Expat fragt Karriereberaterin Wie komme ich bloß zurück nach Deutschland?

Auslandserfahrung gehört im Job dazu - aber bitte nicht zu viel. Denn irgendwann wird einem die alte Heimat fremd. Wer dann trotzdem dort eine Stelle finden will, sollte sich vorher ein paar Fragen stellen.

Mitarbeiter einer japanischen Firma (Archiv)
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Mitarbeiter einer japanischen Firma (Archiv)

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Marina fragt, welche beruflichen Möglichkeiten es nach 18 Jahren im Ausland gibt, in ihrem Fall Japan. Dort war sie sechs Jahre in ihrem Beruf als Architektin tätig und danach zwölf Jahre in der Forschung, Hotellerie und als Geschäftsführungsassistenz. Jetzt möchte sie zurück nach Deutschland.
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Karriereberaterin Svenja Hofert antwortet:

Im Ausland wird man ein neuer Mensch. Das versichern mir immer wieder Klienten, die jahrzehntelang in Südamerika, den USA, Japan oder China gelebt und gearbeitet haben. Wer sich aber stark verändert, betrachtet sein Leben anders. Genau aus diesem Grund gibt es aus Sicht vieler deutscher Unternehmen ein Zuviel an Auslandserfahrung.

Manche Arbeitgeber bieten ihren Expatriates nach der Rückkehr spezielle Resozialisierungstrainings an. Denn selbst wenn man fast überall auf der Welt seine eigene kleine deutsche Gemeinde, deutsche Schulen und Oktoberfeste findet - die Sitten verändern das Denken und Verhalten. Man wird Teil des neuen Systems.

Die japanische Kultur, das Leben, die Sprache - das ist jetzt Ihr Pfund!

Marina, Japan hat seinen eigenen Charakter und dieser steckt jetzt auch in Ihnen. Und genau das können Sie sich zunutze machen. Sie haben die japanische Kultur, das Leben, und ich nehme an, auch die Sprache gelernt. Das ist jetzt Ihr Pfund. Nutzen Sie das für Ihre Bewerbungen! Dafür müssen Sie aber möglicherweise erst einmal wieder lernen, was es bei uns für Bewerbungsgepflogenheiten gibt.

Oft fehlen etwa Zeugnisse. Aber auch das Verhältnis zur Führung ist bei uns ganz anders als in Japan. Haben Sie die deutsche Direktheit noch?

Zwölf Jahre berufsfremde Arbeit verändern zusätzlich. Aber darin steckt auch eine Riesenchance: Ihr Erfahrungshorizont hat sich verbreitert. Aber Ihrem gelernten Beruf als Architektin sind Sie inzwischen womöglich entwachsen und nicht mehr auf dem neuesten Stand. Dafür sind Sie in etwas anderes hineingewachsen und haben jetzt aktuelleres Praxis- und Prozesswissen.

Sie haben, um das so auszudrücken, ein neues Karrieremosaik geschaffen. Solche Mosaike bilden sich oft zufällig. Deshalb ist es manchmal schwer, daraus Ideen für neue Positionen abzuleiten. Erwarten Sie dabei kein fertiges Berufsbild. Sie sollten sich vielmehr erst einmal fragen, was Sie gern machen würden - vielleicht verwalten, organisieren, beraten, verkaufen, bauen oder testen.

Jobs haben meist drei bis fünf solcher Schwerpunkttätigkeiten. Diese verbinden Sie mit einem Thema, dass sich aus Ihrer Erfahrung oder Ihren Kenntnissen ableitet. Überlegen Sie, wo Sie in Deutschland mit ihrem Mosaik einen Mehrwert stiften können und wollen. Sprechen Sie mit Menschen, die auch in Japan gelebt haben und jetzt wieder hier sind.

Facebook-Gruppen, Xing oder Linkedin nutzen

All das, was in Ihrem Mosaik als Steinchen glänzt, kann Ihnen zu einem neuen Job verhelfen. Vielleicht können Sie auf Ihrem eigentlichen Beruf aufbauen. Ich erinnere mich an eine Architektin, die später für architekturnahe Dienstleistungen in der PR arbeitete. Letztendlich müssen Sie auch berücksichtigen, wo Sie Ihre Stärken sehen.

Möglicherweise können Sie bei japanischen Unternehmen punkten oder dort, wo es kulturelle oder wirtschaftliche Berührungspunkte zu Japan gibt. Da können Facebook-Gruppen, Xing, Linkedin oder Meet-up-Gruppen helfen.

Manchmal empfiehlt sich auch etwas total Simples: Geben Sie in eine Jobsuchmaschine einfach "Japan" oder "japanisch" ein und schauen Sie, was kommt. Vielleicht ist was Interessantes dabei. Und wenn nicht, ein Versuch war's wert. Dabei können Sie auch gleich einen Profilcheck unternehmen: Reichen Ihre Qualifikationen oder brauchen Sie ein "Upgrade"?

insgesamt 20 Beiträge
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fatherted98 13.10.2017
1. Niemand...
....legt Wert auf Auslandserfahrung. Das ist eher hinderlich und wird als Bruch des Lebenslaufs angesehen...vor allem weil die Tätigkeit oft nicht ins Profil passt oder aber der Personaler Angst bekommt, das Gehalt könne zu hoch ausfallen. Weder Fortbildungen noch Auslandsaufenthalte sind gern gesehen in Deutschen Personalbüros.
theroadtoutopia 13.10.2017
2. Das hängt wohl von Branche und Firmengrösse ab
Zitat von fatherted98....legt Wert auf Auslandserfahrung. Das ist eher hinderlich und wird als Bruch des Lebenslaufs angesehen...vor allem weil die Tätigkeit oft nicht ins Profil passt oder aber der Personaler Angst bekommt, das Gehalt könne zu hoch ausfallen. Weder Fortbildungen noch Auslandsaufenthalte sind gern gesehen in Deutschen Personalbüros.
Ich habe während 45 Jahren im Umfeld der Software-Entwicklung genau das Gegenteil erlebt, und zwar in international agierenden Konzernen.
tommy1808 13.10.2017
3.
Zitat von fatherted98....legt Wert auf Auslandserfahrung. Das ist eher hinderlich und wird als Bruch des Lebenslaufs angesehen...vor allem weil die Tätigkeit oft nicht ins Profil passt oder aber der Personaler Angst bekommt, das Gehalt könne zu hoch ausfallen. Weder Fortbildungen noch Auslandsaufenthalte sind gern gesehen in Deutschen Personalbüros.
Wenn die Tätigkeit nicht ins Profil passt ist alles ein Bruch im Lebenslauf. Wenn die Tätigkeit passt, ist das ein Pluspunkt und Gehaltsvorstellungen hat man in der Regel schon vorher geklärt.
xireney 13.10.2017
4. Geht auch eindeutiger: Kurze Check-Liste
Frau Hoferts Stundensatz (oder Zeilensatz) ist sicherlich ein Vielfaches höher als meiner auf Grund der Tätigkeit als freiberuflicher Karrierecoach. Auch hat Sie sicher mehr Informationen im Fall...daher ist auch jede Beurteilung spekulativ: Es fehlt: Alter der Dame, woher sie kommt, wohn Sie will (oder flexibel brd-weit?), familäre Bindung etc. Welche Branche(n)? Hier meine Liste zur Orientierung Punkte die Dame betreffend: * Räumliche Orientierung (Region?), Stadt, land? * Welche Branchen? * Wieviel verdienen? Will/brauch ich? * Bezug der aktuellen Firma zu Deutschland? (Partnerfirmen/Kunden) * eigenes altes Netzwerk? uswusf. Der tipp "japanisch" suchen ist sicher der beste Tipp von Frau Hofert, Stichwortsuche zeigt erstaunende Ergebnisse. Ansonsten überlegen wo die Spezialkenntnisse Sinn machen? Japanischkenntnisse sind speziell, aber durchaus brauchbar: * z.B. Zweigstellen japanischer Firmen in Deutschland (Canon, Fuji, Toyota, Automobile). *bestimmte Branchen: Airlines/Logistik/Automobil/Hotels // Institutionen (Universitäten) *bestimmte Regionen: Düsseldorf/Köln (viele Japaner:), Frankfurt (Luftfahrt/Automotive/Hotels, Messe, Kongress) *Deutsch-Japanische Handelskammer (Firmenliste :) *Evtl. zum Einstieg auch Sprachkurse, Tourguide, Übersetzer etc. Es gibt auch in Deutschland mittlerweile genug Firmen/Branchen/Regionen die kapiert haben dass Auslandserfahrung gut ist...wenn man natürlich etwas flexibel ist und geduldig, da noch nicht bei allen "HR-Managern" angekommen ist dass es die lebenslange Dauerstellung kaum noch gibt und ein LL mit vielen Wechseln als "schwierig, belastend" gesehen wird.
ph.latundan 13.10.2017
5.
1978 ging ich als abteilungsleiter einer tochtergesellschaft ins ausland und wurde geschaeftsfuehrer. das vergleichbare level in dtld war bereichsleiter. nach rd. 5 jahren ueberlegte ich zurueck zu gehen. die bedingungen waren nicht gut, ich blieb. nach 7/8 jahren bot man mir die stelle als bereichsleiter an. millionenumsaetze, aber ein schleudersitz. ich lehnte ab. nach 13 jahren in einem nord-asiatischem land habe ich mich nach hongkong versetzen lassen. kurz danach uebernahm ich ganz suedostasien, meine ruecknamegarantie nach dtld durch die muttergesellschaft wurde gestrichen. ich blieb bis zur pensionierung mit 55 jahren und habe mich in einem sued-ost-asiatischem land zur ruhe gesetzt. ich habe nicht einen tag bereut. freiheit, gutes gehalt, damals noch c u. f -fluege, kaum steuern uvm. nach 18 jahren in asien kann man nicht mehr zurueck nach europa/dtld. da geht man ein, keine luft zum atmen, endlose kleingeistigkeit. sie werden in dtld eingehen wie eine primel ohne wasser.
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