Bordellchefin übers Feilschen "Von wohlhabenden Kunden verlange ich mehr"

Den Preis verhandeln? Das hasst Felicitas Schirow. Als Bordellbetreiberin kommt sie aber kaum drum herum. Hier erzählt sie, woran sie reiche Kunden erkennt und warum Geschäftsmänner selten feilschen.

Selfie: Felicitas Schirow  ist Inhaberin des Berliner Bordells "Café Pssst!"
Privat

Selfie: Felicitas Schirow ist Inhaberin des Berliner Bordells "Café Pssst!"

Ein Interview von Anja Tiedge


KarriereSPIEGEL: Frau Schirow, als wir Sie um ein Interview gebeten haben, wollten Sie sofort Geld. Ohne Verhandeln geht bei Ihnen nichts, oder?

Schirow: Ich dachte zuerst, Sie schicken ein TV-Team. Das würde mindestens einen halben Tag dauern. Deshalb hätte ich dafür Geld verlangt. Aber jetzt sprechen wir ja nur kurz, das ist auch ohne Bezahlung okay. Ich bin halt käuflich.

KarriereSPIEGEL: Welche Rolle spielt Verhandeln in Ihrem Arbeitsalltag?

Schirow: Eine große. In meinem Laden gibt es keine festen Preise, die Frauen arbeiten auf eigene Rechnung und machen sie selbst aus. Ich biete ihnen die Bar als Treffpunkt und die Zimmer, die Kunden zahlen im Voraus. Wenn sich alle an die Regeln halten, bieten sie im Zimmer keine Leistungen an, die extra kosten. Die Frauen verhandeln mit allem, was sie haben: Sie becircen den Mann, machen ihm schöne Augen. Viele Prostituierte nutzen den armen Mann aus, der vor Geilheit alles zu zahlen bereit ist - und am Ende wird's viel teurer als geplant. Das ist nicht gut fürs Geschäft.

KarriereSPIEGEL: Verhandeln Sie auch selbst mit den Männern?

Schirow: Früher ja, heute ist das eher selten der Fall. Ich bin meistens im Laden, gehe aber nur mit, wenn mir einer sehr sympathisch ist oder ein ganz tolles Angebot macht. Da wär ich ja blöd, wenn ich Nein sagen würde.

So geht Feilschen: Lernen von den Profis
  • Corbis
    Deal or no deal? Verhandeln ist in vielen Berufen wichtig und gleicht oft einem Tauziehen. Wer geschickt vorgeht, den Verhandlungspartner überzeugt und dabei den richtigen Ton trifft, ist auf der Gewinnerseite. Im Magazin SPIEGEL JOB (www.spiegeljob.de) erklären fünf Profis ihre Strategien in Kürze, darunter eine Prostituierte, ein Spielerberater, ein Tuk-Tuk-Fahrer. Ausführlichere Interviews gibt es in dieser Feilschen-Serie.
KarriereSPIEGEL: Wonach richten sich Ihre Preise?

Schirow: Unsere Preise bewegen sich zwischen 150 und 200 Euro die Stunde, je nachdem, was der Mann sich wünscht. Meine eigenen Preise richte ich aber auch danach, wie sympathisch ein Gast ist. Ist jemand nett, nehme ich auch mal weniger Geld. Von wohlhabenden Kunden verlange ich mehr.

KarriereSPIEGEL: Woran erkennen Sie, ob ein Kunde Geld hat?

Schirow: Man kommt an der Bar ins Gespräch, oft kann man das aber schon an Äußerlichkeiten festmachen. Die Reichsten sehen oft unscheinbar aus, denn wohlhabende Männer lassen ihren Reichtum nicht unbedingt raushängen. Feilschen wollen immer die, die einfach gestrickt sind. Geschäftsleute verhandeln meist gar nicht.

KarriereSPIEGEL: Denen kann die Summe auch ziemlich egal sein.

Schirow: Ja, aber es gibt auch einen anderen Grund: Männer mit Klasse wollen keine billigen Frauen, die sich unter Wert verkaufen. Von denen höre ich oft: Wenn du einen günstigeren Preis genannt hättest, hätte ich dich nicht bestellt.

KarriereSPIEGEL: Viele Bordelle versuchen, das Geld durch utopische Getränkepreise hereinzuholen. Ist das bei Ihnen auch so?

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SPIEGEL JOB: Rundflug durchs Magazin
Schirow: Nein. Anders als in Animierbars kriegen die Frauen bei uns keinen Cent für das, was die Männer trinken. Ein Cocktail kostet bei uns zwölf, ein Longdrink sieben Euro. Alles Qualitätsmarken, keine Billigware.

KarriereSPIEGEL: Was nervt Sie am Verhandeln?

Schirow: Wenn Kunden gar nicht erst damit anfangen. Wir nehmen keinen Eintritt, deshalb kommen manchmal Spanner zu uns. Oder Männer, die ewig rumflirten. Die ziehen die Frauen mit Blicken aus, aber gehen nicht mit aufs Zimmer. Da kommt man sich verarscht vor. Und in meiner Freizeit versuche ich sowieso, Verhandlungen aus dem Weg zu gehen.

KarriereSPIEGEL: Privat feilschen Sie nicht gern?

Schirow: Ich hasse es wie die Pest. Selbst wenn ich Urlaub in Ländern mache, wo das üblich ist und erwartet wird, verhandele ich nicht. Es ist mir peinlich.

Mehr zum Thema Feilschen: Ein Staatsanwalt berichtet von seinen Deals

  • Das Interview führte Anja Tiedge (Jahrgang 1980), freie Journalistin in Hamburg.

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eugenius3 28.04.2014
1. Ganz schlecht !
Sowas schreibe ich selten, aber das ist wirklich mal ein doofes Interview über ein spannendes Thema — schade. Wie läuft's denn nun wirklich im Puff? Es wird alles vorher ausgemacht, aber die "armen" Männer werden becirct und zahlen dann alles? Und dass ist dann schlecht fürs Geschäft? Ja und dann? Ach, und die Madame geht auch mal mit, wenn's sich lohnt? Wieso? Businnes-Women oder alte H? Bisschen mehr Fleisch und Info vielleicht? Journalist bin ich selber. Chefredakteur war ich nur einmal — vor 30 Jahren bei einer Schülerzeitung. Schon damals hätte ich dem Autor so ein Schundstück um die Ohren gehauen! Und das wäre auch mir passiert, wenn ich heute so ein faules Stück abliefern würde. Nur, dass ich sowas nun auf SPON lesen muss! Ihr wollt doch noch wohin — sowohl mit print wie online ... Entweder endlich mal Kohle machen oder wenigstens überleben. Dann seht mal zu, dass so ein Mist nicht mehr veröffentlicht wird. Nochmal: Schade: Tolles Thema, komplett vergurkt!
Oberschlawutzi 26.05.2014
2. Ja nee, das sollte eigentlich ...
... ein Beitrag werden über das Geschacher bei der Kür des EU-Ratspräsidenten. Ist hier nur - nach einem unfreiwilligen Durchlauf durch die Phrasenersetzmaschine - in der Bordellspalte gelandet. Das Verfahren ist verdammt ähnlich, kann also schon mal passieren, so in der Eile des Geschlechts ...
steffi1973 26.05.2014
3. recht hat...
...mein Vorredner. was für ein mieses Interview. zumal mir die überaus sympathische felicitas schon vor rund zwölf Jahren aufgrund ihrer unkonventionellen Art aufgefallen ist vielleicht hätte doch ein mann dieses Gespräch führen sollen!!
brennstein 26.05.2014
4. Vertane Chance
Das Interview ist so, wie's veröffentlicht wurde, überflüssig. Es kommt ständig die Verachtung gegenüber Männern durch, die sich für Geld Sex kaufen.Vor allem hätte ich ein bisschen kritischer nachgefragt, z. B. was denn die Bordellchefin ihren Mädchen abknöpft. Das in dem Gewerbe geschachert wird, liegt auf der Hand, denn irgendwie scheint es mir problematisch zu sein, ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis zu bestimmen. Was soll's, geht's nach der politischen Diskussion, ist Prostitution demnächst sowieso strafbar. Dann geht's zu wie bei der Prohibition: Die Preise steigen ins Astronomische. Die Ware Liebe wird es auch dann geben für die, diees sich leisten können... Igrnedwie hätte das Thema mehr Tiefe verdient, vertane Chance...
andialpha 26.05.2014
5. wirklich schlechtes interview
Wie von meine Vorredners schon bestens gesagt: Das ist wohl eines der schlechtesten Interviews. Völlig am Thema vorbei. Ob die Madam sich beim verhandle gut findet ist wohl nicht das Hauptthema. Vertane Chance die Situation zu durchleuchten. Besonders frech finde ich, dass die "Journalistin" am ende auch noch Ihren Namen und Foto unter dieses banale Machwerk stellen mag. Liebe Frau "Anja Tiedge (Jahrgang 1980), freie Journalistin in Hamburg." für so eine Arbeit würde ich mich eher schämen. Und der Jahrgang sollte ohnehin nicht relevant sein.
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