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13. Oktober 2016, 04:58 Uhr

Stuss in Stellenanzeigen

Hauptsache "u.a."

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In Stellenanzeigen wird geschwafelt, was das Zeug hält. Eine Studie zeigt, wie miserabel Unternehmen um Personal werben - nämlich vor allem mit Worthülsen: Team, flexibel, optimieren. Unter anderen.

Suchen Sie einen neuen Job? Dann sollten Sie sich fit machen für "u.a.". Denn "u.a." ist der am häufigsten gebrauchte Begriff in Stellenanzeigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, für die mehr als 120.000 Jobannoncen im Internet analysiert wurden.

Aus den am häufigsten verwendeten Wörtern ergibt sich folgendes Profil eines perfekten Bewerbers: Er ist u.a. teamfähig, flexibel, hat einen guten Abschluss, arbeitet mit Freude und Engagement und zeichnet sich durch seine Einsatzbereitschaft und eine strukturierte Arbeitsweise aus. Mit anderen Worten: Die meisten Stellenanzeigen sind nichts als leere Worthülsen.

In Kombination mit der Abkürzung "u.a." wird besonders gern das inhaltsleere Wort Bereich verwendet: "Ihr Tätigkeitsbereich umfasst u.a." Im Gesamtranking der häufigsten Begriffe kommt "Bereich" auf Platz fünf.

"Deutsche Unternehmen setzen in ihren Online-Stellenanzeigen auf Füllwörter, vorgestanzte Wortbausteine und Substantivierungen", so das Fazit der Studieninitiatoren Manfred Böcker und Sascha Theisen. "Die meisten Texte sind aus handwerklicher Perspektive unprofessionell geschrieben."

Die untersuchten Anzeigen enthielten mehr als eine Million Wörter, die auf -ung enden, darunter so abstrakte Begriffe wie Bereitstellung, Erbringung, Identifizierung oder Finanzsteuerung. Besonders gern verwendet wird der Nominalstil von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit und der Deutschen Bahn. Den Rekord hält allerdings GlaxoSmithKline: Das Pharmaunternehmen suchte einen "Senior Financial Partner Sales" mit 86 Wörtern, die auf -ung enden.

Wenig kreativ wird in den Stellenanzeigen auch das eigene Unternehmen beschrieben. "Weltweit", "führend", "international" und "innovativ" sind angeblich so gut wie alle Firmen. Und so ähnelt sich auch, was sie zu bieten haben, nämlich "eine attraktive Vergütung", "Weiterbildung" und "Spaß".

"Arbeitgeber geben den Kandidaten kein Bild davon, was sie von anderen Arbeitgebern unterscheidet, eine Differenzierung findet nicht statt", sagt Manfred Böcker.

Nur jede dritte untersuchte Stellenanzeige habe eine anklickbare E-Mail Adresse enthalten - und die sei dann meist völlig unpersönlich gewesen. Die beliebtesten Varianten: "bewerbung@", "karriere@" und "jobs@".

Böcker und Theisen arbeiten beide als PR-Berater in Köln. Für die Studie haben sie mit Textkernel zusammengearbeitet, einem Software-Unternehmen, das Online-Stellenanzeigen sammelt und für Arbeitsmarktanalysen aufbereitet. Untersucht wurden Stellenanzeigen, die in Deutschland zwischen Januar 2015 und August 2016 im Internet veröffentlicht wurden.

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