Stuss in Stellenanzeigen Hauptsache "u.a."

In Stellenanzeigen wird geschwafelt, was das Zeug hält. Eine Studie zeigt, wie miserabel Unternehmen um Personal werben - nämlich vor allem mit Worthülsen: Team, flexibel, optimieren. Unter anderen.

Viele Stellenanzeigen lassen sich auf diesen Satz reduzieren
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Viele Stellenanzeigen lassen sich auf diesen Satz reduzieren

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Suchen Sie einen neuen Job? Dann sollten Sie sich fit machen für "u.a.". Denn "u.a." ist der am häufigsten gebrauchte Begriff in Stellenanzeigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, für die mehr als 120.000 Jobannoncen im Internet analysiert wurden.

Aus den am häufigsten verwendeten Wörtern ergibt sich folgendes Profil eines perfekten Bewerbers: Er ist u.a. teamfähig, flexibel, hat einen guten Abschluss, arbeitet mit Freude und Engagement und zeichnet sich durch seine Einsatzbereitschaft und eine strukturierte Arbeitsweise aus. Mit anderen Worten: Die meisten Stellenanzeigen sind nichts als leere Worthülsen.

In Kombination mit der Abkürzung "u.a." wird besonders gern das inhaltsleere Wort Bereich verwendet: "Ihr Tätigkeitsbereich umfasst u.a." Im Gesamtranking der häufigsten Begriffe kommt "Bereich" auf Platz fünf.

Die zehn beliebtesten Wörter in Stellenanzeigen

1. u.a./unter anderem
2. Kunden
3. Team
4. Verantwortung/verantwortlich
5. Bereich
6. Zusammenarbeit
7. Beste
8. im Rahmen
9. Kolleginnen/Kollegen
10. optimieren/optimiert

Quelle: Employer Telling, 2016

"Deutsche Unternehmen setzen in ihren Online-Stellenanzeigen auf Füllwörter, vorgestanzte Wortbausteine und Substantivierungen", so das Fazit der Studieninitiatoren Manfred Böcker und Sascha Theisen. "Die meisten Texte sind aus handwerklicher Perspektive unprofessionell geschrieben."

Die untersuchten Anzeigen enthielten mehr als eine Million Wörter, die auf -ung enden, darunter so abstrakte Begriffe wie Bereitstellung, Erbringung, Identifizierung oder Finanzsteuerung. Besonders gern verwendet wird der Nominalstil von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit und der Deutschen Bahn. Den Rekord hält allerdings GlaxoSmithKline: Das Pharmaunternehmen suchte einen "Senior Financial Partner Sales" mit 86 Wörtern, die auf -ung enden.

Die Top Ten der von Arbeitgebern gestellten Ansprüche

1. gut
2. Team
3. abgeschlossen
4. Flexibilität
5. Engagiertheit/engagiert
6. Bereitschaft
7. Freude
8. strukturiert
9. kommunikativ/kommunikationsstark
10. Einsatzbereitschaft

Quelle: Employer Telling, 2016

Wenig kreativ wird in den Stellenanzeigen auch das eigene Unternehmen beschrieben. "Weltweit", "führend", "international" und "innovativ" sind angeblich so gut wie alle Firmen. Und so ähnelt sich auch, was sie zu bieten haben, nämlich "eine attraktive Vergütung", "Weiterbildung" und "Spaß".

"Arbeitgeber geben den Kandidaten kein Bild davon, was sie von anderen Arbeitgebern unterscheidet, eine Differenzierung findet nicht statt", sagt Manfred Böcker.

Nur jede dritte untersuchte Stellenanzeige habe eine anklickbare E-Mail Adresse enthalten - und die sei dann meist völlig unpersönlich gewesen. Die beliebtesten Varianten: "bewerbung@", "karriere@" und "jobs@".

Böcker und Theisen arbeiten beide als PR-Berater in Köln. Für die Studie haben sie mit Textkernel zusammengearbeitet, einem Software-Unternehmen, das Online-Stellenanzeigen sammelt und für Arbeitsmarktanalysen aufbereitet. Untersucht wurden Stellenanzeigen, die in Deutschland zwischen Januar 2015 und August 2016 im Internet veröffentlicht wurden.



insgesamt 97 Beiträge
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gutes_essen 13.10.2016
1. Stellenanzeigen
Leute, die Stellenanzeigen lesen haben doch (gefühlt) meist keinen Job und müssen halt nehmen was kommt. Wozu sich dann als Firma Mühe geben? "Attraktive Vergütung" separat erwähnt würde mich misstrauisch machen, denn das halte ich eigentlich für selbstverständlich, wenn eine Firma wirklich Mitarbeiter sucht. Vermutlich verbirgt sich dahinter genau das Gegenteil (oder wenigstens Durchschnitt).
der_holzhäuser 13.10.2016
2. Dschungel
Der Dschungel des deutschen Arbeitsmarktes ist katastrophal. Bewerber müssen sich einen Umgang gefallen lassen, welcher im normalen Arbeitsalltag zu einer fristlosen Kündigung führen würde. Besonders ostdeutsche Unternehmen haben noch sehr grosse Schwierigkeiten mit der Rekrutierung von neuem Personal. Die meinen meist, es würde eeichen einen Arbeitsplatz und Lohn anzubieten.
unzensierbar 13.10.2016
3.
Und natürlich muss man sich selbst mit allen möglichen Lügen verkaufen. Unser System ist krank. Wir müssen uns darum bewerben versklavt zu werden.
naklar261 13.10.2016
4. Faehigkeitsluecke offengelegt
wenn ich mir so manche Stellenanzeige durchlese frage ich mich auch manchmal ob es in der Firma eine HR Abteilung oder eine Comedy/Satiere Abteilung gibt die fuer die Stellenanzeigen zustaendig ist. Neben unverstaendlichen Formulierungen finde ich jedoch sehr oft Zeugnisse von Realitaetsfremde, wenn z.B eine Firma einen Uebersetzer sucht der Franzoesisch, Japanisch und Englisch auf native Level spricht und 8 EUR die Stunde bietet, dann gehe ich davon aus das diese Anzeige von einem raffgierigen Ausbeuter in einem parallel Universum geschaltet wurde. Das ist natuerlich auch eine Moeglichkeit sein Unternehmen zu praesentieren...erregt Heiterkeit...
observerlbg 13.10.2016
5. Wenn eine Handwerkfirma so Arbeitnehmer sucht....
..., ist das vielleicht nachvollziehbar. Aber selbst Unternehmen, die eigentlich kreativ sein wollen beweisen mit ihren Stellenanzeigen, dass ihre Kreativität sehr eingeschränkt ist. Aber oft ist eine Stellenanzeige nur ein Druckmittel, um die interne Besetzung der Stelle zu forcieren. Daher also eh wenig relevant. Aber peinlich allemal.
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