Doktorandin schreibt im Eigenverlag "Ich hätte von meinen Büchern leben können"

Melisa Schwermer, 33, promoviert in Literaturwissenschaften und schreibt nebenbei blutige Krimis, die sie unter ihrem Künstlernamen selbst verlegt. Hier erklärt sie, wie man damit Geld verdient.

Bücherstapel
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UNI SPIEGEL: Dein neues Buch "So bitter die Schuld" ist gerade auf Platz eins der Kindle-eBook-Charts. Was ist das für ein Gefühl?

Schwermer: Erst mal: Überraschung - und große Freude. Und dann: Erleichterung. Beim Self-Publishing muss ich für alles in Vorkasse treten, das Lektorat bezahlen, die Werbung und auch die Gestaltung des Covers. Um diese Kosten zu decken, muss sich das Buch etwa 3000-mal verkaufen.

UNI SPIEGEL: Das klingt riskant.

Schwermer: Self-Publishing ist ein Risiko, keine Frage. Deshalb habe ich meinen Job als wissenschaftliche Mitarbeiterin behalten. Letztes Jahr hätte ich von meinen Büchern leben können. Ich habe mich dann aber doch nicht getraut, alles auf eine Karte zu setzen.

UNI SPIEGEL: Kann jeder einfach so ein Buch herausbringen?

Schwermer: Das ist tatsächlich nicht besonders kompliziert: Du schreibst eine Geschichte und lädst sie hoch. In Deutschland gibt es viele Self-Publishing-Websites, neben Kindle Direct Publishing, das ich nutze, zum Beispiel epubli oder tolino media. Zwischen 30 und 70 Prozent des Erlöses bleiben beim Anbieter.

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UNI SPIEGEL: Würdest du - trotz deines Erfolgs - für einen traditionellen Buchverlag arbeiten?

Schwermer: Es ist für viele immer noch ein Ritterschlag, von einem Verlag aufgenommen zu werden. Self-Publishing hat aber unschätzbare Vorteile: Ich bin freier in meiner Arbeitsweise, und das Publizieren geht viel schneller. Bei einem Verlag dauert es etwa ein Jahr vom Manuskript bis zur Veröffentlichung. Ich brauche circa drei Monate zum Schreiben. Dann lade ich den Text hoch - und schaue mir im Minutentakt die Verkäufe an.

UNI SPIEGEL: Wollen deine Studenten Autogramme von dir?

Schwermer: Nein, keiner weiß Bescheid. Ich schreibe ja unter Pseudonym.

insgesamt 30 Beiträge
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vexierspiegel 25.11.2016
1. Eine(r) hat Erfog, 1000 schreiben für lau
Wie überall im Leben ...
kiwi.pro 25.11.2016
2. Aha ...
Der Informationsgehalt diese Artikels ist praktisch Null. Spon nähert sich der Qualität der Mehrzahl der selbstpublizierten Bücher an.
osus 25.11.2016
3. Schwaches Interview ohne Informationsgehalt ...
... dabei hätte man Frau Schwermer durchaus ein paar kritische Fragen stellen können. Etwa die, wie sie als Literaturwissenschaftlerin und gebildete Frau den Wert ihres eigenen Werkes beurteilt. Würde sie selbst das lesen, was sie da schreibt? Man hätte nach den teils unappetitlichen Geschäftspraktiken der Selbstverleger fragen können, oder danach, warum gerade im Selbstverlag so deutlich Kitsch und Gewalt dominieren. Kann man nur damit Geld verdienen? So bleibt ein schwaches Interview und der Verdacht, dass es lediglich darum ging, das neue Buch zu promoten und die Marke Melisa Schwermer etwas bekannter zu machen. Damit tut sich spon keinen Gefallen.
Mikrohirn 25.11.2016
4. Der Nachteil bei den selbstverlegten e-books:
in dem Haufen Mist sind die zweifellos vorhandenen Perlen nur schwer zu finden.
bigroyaleddi 25.11.2016
5. Man kann es aber doch mal versuchen, oder?
Bisher habe ich immer gesagt, was ich schreibe, sollen meine Erben halt später mal von der Festplatte kratzen. Es hat schon seinen Reiz, mit den eigenen Ergüssen auf diese Weise an die Öffentlichkeit zu treten. Es muß ja nicht jede Veröffentlichung - wie hier dezent von den Foristen angedeutet wurde - auch noch politischer oder moralischer Schrott sein. Eine mir bekannte Autorin hatte - obwohl sie schon in einem "normalen" Verlag veröffentlicht hat, diesen Weg auch anempfohlen. Einfach aus Kostengründen und weils halt schneller geht.
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