Bericht der Bundesregierung So werden Behinderte im Beruf diskriminiert

Ein neuer Bericht der Bundesregierung zeigt: Menschen mit Behinderung haben im Arbeitsleben massive Probleme. Trotz spezieller Regeln im öffentlichen Dienst sind selbst dort die Bedingungen unfair.

Verena Bentele (Archivfoto)
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Verena Bentele (Archivfoto)


Menschen mit Behinderungen werden bei der Arbeitssuche noch immer benachteiligt und fürchten besonders oft um ihren Job. Das geht aus dem Diskriminierungsbericht hervor, den die Bundesregierung am Donnerstag vorgestellt hat.

Demnach berichten Betroffene der Bundesbeauftragen für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Verena Bentele, immer wieder davon, dass sie trotz passender Qualifikation wegen ihrer Behinderung nicht zu Vorstellungsgesprächen eingeladen würden. Womöglich zweifelten die Arbeitgeber an der Kompetenz der Bewerber oder fürchteten - zu Unrecht -, dass der Kandidat viel Unterstützung am Arbeitsplatz brauche, heißt es in dem Bericht.

Der öffentliche Dienst stellt einen Sonderfall dar: Hier müssen Bewerber auch mit einer schweren Behinderung zum Gespräch eingeladen werden, wenn sie nicht offensichtlich fachlich ungeeignet sind für den Job. Dadurch sollen auch schwerbehinderte Arbeitssuchende die Chance auf eine Stelle bekommen.

Ohne Aussicht auf Erfolg

Verena Bentele berichtet allerdings von Bewerbern, denen der öffentliche Arbeitgeber ganz klar mitteilte, dass der Vorstellungstermin allein wegen der Behinderung zustande komme - um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Die Bewerber hatten demnach den Eindruck, nur aus formalen Gründen und ohne Aussicht auf Erfolg eingeladen worden zu sein.

Zwischen 2013 und 2016 gingen insgesamt 720 Beratungsanfragen bei der Behinderten-Beauftragten zum Thema Arbeitsleben ein. Viele Betroffene berichteten von Mobbing am Arbeitsplatz und vom Unverständnis der Kollegen gegenüber den Belangen des behinderten Angestellten. Auch darüber, wie ein behindertengerechter Arbeitsplatz aussehen sollte, gibt es offenbar immer wieder Diskussionen mit dem Arbeitgeber. Rampen, breitere Türen oder Hinweisschilder in Blindenschrift gehören nach Benteles Ansicht dazu. In einigen Fällen vermittelte die Behinderten-Beauftragte erfolgreich zwischen dem Betrieb und dem behinderten Arbeitnehmer.

Menschen mit Behinderung fürchten dem Bericht zufolge überdurchschnittlich oft, wegen ihrer Einschränkungen gekündigt zu werden. Dabei sind gerade Schwerbehinderte gesetzlich besonders vor Kündigung geschützt: Das Integrationsamt muss der Beendigung des Arbeitsverhältnisses zustimmen, erst dann wird sie wirksam.

Hintergrund: Das Integrationsamt wägt ab, inwieweit man die Interessen des Arbeitgebers mit denen des Mitarbeiters in Einklang bringen kann. Dabei kann das Integrationsamt dafür sorgen, dass der Angestellten technische Hilfen erhält und andere Organisations- und Arbeitsabläufe ermöglicht werden, sodass der Betroffene weiterhin in seinem Betrieb arbeiten kann.

Bericht wird alle vier Jahre vorgelegt

Für den Bericht wurden Beratungsanfragen ausgewertet, die von 2013 bis 2016 bei der Antidiskriminierungsstelle und der Behinderten-Beauftragten sowie der der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und den weiteren staatlichen und nichtstaatlichen Antidiskriminierungsstellen eingegangen sind. Die Ergebnisse spiegeln nicht nur die Erfahrungen von Menschen mit Behinderungen wider, sondern beziehen auch die ethnische Herkunft, das Geschlecht, Religion, Alter und die sexuelle Identität mit ein.

Die Studie "Diskriminierungserfahrungen in Deutschland" ist ebenfalls mit eingeflossen. Darin hatte die Antidiskriminierungsstelle erstmals systematisch dargelegt, wo Diskriminierung in Deutschland auftritt und welche Personengruppen besonders betroffen sind. Der Diskriminierungsbericht wird dem Bundestag alle vier Jahre vorgelegt. Er soll neben einer Zustandsbeschreibung zeigen, wie man erreichen kann, dass Menschen weniger benachteiligt werden.

mja



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