Kreative Stellenanzeigen Rockstar gesucht (bzw. IT-Manager)

Wenn der Datenanalyst zum "Ninja" wird, die Bedienung zur "Queen of Breakfast" und der Kundenberater zum "Guru", suchen Unternehmen offenbar verzweifelt neue Mitarbeiter. Die skurrilsten Wortschöpfungen.

Rockstar bei der Arbeit: Korn-Bassist Reginald Arvizu
AP

Rockstar bei der Arbeit: Korn-Bassist Reginald Arvizu


Wer möchte kein Held sein, keine Fee, kein König? Eben. Mit diesen Jobs könnte der Traum in Erfüllung gehen - und mit viel Fantasie. Die haben auch einige Arbeitgeber, die sich zunehmend ungewöhnliche Stellenbeschreibungen einfallen lassen, um neue Mitarbeiter anzulocken.

Mitarbeiter der Jobsuchmaschine Joblift haben die mehr als acht Millionen Stellenanzeigen untersucht, die in den vergangenen zwölf Monaten auf ihrer Plattform veröffentlicht wurden. Ihr Fazit: "Eine nähere Betrachtung besonders kurioser Begriffe legt die Vermutung nahe, dass Firmen mit innovativ anmutenden Jobtiteln in erster Linie das Ziel verfolgen, gängige Positionen spannender klingen zu lassen." Das sei vor allem in Branchen der Fall, die einen hohen Fachkräftemangel verzeichnen - wie IT und Pflege.

Besonders beliebt - übrigens in verschiedenen Branchen und Jobs - sind demnach zurzeit die Fangwörter "Evangelist" (für Markenbotschafter, Technologieberater oder Software-Entwickler) und der "Hero" beziehungsweise Held/Heldin (für den Kundendienst, Softwareentwickler oder Pflegejobs). Es folgt der "Rockstar", mit dessen Bezeichnung zumeist IT-Manager, Marketingexperten und Softwareentwickler angelockt werden sollen.

Werden Reinigungskräfte, Haushaltshilfen, Büroassistenzen oder Bedienungen gesucht, nutzen Arbeitgeber gern Begriffe wie "Magier", "Zauberer" oder "Feen" - oder auch "Könige", am liebsten unter Zuhilfenahme von schön platten Geschlechterstereotypen: Da wird die "Kaffee-Fee" gesucht der "König der Straße" (Lkw-Fahrer) oder der "Held der Autoreifen" (Reifenmonteur). Immerhin geschlechtsneutral blieb ein Hostel, das mit einer Anzeige für "King / Queen of Breakfast" nach Unterstützung im Frühstücksservice suchte.

Hilft es denn? Die Experten der Jobsuchmaschine bezweifeln das: "Ob die kreative Benennung von Stellenanzeigen tatsächlich bei der Rekrutierung von geeignetem Personal hilft, ist jedoch fragwürdig, da Bewerber vermutlich traditionelle Titel bei ihrer Jobsuche bevorzugen."

Sorry, ihr Kreativhelden!

lgr

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
dergenervte 24.01.2017
1. Unmöglich
Da werden die sinnfreisten Stellenanzeigen geschrieben. Die meisten natürlich im Marketingbereich. Der Hauptgrund warum solche Firmen keine Mitarbeiter finden ist bestimmt der miese Lohn oder die miesen Arbeitsbedingungen. Für mich sind solche Anzeigen ein Grund mich dort nicht zu bewerben. Mir sind seriöse Stellenanzeigen lieber.
rockstar.jobs 24.01.2017
2. Rock`n`Roll
Man munkelt es gibt bereits eine persönliche Plattform, die explizit eben diese (IT) Rockstars mit tollen Firmen verbindet.. www.rockstar.jobs
Dr. Murks 24.01.2017
3. Fachkräftemangel?
Solange ältere Bewerber chancenlos sind halte ich den für postfaktisch.
sammilch 24.01.2017
4. Thema
Sehr oft fallen mir diese Begriffe für nicht sehr ausgefallene, abwechslungsarme Berufe aus. Sandwichartist für Brötchenbeleger bei Subway oder Kuchenfee für Verkaufskraft in einem Backshop sind mir noch im Gedächtnis. Und die haben nun wirklich keinen FGachkräftemangel. Nur einen Mangel an Menschen die diese Jobs ihr Leben lang machen wollen.
cobaea 24.01.2017
5.
Das ist doch nichts Neues. Mit der Umbenennung wenig beliebter Jobs versuchen Firmen doch seit Jahrzehnten Angestellten und Kunden die Realität zu verwedeln. Was früher "Vertreter" hiess, wurde zum "Aussendienstmitarbeiter" oder gar "Regionaldirektor", die Verkäuferin wurde zur "Beraterin", der Finanzchef zum Chief Financial Officer, der Betriebsleiter/Geschäftsführer zum Chief Executive Officer - auch in Firmen, die nie mit Kunden oder Zulieferern in angelsächsischen Ländern zu tun haben. Der Filialleiter irgendeiner Bank ist längst "Direktor" geworden und der Hausmeister ist Facility Manager... Nicht umsonst wurde über die "Parkettkosmetikerin" gespottet, wenn's um die Putzfrau ging. Und wer seine Putzfrau mies bezahlt und schlecht behandelt, findet auch keine, wenn er sie zur "Raumpflegerin" ernennt.
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