die die ca. 20 Kellner (überwiegend!) eingestellt haben. Die Bermerkung, zum Zug wäre gekommen, wer schnell zur Verfügung stand, d.h. sich auf eigene Kosten in den Flieger gesetzt hat, um in S' Hall anzutanzen und dort eine befristete Stelle anzutreten, zeigt, daß es gar nicht um die Auswahl qualifizierter Bewerber ging. Ist den Behörden, allen voran den Arbeitsagenturen, nicht klar, wie man Personal anwirbt. Nicht mit dem Gießkannenprinzip, sondern gezielt, von der Nachfrage her. Da hätten sie die sog. Mittelständler mal vorher fragen sollen, welchen Bedarf sie haben. 95% hätten geantwortet: Portugiesen? Nein, danke. Das sind doch Südländer, die sind doch faul und wollen mittags Siesta machen. Ich kenne einige dieser Firmen in dieser Gegend. Das sind im techn. Bereich (Maschinenbau) alte schwäbische eingesessene Traditionsunternehmen. Denen schweben ganz andere Bewerber vor: Techniker, max. Dipl.-Ing (FH) , deutsch, mehrsprachig, die sie für wenig Geld bei der Konkurrenz abwerben können. Portugiesen Fehlanzeige.
Es geht um das Thema Arbeitskräfte mit fachlicher Ausbildung nach Schwäbisch-Hall zu bekommen. Hier den Vorwurf zu bringen, man würde den Portugiesen Faulheit vorwerfen ist bloss nervig. Wieviele Kellner braucht den Schwäbisch-Hall ? 15.000 bestimmt nicht.
lynx2 31.07.2012
5. Die Antwort auf das 'komplexe' Problem..
Zitat von HaverLeider ist ihre Antwort nur von populistischer Natur, da weiß man gar nicht was man zuerst korrigieren soll. Den Großteil der Arbeitsplätze in Deutschland stellen kleine und mittlere Unternehmen, bei denen die Zahl der Mitarbeiter je nach Auftragslage schwankt. Sind es gar neue Unternehmen, wachsen diese meist überproportional schnell. Eine Ausbildung dauert mehrere Jahre. Außerdem gibt es in Deutschland eine Verteilung von wirtschaftlichen Zentren, besonders im Süden. Diese Zentren brauchen einen höheren Anteil an Fachkräften als in anderen Regionen Deutschlands, deswegen besteht bei diesen ein Mangel. Dank der guten wirtschaftlichen Lage bilden die meisten Betriebe aus und schicken auch weniger Menschen in den Vorruhestand, da sich hier auch die gesetzlichen Regelungen zur Rente geändert haben.
... haben sich eben Firmen und A-Agentur zu leicht gemacht. 15.000 Bewerbungen reinzubaggern ohne den Bedarf überhaupt nach Fachbereichen zu kennen, ist einfach das Dümmste was man machen konnte. Wer sind denn da die Verantwortlichen, die so einen Mist bauen? Wenn sie wenigsten 500 echte Fachkräfte gebraucht hätten, aber vielleicht 20 Kellner überwiegend?! Da ist ein Witz. Kellner ist außerdem keine Fachkraft, das ist ein Anlern-Job, ein Aushilfsjob. Braucht der Wirt schon keine Ausbildung, wird er sich kaum einen Dr. Dipl.-Gastronomen oder Hotelfachwirt einstellen.
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