Studie Was Firmen gegen sexuelle Belästigung tun können

Anzügliche Worte, unangemessene Blicke oder sogar körperliche Gewalt: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist weitverbreitet. Forscher haben untersucht, wie Unternehmen am besten dagegen vorgehen können.

Hand eines Mannes liegt auf dem Knie einer Frau.
TMN

Hand eines Mannes liegt auf dem Knie einer Frau.


Sexuelle Belästigung gibt es nicht nur in Hollywood, sondern auch in deutschen Büros. Jeder zweite Beschäftigte hat sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz schon einmal erlebt oder beobachtet, wie eine Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigt. Fast jede fünfte Frau ist demnach schon einmal gegen ihren Willen von Kollegen berührt worden. Auch zwölf Prozent der Männer berichteten von unerwünschter körperlicher Annäherung.

Frauen erlebten demnach häufiger physische Belästigung, Männer eher verbale Attacken wie E-Mails sexuellen Inhalts oder zweideutige Bemerkungen. Nur ein Fünftel der Befragten wusste allerdings, dass ihr Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet ist, sie vor Belästigung zu schützen. Seit einer Gesetzesverschärfung 2016 sind zudem alle sexuellen Handlungen gegen den erkennbaren Willen einer anderen Person strafbar.

Wissenschaftler der Charité in Berlin haben untersucht, was Arbeitgeber gegen die Missstände unternehmen können. Dabei haben sie in Kooperation mit der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung 120 betriebliche Vereinbarungen aus dem öffentlichen Dienst, der Industrie und dem Dienstleistungssektor ausgewertet.

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Demnach werden nur in fünf Prozent der untersuchten Fälle entsprechende Regeln unter dem Stichwort sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zusammengefasst. Viel häufiger laufen sie unter Kategorien wie partnerschaftliches Verhalten, Mobbing, Diskriminierung und Konfliktmanagement.

Laut den Forschern sind betriebliche Vereinbarungen wichtig, um für Handlungssicherheit zu sorgen. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

  • Eine klare Definition von sexueller Belästigung sorge dafür, Grenzen aufzuzeigen. Die Studienautoren empfehlen, die Definition des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes zu übernehmen. Dazu gehören beispielsweise unerwünschte Berührungen, anzügliche Bemerkungen oder Witze, sexuelle Gestik oder das Zeigen von pornografischen Darstellungen. Was als sexuelle Belästigung empfunden wird, sei durch die Betroffenen bestimmt. Allerdings müsse sexuelle Belästigung von einem beiderseitigen Flirt unterschieden werden.
  • Für dringend erforderlich halten die Experten auch ein transparentes und strukturiertes Beschwerdeverfahren mit konkreten Ansprechpartnern. Niederschwellige Angebote - etwa anonyme Meldungen - seien gerade bei ausgeprägten Hierarchien effektiv. Die Entscheidung, ob ein förmliches Beschwerdeverfahren eingeleitet wird, sollten aber immer die Betroffenen fällen.
  • Wenn es tatsächlich zu einem solchen Verfahren kommt, zahlen sich der Studie zufolge klare Regeln und Sanktionen aus. Tatsächlich sieht fast die Hälfte der Vereinbarungen konkrete arbeitsrechtliche Folgen vor. Dabei sei es ratsam, auch auf den Schutz mutmaßlicher Täter hinzuweisen, solange ein Vorwurf sich nicht bestätigt hat.
  • Zudem sollten Vorgesetzte als Vorbild dienen. Sie haben demnach die Aufgabe, die Beschäftigten vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Deshalb sollten Chefs regelmäßig Pflichtfortbildungen zum Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz machen müssen. Arbeitnehmervertreter sollten diese vehement einfordern.

Aus diesen Kernpunkten entwickelten die Wissenschaftler eine Richtlinie für die Charité in Berlin, die auch von anderen öffentlichen Einrichtungen genutzt werden können und eine Orientierung für private Unternehmen geben kann.

koe/dpa/AFP

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