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Jobben im Ruhestand

Viele Rentnerinnen arbeiten, weil sie das Geld brauchen

Zur Ruhe setzen? Von wegen. Viele Senioren gehen in den ersten drei Jahren ihrer Rente einem Job nach. Meistens tun sie das aus Spaß. Doch gerade Frauen treibt auch die finanzielle Not.

imago/photothek

Seniorin arbeitet in Reifenlager (Archivbild)

Dienstag, 16.10.2018   16:08 Uhr

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Sie haben Freude an der Arbeit, brauchen aber auch eine Aufgabe und den Kontakt zu anderen Menschen: 90 Prozent aller berufstätigen Rentner arbeiten aus diesen Gründen weiter.

Insgesamt arbeitet mehr als jeder vierte Rentner in Deutschland in den ersten drei Jahren seiner Rente. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Bei den Frauen sind es 31 Prozent, bei den Männern 28 Prozent.

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Rund 70 Prozent aller Frauen arbeiten indes auch, weil sie das Geld brauchen. Bei den Männern sind es hingegen nur 53 Prozent.

Rentnerinnen sind also häufiger auf einen zusätzlichen Verdienst im Ruhestand angewiesen, weil sie etwa wegen der Familiengründung häufiger in Teilzeit beschäftigt waren und im Schnitt weniger Rente erhalten.

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"Unklar ist, ob mit dem zusätzlichen Erwerbseinkommen das Wohlstandsniveau vor der Rente erhalten werden soll oder ob diese Personen ihr Existenzminimum sichern müssen", heißt es im IAB-Bericht.

Die Studie beruht auf den Angaben von rund tausend Männern und Frauen im Alter von 58 bis 69 Jahren, die seit maximal drei Jahren eine Altersrente erhalten. Zugrunde liegen Daten des Nationalen Bildungspanels aus den Jahren 2012 bis 2016.

Aus den Daten geht allerdings auch hervor, dass gerade bei Männern und Frauen mit einem hohen Haushaltseinkommen die Wahrscheinlichkeit besonders hoch ist, im Ruhestand weiterzuarbeiten. Haben Rentner ein Einkommen von 1000 Euro im Monat zur Verfügung, arbeiten 26 Prozent der Männer und 29 Prozent der Frauen weiter.

Haben Rentner ein Einkommen von mindestens 2500 Euro, arbeiten knapp 60 Prozent der Männer und Frauen weiter. Gerade bei Männern gilt also: Je besser sie ausgebildet sind, desto eher gehen sie im Ruhestand noch einer Beschäftigung nach.

Von den Rentnerinnen, die nicht arbeiten, hätte der Studie zufolge knapp jede fünfte Frau gern weitergearbeitet. Bei den Männern sind es 22 Prozent. "Politik und Betriebe sollten mit flexiblen Regelungen günstige Rahmenbedingungen schaffen, damit Erwerbswünsche im Rentenalter besser realisiert werden können", heißt es in der Studie.

Video: Wenn die Rente nicht zum Leben reicht

lov/AFP/dpa

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