Diskriminierungsklage Goldman Sachs am Pranger

Zwei Ex-Managerinnen von Goldman Sachs verklagen die Bank wegen jahrelanger Diskriminierung. Nun könnte ihr Fall zur Sammelklage taugen - und die Wall Street muss zittern.

It's a man's world: Die Wall-Street in New York
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It's a man's world: Die Wall-Street in New York

Von Helene Endres


Das wird weh tun: In New York haben zwei Ex-Managerinnen von Goldman Sachs die Investmentbank wegen sexueller Diskriminierung verklagt und wollen nun aus ihrem Fall eine Sammelklage machen. Erkennt das New Yorker Gericht die Klageschrift als beispielhaft an, könnten auch andere diskriminierte Goldman-Sachs-Mitarbeiterinnen von einem positiven Urteil profitieren: Sie könnten Ansprüche anmelden, ohne selbst zu klagen. Ein unkalkulierbares Risiko für die Bank, denn viele Mitarbeiterinnen scheinen betroffen. Liest man die pikanten Details der am Dienstag eingereichten Klageschrift, wird schnell klar: Die Abwertung von Frauen hatte System.

Die Bank sei ein reiner Männerklub, so die Klägerinnen Christina Chen-Oster, früher Vice-President bei Goldman, und Shana Orlich, früher Associate bei der Bank. Die frauenfeindlichen Klassiker sind demnach noch aktuell: Mittel zur Kundenpflege seien Striplokalbesuche gewesen, so die Klägerinnen. Auch über die vom Chef bestellten Escort-Damen, die in kurzen schwarzen Röckchen, schulterfreien Tops und Nikolausmützen die Kollegen auf der Firmen-Weihnachtsfeier animierten, konnte sich Chen-Oster nicht freuen.

Beschwerte sie sich, wurde die Benachteiligung nur noch schlimmer: Sie schildert, wie ihr Schreibtisch in die hinterste Ecke des Büros gestellt wurde, nachdem sie sich bei ihrem Vorgesetzten über die sexuellen Sprüche eines Kollegen beschwert hatte. Auch sei ihr Verantwortung weggenommen worden, nachdem sie ein Kind bekam.

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@GSElevator: Das angeblich Beste aus dem Fahrstuhl von Goldman Sachs
Zentrale Punkte der Anklage sind zudem verwehrte Beförderungen und geringere Bezahlung im Vergleich zu den männlichen Kollegen: "Auf nahezu allen Positionen hat Goldman Sachs Frauen weniger gezahlt als Männern", so die Klage. Männer seien überdurchschnittlich öfter befördert und dabei "gleich oder besser qualifizierten Frauen vorgezogen" worden. Auch fehle eine systematische Kontrolle bei der Mitarbeiterbewertung, welche meist zuungunsten der Frauen ausfalle. Ebenso mangele es in der Bank an Transparenz, wenn es um die Vergabe von Verantwortung gehe - mit der Folge von Klüngelei unter Männern.

Goldman Sachs weist alle Vorwürfe zurück. Eine offizielle Verteidigung wird für Donnerstag erwartet. Wird die Klage der beiden Ex-Managerinnen als Sammelklage anerkannt, könnte dies eine nachhaltige Wirkung auf das Gebaren der männlich dominierten Finanzbranche haben. Denn der beschriebene Umgang mit Frauen sei alltäglich in der Branche, so ein Kommentar einer amerikanischen Nachrichtenseite: "Find a Wall Street firm where those things don't happen."

insgesamt 5 Beiträge
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ohne_sorge 02.07.2014
1. Intransparenz
Also wenn die Ex-Managerinnen sich über Intranzparenz beschweren, dann haben sie das Geschäftsmodell von Goldmann Sachs nicht verstanden. Wovon lebt denn Investmentbanking sonst?
weiterschlafen 03.07.2014
2.
Die arme Bank,die wird sich es bestimmt nicht leisten können entschädigungen zu zahlen und der Ruf wird auch für immer ruiniert (ironiemodus aus).Diese Bank steckt fast hinter jede Krise,sie bereichert sich vom Leid anderer Menschen.Dieser Bericht ist zwar ok aber ich finde dass diese Bank etwas besser durchleuchtet werden sollte den dieser Bericht ist nicht mal die Spitze des Eisberges,es ist nur ein Molekül von der Spitze.Traut sich da niemand in Deutschland oder steckt die Bank auch hinter Spiegel Online?
FKassekert 03.07.2014
3. Amerikanische Kultur
und nun ... kann man nur hoffen dass eine Frau entscheiden muss und ihren geschlecht im Gerichtswesen gleiches widerfaehrt! Spannend wirds jedenfalls! Bankster ... halt!
Urbayer 03.07.2014
4. alt bekannt
der Seximus der Bankster. Irgendwie kam mir dies bekannt vor. Und siehe da, auch eine (ehemalige) deutsche Bank ist bereits 2006 in den USA verklagt. http://diestandard.at/2299713
curti 03.07.2014
5. Da man im ......
Zitat von sysopDPAZwei Ex-Managerinnen von Goldman Sachs verklagen die Bank wegen jahrelanger Diskriminierung. Nun könnte ihr Fall zur Sammelklage taugen - und die Wall Street muss zittern. http://www.spiegel.de/karriere/ausland/sexuelle-diskriminierung-klage-gegen-investmentbank-goldman-sachs-a-978849.html
.....Denken und Handeln dieser Art von Bankstern für Geld alles kaufen kann, gilt dies "naturgemäß" auch für die Bereitwilligkeit von Frauen. Ein Abhängigkeitsverhältnis ist dabei zwecks Umsetzung besonders hilfreich! Bleibt zu hoffen, daß die Klage/n durchkommen. Indes - die "Herren" im Zwirn werden das unter peanuts verbuchen und munter weitermachen, wobei allerdings lustig wäre Blankfein mal wieder vor einem Ausschuß piepen zu hören, durch und durch so wie man sich einen richtigen "Anmacher" vorstellt.
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