Außer Spesen nichts gewesen Fliegt ihr nur alle Holzklasse

Statusgehabe nervt. Das der anderen jedenfalls. Mittelmanager Achtenmeyer kennt die kreativsten Kniffe für glamouröse Geschäftsreisen, weil: Weniger Sterne am Hotel, Economy statt Business - das muss doch nicht sein.

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Eine Karriere-Glosse von


Achtenmeyer kämpft mit Theresa, seit einem Jahr schon. Seit die unternehmenseigene Reisestelle durch ein elektronisches Buchungssystem ersetzt wurde, soll sich jeder Mitarbeiter selbst um seine Geschäftsreisen kümmern. Zum Start hat Achtenmeyer das System in einer kleinen Privatzeremonie Theresa getauft. Nach seiner Lieblingsmitarbeiterin in der alten, echten Reisestelle.

Theresa Buber hatte ihn immer verstanden und mit kleinen Aufmerksamkeiten bedacht. Hier ein Upgrade, dort etwas mehr PS im Leihwagen, solche Sachen. Für Theresa hatte Achtenmeyer sogar eine Ausnahme von seiner geliebten Regel gemacht, Mitarbeiter und Mitmenschen nur mit ihrem Nachnamen anzusprechen, und ihr, ganz Gentleman, über einem Espresso macchiato das Du angeboten.

Theresa ist Geschichte. Jetzt gibt es Theresa. Die Idee des Top-Managements war: Geld sparen, effizienter werden. Die Realität ist: das Gegenteil. Die elektronische Theresa wurde nämlich so programmiert, dass Business-Class-Flüge nur noch in Ausnahmefällen - oder wie Theresa sagt: urgent business matters - genehmigt werden. Zum generellen Verbot mochte sich der Vorstand zwar nicht hinreißen lassen. Doch jedes Mal, wenn man in der Flugauswahl Business anklickt, blinkt Theresa nervös, ein rotes Fenster poppt auf: "Out of Policy".

Trendsport: Theresa austricksen

Naja, fast jedes Mal. Denn liegen Geschäftstermine so früh am Morgen oder spät am Abend, dass sie nach einer durchwachten Nacht in der Economy Class nicht durchzuhalten sind, hat sogar Theresa ein Einsehen und winkt die höhere Flugklasse durch. Daher die neue Trendsportart in der Firma: Man kombiniert jetzt geschäftliche Besprechungen, Messebesuche, store checks und anderes so absurd, dass Theresa gar nicht anders kann, als Business herauszurücken.

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Cartoons zur Bürowelt: Ziemlich beste Feinde
Meist braucht es ein gutes Dutzend Versuche, aber das sollten einem Liegesitz und Champagner schon wert sein. Dass unter dem exzessiven Rumgebuche das operative Geschäft ein klitzekleines bisschen leidet, wissen alle. Zu stören scheint sich daran niemand.

Bis die Situation an einem Donnerstag zu eskalieren droht. Nach stundenlangem Tüfteln konnte Achtenmeyer Theresa von der Notwendigkeit eines Business-Flugs nach Los Angeles überzeugen, wo er gemeinsam mit Holzer einen Marketingkongress besuchen wird. Jetzt liegt seine Buchung bei Dr. Karl, der sie als Vorgesetzter noch genehmigen muss. Und bereits durchblicken ließ, dass er einen store check morgens um sieben in South Central LA als Begründung doch ein wenig weit hergeholt findet.

Achtenmeyer gibt sich generös

Während Achtenmeyer missmutig auf Dr. Karls Standpauke wartet, blinkt Holzers Reisebuchung bei ihm auf. Denn - Überraschung! - auch Holzer will Business fliegen, das wiederum muss Achtenmeyer ihm genehmigen. Holzers Begründung: ein Geschäftsessen mit einem ominösen Vertriebspartner namens Mr. Smitter, um 23.30 Uhr Ortszeit. "Offensichtlicher kann man ja nicht lügen", ärgert sich Achtenmeyer und will schon aufstehen, um Holzer ordentlich die Leviten zu lesen. Doch dann begreift er die Chance. Und packt umgehend zu.

Zuerst geht er zu Holzer: "Ziemlich unverschämt, dieser Mr. Smitter, oder? Nach so einem langen Flug will ich Ihnen diese Tortur gern ersparen, mein lieber Holzer. Wissen Sie was? Ich will ohnehin stärker im Vertrieb präsent sein - ich übernehme den Termin für Sie." Holzer ist ob solcher Chuzpe fassungslos, wagt aber keinen Aufstand. Anschließend schickt Achtenmeyer einen neuen Reiseantrag an seinen Chef, including Mr. Smitter. Dieser Termin UND der store check frühmorgens: Das kann Dr. Karl einfach nicht ablehnen.

So fliegt Holzer also Holzklasse, Achtenmeyer aber Business nach Los Angeles. Und hat sich als zupackender Chef bewiesen, der sich nicht zu schade ist für das alltägliche Vertriebsgeschäft. Ein schönes Win-Win, wenngleich hier beide Wins an ihn gehen. "Auf dich, Theresa", flüstert Achtenmeyer, gleitet in den Liegesessel und lässt sich Champagner nachschenken.

Lessons learned

1) Wer schneller zieht: Um im täglichen Kleinkrieg um Posten, Ressourcen und Allianzen zu bestehen, brauchen Manager starke Nerven. Zögern hat noch niemanden zur besseren Führungskraft gemacht, ein wenig Chuzpe kann manchmal nicht schaden. Doch Vorsicht: Wer den Bogen überspannt, steht am Ende allein da.

2) In der Effizienzfalle: Neues Betriebssystem, neue Meeting-Organisation, neue Reiserichtlinien: Die Widerstandskräfte gegen "change" können enorm sein, wie auch die Kreativität, unangenehme Neuregelungen zu umgehen. Ein guter Manager wird versuchen, Kraft und Kreativität auf die eigentliche Arbeit umzuleiten.

3) Symbolische Macht: Klar, alle finden Statusgehabe lächerlich. Vor allem, wenn es um den Status der anderen geht. Zur Klärung der (informellen) Hierarchie sind scheinbare Nebensächlichkeiten wie Dienstwagen oder Buchungsklassen nach wie vor beliebt. Ein guter Manager weiß, wann es sich dabei zu kämpfen lohnt - und wann Zurückhaltung souveräner ist.



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inecht 07.07.2015
1. Nachhaltigkeitspreis.
Auf einem der unnötigen Inlandsflüge habe ich einen Öko-Schreiberling sogar überzeugen können, unser Unternehmen mit einem Preis für Nachhaltigkeit auszustatten. Die naiven Kunden halten ausgerechnet uns nun für Öko-Aktivisten. Blenden nach innen und nach außen - so geht das!
studibaas 07.07.2015
2. Wir halten fest:
Will ein Niedriglöhner mehr Gehalt, sowas um die 50 Cent die Stunde, wird es meist von Leuten abgelehnt ,die selber bei solchen Managern ihre Kosten drücken müssen. Kotz. Und das alles wg. ein wenig Beinfreiheit. Arbeit ist Kampf, und zwar gegeneinander, jeder behauptet von jedem er sei faul, alle zeigen mit dem Finger auf die anderen. Und jeder versucht die Scheißarbeit auf andere abzuwälzen. Oft gewinnt der, der am lautesten schreit. Und nach meiner Erfahrung nimmt dieses Verhalten exponentielle zum steigenden Gehalt zu. Ich komme aus dem Niedriglohnsektor. Und bin nun in den mittleren Gehaltsklasse angekommen. Fazit: Die Arbeit nimmt ab,das Niveau zu. Was aber am meisten zunimmt ist die zwanghafte Selbstpräsentation,- und man muss mitmachen, es sei denn ma leistet real 1/3 mehr als alle anderen. Aber dafür reichts bei mir (noch) nicht. Mal schauen wann ich das wieder schaffe. Das finde ich immer noch angenehmer als diese ständige Reibereien.
experiencedsailor 07.07.2015
3. Jahrezehntelang waren Business Class, Vier-Sterne-Hotels
usw., usw., die Privlegien des mittleren Angestellten, der es nicht in die Chefetage schaffen sollte.Es ist diese Form der Angestellten, die nicht zuletzt das Rückgrat so mancher Firma bilden. Heute ist alles wegrationalisiert, ausgerechnet von denjenigen, die es als angemessen empfinden, First Class zu fliegen, S-Klasse zu fahren usw., usw.. Gerne unterschreiben diese Chefs siebenstellige Beraterhonrare für diese neue Form der Unternehmenskultur. Ach so, man war ja Kommilitone auf derselben Uni. Beruhigend zu wissen: Frauen auf dem Chefsessel sind auch nicht anders, wenigstens das verspricht Kontinuität,
Spiegelleserin57 07.07.2015
4. und wie wäre es mal mit SPAREN !!!
es stelllt immer wider bei den andern Angestellten eine Provokation dar sich diesen Luxus zu genehmingen vor allem mit Akohol der in allen Betrieben bei anderen Mitarbeitern verpönt und auch nichtgenehmigit bist. Dürfte es nicht auch peinlich sein mit einer Fahne zu verhandeln?
Ge-spiegelt 07.07.2015
5. Etwas einseitig
wichtiger ist der Schlaf bei langen Flügen. wenn man die Zeit hat ein bis zwei Tage früher anreisen. In der Economy lässt sich auch schwer arbeiten da ein großes Laptop nicht aufgeht. Was am Status wichtig ist, ist Priority Checkin und Boarding um Schlangen zu umgehen und Platz für sein Handgepäck zu finden. Das Hotel muss sauber, ruhig und gut erreichbar sein und am Besten der bevorzugten Kette angehören um kleine Annehmlichkeiten wie Wasser, Upgrade, Frühstück oder gar Lounge Zugang zu bekommen.
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