Schöne neue Arbeitswelt Roboter jammern nicht

Sie sind rund um die Uhr verfügbar, nie krank und wollen keinen Urlaub: Roboter sind die perfekten Mitarbeiter - und auch die besseren Chefs. Meinen zumindest die Dozenten der Singularity University im Silicon Valley.

Rob Nail, Chef der Singularity University: Think Big!
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Rob Nail, Chef der Singularity University: Think Big!


Auf den Tischen liegt Lego und anderes Spielzeug. Davor sitzen knapp hundert Führungskräfte aus 44 Ländern dicht gedrängt in einem großen Schulungsraum der kalifornischen Singularity University. Jeder Manager hat hier 14.000 Dollar gezahlt, um sich sechs Tage lang für die Zukunft briefen zu lassen.

Die Teilnehmer sollen auf den Moment vorbereitet werden, an dem die künstliche Intelligenz die menschliche übersteigt - und sie selbst als Chefs überflüssig werden. Ungefähr im Jahr 2030 werde es soweit sein, sagt Neil Jacobstein. Er gilt an der Singularity Universität als Guru für Künstliche Intelligenz.

Das werde eine ganz neue Arbeitswelt, verspricht Jacobstein den Managern: "Künstliche Intelligenz ist rund um die Uhr verfügbar, wird nie krank, braucht keinen Urlaub und jammert nicht." Nachteile wie der Wegfall mancher Jobs würden rasch ausgeglichen. "Der Mensch ist anpassungsfähig", sagt der Dozent. "Wir werden neue Jobs erfinden."

Jacobstein und andere Dozenten der Uni sehen ihre Mission darin, die Menschheit auf Umbrüche in der Arbeitswelt vorzubereiten und positiv zu stimmen. "Ich als CEO träume davon, dass eines Tages eine Form von künstlicher Intelligenz den Großteil meines Jobs erledigt", sagt Rob Nail, Chef der Singularity University. "Ich glaube, dass 70 bis 80 Prozent der Entscheidungen, die ich jeden Tag treffe, auch von einem Algorithmus getroffen werden könnten. Wir könnten die Plattform so programmieren, dass sie genauso gut entscheidet wie ich, wenn nicht sogar besser."

Die Logik dahinter: Anders als ein Chef aus Fleisch und Blut hat Technologie keine menschlichen Mängel. Nail sagt, er vergesse manchmal das Mittagessen. Dann treffe er kurzentschlossen und hungrig Entscheidungen und sei auch nicht besonders nett zu seinen Kollegen. "Jeder Roboter würde das sehr viel konsistenter machen."

Jacobstein: Künstliche Intelligenz jammert nicht"
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Jacobstein: Künstliche Intelligenz jammert nicht"

Die Botschaften zur Zukunft der Arbeitswelt kommen aus dem Silicon Valley. Hier wurde die Singularity University im Jahr 2008 unter anderem mit dem Geld von Google, Autodesk und Genentech auf dem NASA-Forschungsgelände gegründet. Sie will sich brennenden Themen stellen: Energie und Jobs, Bildung, Weltraum und Medizin. Die Uni versteht sich dabei als Thinktank, Ausbilder und Startup-Accelerator. Ihr Motto: Think Big!

"Denkt zehnmal größer!" bekommen die Seminar-Teilnehmer immer wieder zu hören. Ein Ratschlag: "Kaufen Sie sich einen Telepräsenz-Roboter, damit Sie von überall auf der Welt mit ihrem Team kommunizieren können, als wären Sie selbst im Raum." Irgendwann werde der Mensch das ganze Google-Wissen im Kopf haben, heißt es weiter. In 15 Jahren könne man das menschliche Gehirn mit der Cloud verbinden.

Die Manager erfahren außerdem, wie sehr jede Industrie im Moment anfällig sei für Disruption. Das bedeutet soviel wie Störung, Unterbrechung und steht für das Prinzip, Märkte anzugreifen und Marktführer zu verdrängen. Die Warnung an die Führungskräfte: "Entweder Ihr disrupted Euch selbst oder Ihr werdet disrupted."

Auch ein deutscher Manager hört sich diese Ratschläge als Teilnehmer an: Martin Hofmann, IT-Chef bei Volkswagen. "Die ganze Autobranche erfährt gerade Disruption, da müssen wir jetzt in den Angriffsmodus gehen, auch wenn viele Angst haben vor Veränderung." Hofman kann sich für die Botschaften zur neuen Arbeitswelt durchaus begeistern. Er spricht von einem "Erweckungserlebnis".

Dafür hätte er allerdings nicht unbedingt an die Westküste der USA fliegen müssen. Am 20. und 21. April hält die Singularity University ihre ersten Seminare in Deutschland ab. Blumig wird ein "Happening mit hoher Lernkurve" versprochen. Das zieht offensichtlich. Die meisten der 500 Tickets à 1999 Euro sind bereits verkauft.

fok/dpa



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