Bildungsstand bei Paaren "Die Ressource gebildeter Mann wird knapper"

Der Chefarzt heiratet die Krankenschwester, die Sekretärin den Bankdirektor - diese Klischees haben sich überholt. Die Mehrheit sucht sich Partner mit ähnlichem Bildungsstand. Gleichstellung bedeutet das aber nicht unbedingt.

Berufstätiges Paar (Symbolbild)
Getty Images/Westend61

Berufstätiges Paar (Symbolbild)


Jahrzehntelang gab es in gemischtgeschlechtlichen Beziehungen ein Gefälle: Der Mann hatte oftmals einen höheren Bildungsabschluss als die Frau. Das hat sich inzwischen grundlegend verändert, wie eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes zeigt.

Bei der deutlichen Mehrheit der Paare in Deutschland (63 Prozent) haben beide Partner einen ähnlichen Bildungsstand. Das trifft auch auf 60 Prozent der Männer und 66 Prozent der Frauen in schwulen oder lesbischen Lebensgemeinschaften zu. Die Ergebnisse basieren auf dem Mikrozensus 2017, für den jährlich ein Prozent der Haushalte befragt wird.

Dass der Mann höher qualifiziert ist, komme in 27 Prozent aller gemischtgeschlechtlichen Beziehungen vor. Deutlich in der Minderheit sind den Angaben zufolge immer noch Paare, bei denen die Frau einen höheren Bildungsabschluss hat als der Mann. Die Quote liegt bei zehn Prozent. Zu Beginn der Erhebung im Jahr 1996 waren es nur 6,5 Prozent.

Junge Paare prägen den Trend

In der Erhebung kommen den Statistikern zufolge alle Altersstufen vor. Ein Trend lasse sich am ehesten bei nicht verheirateten Paaren ablesen, weil diese im Schnitt jünger seien: Dort sind bereits 15 Prozent der Frauen besser qualifiziert als ihr Partner - und 65 Prozent aller Paare ähnlich gebildet. Dass Frauen in der Bildung aufholten und Männer teils überflügelten, ließen seit Jahren viele Erhebungen erwarten, sagen die Experten.

Das wirke sich auch auf die Partnersuche aus, wie die Psychologin Lisa Fischbach von der Partnersucheportal Elitepartner sagt: "Die Ressource gebildeter Mann wird knapper." Demgegenüber stehe ein neues Selbstbewusstsein der Frauen. Deren Ansprüche an potenzielle Partner seien deutlich stärker gewachsen als bei den Männern.

Insgesamt glichen sich die Kriterien bei den Geschlechtern aber immer mehr an - auch wenn Frauen tendenziell immer noch der Status wichtiger sei und Männern das Aussehen, sagt Fischbach. "Der Unterschied ist aber nicht mehr so groß wie noch vor wenigen Jahren."

Ähnlichkeiten gewünscht - bis sich die Partnerschaft festigt

Einen Umbruch erkennt auch Sozialpsychologin Petia Genkova von der Hochschule Osnabrück - allerdings unter Vorbehalt. Ähnlichkeiten seien bei der Partnerwahl immer gewünschter, auch beim Bildungsstand. Sei das Paar aber einmal zusammen und vielleicht das erste Kind da, wähle die Frau meist flexible Arbeitszeiten und treibe ihre Karriere nicht weiter voran.

Das legt auch die Statistik nahe. Demnach ist bei zwölf Prozent der Paare, bei denen die Frau die höhere Bildung hat, trotzdem nur der Mann erwerbstätig. Haben beide einen Uni-Abschluss, arbeite die Frau meist entweder in einem niedriger bezahlten Sektor oder bekomme nach mehreren Jahren weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen, wie Genkova sagt.

Auch sie selbst verdiene nach eigenen Angaben als Professorin weniger als ihr Mann mit Uni-Abschluss in der freien Wirtschaft: "Es gibt einen Umbruch, aber für eine echte Angleichung ist weiter harte Arbeit nötig."

fok/dpa

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