Frauen mit Erfolgsgeschichte Piepsstimme als Karrierekiller

Sie mögen Ihre Stimme auf dem Anrufbeantworter nicht? Daran kann man arbeiten, sagt Nicola Tiggeler. Als Stimmtrainerin hilft sie Führungskräften, den richtigen Ton zu finden - vor allem Managerinnen, die zu leise und unsicher klingen.

Wer begeistern will, muss "stimmig" sein, sagt Nicola Tiggeler
Michael Leis

Wer begeistern will, muss "stimmig" sein, sagt Nicola Tiggeler


Zwölf Top-Managerinnen, ein Dutzend Geschichten: Hier zeichnen erfolgreiche Frauen ihren Weg nach oben nach - und berichten, worauf es ankommt. Heute: Nicola Tiggeler, klassische Sängerin, Schauspielerin und Stimmtrainerin auf den Chefetagen der deutschen Wirtschaft.

"Die Stimme der Macht ist kein Mysterium, sondern ein Instrument, das zu spielen sich erlernen lässt. Wie in jeder Disziplin wird die Meisterschaft durch das richtige Training entschieden.

Meine erste große Liebe zur menschlichen Stimme entflammte mit vier Jahren. Diese Leidenschaft trägt mich bis heute, Stimme ist 'mein Ding'! Damals durfte ich zum ersten Mal in meinem Leben in die Oper, es war der klassische Einstieg, 'Hänsel und Gretel'. An diesem Abend beschloss ich, Sängerin zu werden. Fortan gab es keine andere Wahl. Meine Diplomrolle an der Hamburger Hochschule war denn auch der 'Hänsel'.

Es folgten viele Jahre an vielen Bühnen, und ich habe so ziemlich alle Erlebnisreisen gewagt, in die sich ein junger enthusiastischer Mensch mit seiner Stimme stürzen kann: Oper, Operette, Musical, Schauspiel; auch die Arbeit vor dem Mikrofon als Sprecherin, als Moderatorin, als Fernsehansagerin.

Seit mehr als 25 Jahren bin ich nun auf der Bühne, vor der Kamera und dem Mikrofon zu Hause. Genauso lange begleite ich andere Menschen bei einem der spannendsten Abenteuer: der Entdeckung und Entwicklung der eigenen Stimme.

Die eigene Haltung hörbar machen

Zunächst waren es Kollegen, mit denen ich gearbeitet habe: Sänger, die sprechen, und Schauspieler, die singen mussten. Inzwischen sind es vor allem Führungskräfte, Politiker und professionelle Redner.

Ich bin immer wieder überrascht, wie wenige Menschen überhaupt ein Verhältnis zu ihrer eigenen Akustik haben, und wenn, dann ein eher negatives, angespanntes (denken Sie zum Beispiel nur an die eigene Ansage auf dem Anrufbeantworter). Den meisten Menschen fällt ihre Stimme überhaupt erst dann auf, wenn sie nicht mehr funktioniert. Wie schade!

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Deutschlands bekannteste Stimme: "Fahrtende, bitte aussteigen"
Die meisten Menschen glauben, dass sie im Gegensatz zur Optik an ihrer Stimme nicht viel verändern können, nach dem Motto: Passt schon, oder Pech gehabt. Das ist Nonsens.

In Stimmtrainings geht es immer darum, neben den Inhalten auch die eigene Haltung hörbar werden zu lassen. Nur so können Gedanken und Konzepte oder gar Visionen an den Mann und die Frau gebracht werden. Wer begeistern will, muss 'stimmig' sein und Stimmung erzeugen; die die viel beschworenen Emotionen auslösen kann, die Begeisterung, die Unternehmertum nun mal braucht. Dabei geht es nicht um eine schöne, sondern die freie Stimme, mit all den wunderbaren Möglichkeiten, ihr ganzes Spektrum auszuloten.

In vielen Menschen sitzt eine tiefe Angst, die Kontrolle zu verlieren, von der Wucht ihrer eigenen Gefühle überrollt zu werden. Die Folgen sind bekannt: bleierne, monotone und einschläfernde Reden und Präsentationen. Im Mut zu stimmlicher Lebendigkeit steckt auch die Furchtlosigkeit vor dem Kontrollverlust. Um dieses Risiko eingehen zu können, braucht es viel Übung.

Auch bei vielen Männern 'stimmt' es nicht

Wie oft erlebe ich, dass hoch qualifizierte Frauen, die bereits einen langen Weg des beruflichen Aufstiegs gemeistert haben, sich unter Wert verkaufen. Denn: Sie werden schlichtweg nicht gehört. Ihre Stimmen sind zu leise, unsicher, undeutlich, nicht belastbar und werden bei Aufregung schrill, brüchig oder ihr Sprechen zu schnell.

Kommt dazu eine unzureichende und wenig überzeugende körperliche Präsenz, was leider häufig vorkommt, ist das Desaster perfekt. Die meisten von ihnen wissen um ihr Versagen und leiden darunter. Nach ganz oben kommen nämlich nur die, die sich Gehör zu verschaffen wissen.

Es handelt sich um das weit verbreitete Drama, dass die innere Kompetenz nicht mit der äußeren übereinstimmt. Das ist nicht nur ein weibliches Problem, auch bei vielen Männern 'stimmt' es nicht.

Zu einer Top-Frau gehört eine Top-Stimme, die kann man erlernen. Wer sich dann noch taub stellen will, wer eine solche Frau überhören und übergehen will, wird sich schwertun."

Protokolliert von Gisela Maria Freisinger

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insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
Beinlausi 02.04.2015
1. kurz zusammengefasst...
kenne ich fast niemanden, der sich an den extern aufgenommenen und wiedergegebenen Klang der eigenen Stimme nicht erst mal gewöhnen musste. Unabhängig von deren Klang. Ein Stimmcoaching ist bestimmt super, speziell für die, die noch nie ein Stück Vokaltechnik erlernt haben. Ein ganz großer Teil dürfte aber Psychologie sein. Selbstbewusstsein/Glaube an die eigenen Qualitäten. Wenn man nämlich lernt, dass man gar nicht so schlimm klingt, traut man sich auch zu reden. Auch laut. Mit einer "starken" Körperhaltung. ...und die Anderen werden Dir glauben. ;-)
polarwolf14 02.04.2015
2. Früher war alles besser
Denn da hatten Führungskräfte Autorität, weil sie führen -konnten- , heute müssen ungeeignete und Frauen erstmal bei Coachings und zwielichtigen Unternehmensberatern Führung lernen, sind dafür aber nicht geeignet. Echte Führung ist eben nicht die verstellte political correctness mit Hände im positiven Bereich und Ausreden und Unauthentizität. Da können Frauen mit Piepsstimme oder Weicheimänner noch so lange üben, ernst nehmen würde ich sie nie, genauso wie alle Unternehemensberater. Man schlägt sie indes mit gleichen Waffen.
gladiator66 02.04.2015
3. 4 Jahre habe ich Sprechunterricht an einem Konservatorium gegeben.
Sehr viele Teilnehmer (m/w) hatten persönliche und psychische Probleme, die sich auf die Sprache und die Stimme ausgewirkt haben.
wo_st 02.04.2015
4. Einfach geht es schon
Mann / Frau muss einfach nur mal in das eigene Handy sprechen und danach abhören. Da kommen die ersten aha Erlebnisse raus. Auch damit ist ein einfache Stimmschulung schon mal möglich. Natürlich ist eine professionelle Schulung besser.
Diskutierender 02.04.2015
5. Manager-Bashing
Und da wundert man sich noch, warum es zum ständigen Manager-Bashing kommt - offenbar zählt alles, um Manager zu werden, nur nicht Führungs- und Fachkompetenz.
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