Zuwanderung Sozialpädagogen sind die gefragtesten Akademiker

Durch den Anstieg der Flüchtlingszahlen in Deutschland werden Absolventen von sozialen Berufen mehr gebraucht denn je: Die Zahl der offenen Stellen ist sogar höher als bei den Ingenieuren.

Erstaufnahme-Einrichtung in Dresden: Viele offene Stellen
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Erstaufnahme-Einrichtung in Dresden: Viele offene Stellen


Sie versorgen Flüchtlinge, gehen mit ihnen zu Ämtern, sprechen mit ihnen über ihre Ängste und Sorgen: Sozialarbeiter und Sozialpädagogen sind zurzeit so nachgefragt wie selten.

"Die klassische Ordnung der Engpassberufe wurde 2015 auf den Kopf gestellt", sagte Oliver Koppel, Arbeitsmarktforscher beim Institut der Deutschen Wirtschaft (IW), der "Zeit". Durch die Zuwanderung der Flüchtlinge seien bei den sozialen Expertenberufen viele neue Stellen entstanden.

In diesem Bereich des Arbeitsmarkts ist die Zahl der offenen Stellen pro 100 Arbeitslose zwischen Januar und Dezember des vergangenen Jahres von 45 auf 114 gestiegen. Bei den Ingenieurberufen der Energie-und Elektrotechnik hingegen lag die Zahl der offenen Stellen pro 100 Arbeitslose zwischen 60 und 71. Das geht aus einer neuen Untersuchung des IW in Köln hervor, wie "Die Zeit" weiter berichtet.

Von dieser Situation könnten nun vor allem Seiteneinsteiger profitieren, wie Kolja Briedis, Absolventenforscher beim Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, der Zeitung sagte. Chancen hätten Politik- oder Geisteswissenschaftler sowie Absolventen mit Fremdsprachenkenntnissen.

kha



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
gumbofroehn 11.02.2016
1. Klingt erst einmal toll ...
... allerdings ist mit ziemlicher Sicherheit davon auszugehen, da der Bund für Flüchtlingshilfe "nur" Geld bereit gestellt hat, dass der weit überwiegende Anteil der Stellen befristet und auch nicht übermäßig gut bezahlt ist. Also, liebe Berufsberater: Jetzt bitte nicht anfangen, Schulabgänger aufgrund dieser Momentaufnahme in's Sozialpädagogik-Studium reinzuquatschen.
Over_the_Fence 11.02.2016
2. Deutschlands Zukunft kann nicht in der Sozialindustrie liegen
Ich habe weiss Gott nichts gegen Sozialpädagogen. In jeder Gesellschaft gibt es Dysfunktionalitäten, und so wie es Ärzte gegen Krankheiten braucht, so braucht man Sozialpädagogen für Menschen mit persönlichen "Schiefständen", die ohne Hilfe ein normales Leben in der Gesellschaft nicht leben können. Aber im Endeffekt ist ein höherer Bedarf dieses Berufes ein schlechtes Zeichen für die Funktionsfähigkeit einer Gesellschaft. Darüber hinaus ist dieser Beruf am Ende ein gesellschaftlicher Kostenfaktor. Damit - und mit einer wachsenden Sozialindustrie im Allgemeinen - lässt sich kein Wohlstand für ein Land aufbauen. Für mich ist das ein weiteres Alarmzeichen dafür, dass in diesem Land etwas nicht stimmt, und wir in eine gesellschaftliche Schieflage geraten.
Malto Cortese 11.02.2016
3.
Komkursverwalter ist ja auch ein ehrbarer Beruf. Über gute Konjunktur in der Branche sollte man allerdings eher besorgt als erfreut sein.
sunderpani 11.02.2016
4. ....uns trotzdem mies bezahlt
Leider hat sich dies bisher nicht auf das Gehalt ausgewirkt. Die Abschlüsse waren in der letzten Tarifrunde für Sozialarbeiter mehr als enttäuschend.
Raimunde Krudenbruch 11.02.2016
5. Bei der Bezahlung will das eh keiner machen...
Im sozialen Bereich wird so schlecht bezahlt und dazu so dermaßen an unbezahlten Überstunden verlangt, dass es mich wundert, dass es überhaupt jemand machen will. Dazu kommt, dass die Zivis weggefallen sind. Nun besetzen sich die Stellen nicht mehr von selbst durch Billig-jobber und es bleibt auch keiner mehr in der Branche hängen, weil sie die Arbeit toll fanden. Ich kenne einige Sanitäter und Pfleger, die als Zivi dort "hängengeblieben" sind - und immer noch sehr glücklich im Beruf sind.
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