Streit am Arbeitsplatz Mit diesen drei Sätzen gewinnen Sie jede Diskussion

Im Job fliegen manchmal die Fetzen. Unterschiedliche Auffassungen, keiner will nachgeben. Und nun? Eine Anleitung zur Deeskalation.

Meinungsverschiedenheit am Arbeitsplatz
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Meinungsverschiedenheit am Arbeitsplatz

Von "Karrierebibel"-Autor Jochen Mai


Wo gearbeitet wird, da gibt es Streit. Ob als Diskussion oder als Druckausgleich - gefährlich wird es erst dann, wenn die eigene Unzufriedenheit zur Wut hochkocht und sich eine sachbezogene Lösung nicht mehr finden lässt. Nicht selten kommt es dann zu schlimmen Entgleisungen, die das persönliche Image und die weitere Zusammenarbeit auf Dauer beschädigen.

Schweigen, Schlucken und Verdrängen sind bei schwelenden Konflikten zwar ebenso falsch wie mangelnde Selbstkontrolle. Doch Diskutieren ist keine Geheimwissenschaft, es lässt sich genauso leicht lernen wie das Bedienen eines Farbkopierers. Sie brauchen am Anfang nicht viel mehr dazu als drei einfache Worte...

1. "Du hast recht."

Viele Menschen wollen eigentlich gar nicht diskutieren, sondern recht bekommen. Sie sind gar nicht daran interessiert, ihre Meinung hinterfragen oder sich gar umstimmen zu lassen. Es geht nur darum, die eigene Sicht mitzuteilen und den Standpunkt bestätigt zu sehen.

Mit diesen Menschen kann man nicht wirklich diskutieren, muss man auch nicht. Aber die drei Worte "Du hast recht" nehmen ihnen allen Wind aus den Segeln. Nichts anderes wollten sie hören, aber - und das ist der Clou - manche sind jetzt bereit, noch eine Weile länger zuzuhören.

Je schneller man zu diesem Punkt kommt, desto weniger Nerven und Konflikte muss man auf dem Weg dorthin lassen beziehungsweise auskämpfen.

Außerdem bringt es einen näher zu Schritt zwei:

2. "Ich verstehe genau, wie du dich fühlst und warum du das so siehst."

Natürlich kann der Satz "Du hast recht" leicht ironisch klingen, Motto: Du hast recht und ich meine Ruhe. Den notorischen Rechthaber stachelt das eher noch an. Es ist, als würde man einem Wüterich sagen: "Entspann dich mal wieder!" Das hat noch nie funktioniert.

Wichtig ist daher, Empathie zu beweisen und zugleich die eindeutige Aussage zu bekräftigen. "Ich verstehe genau, wie du dich fühlst" holt Ihr Gegenüber nicht nur auf der sachlichen, sondern eben auch auf der emotionalen Ebene ab. Denn mal ehrlich: In 99 Prozent aller Diskussionen haben tatsächlich beide Seiten recht - nur eben jeweils aus ihrer persönlichen Perspektive.

Dem anderen zu signalisieren: Ich sehe das mit deinen Augen - und in dem Fall hast du recht (und das im Übrigen nicht nur zu sagen, sondern auch wirklich zu versuchen!), beweist zugleich Respekt, ohne den eigenen Standpunkt zu verraten.

Noch besser ist, den anderen Standpunkt mit eigenen Worten wiederzugeben (Nicht diesen einnehmen, nur referieren!). Das bewirkt dreierlei:

  • Komplizierte Zusammenhänge werden klarer
  • Sie sind sicher, dass Sie den anderen verstanden haben.
  • Der andere fühlt sich verstanden und ernst genommen.

Letzteres ist entscheidend und öffnet Herz und Ohren für Schritt 3...

3. "Eine andere Möglichkeit die Sache zu sehen, wäre..."

Entscheidend hieran ist, dass Sie hierfür unbedingt eine neutrale Formulierung wählen. Nicht "Ich sehe es aber anders..." Das baut nur wieder eine Front auf und betont Gegensätze. So aber bringen Sie Ihr Gegenüber sanft dazu, ebenfalls einen anderen Blickwinkel einzunehmen.

Und womöglich erkennt er oder sie dabei, dass auch Sie recht haben - so gesehen. Und das ist der Moment, in dem Sie die Diskussion gewinnen - nicht im Sinne von Ich hab also doch recht und du nicht, ätsch!, sondern, indem Sie den Grundstein für gegenseitiges Verständnis, einen Kompromiss oder vielleicht sogar eine Einigung gelegt haben. Und das ist dann sogar Win-win.

90 Prozent der Auseinandersetzungen konzentrieren sich ohnehin auf die Vergangenheit. Dabei verrennt man sich unweigerlich in Details. Konstruktiver ist, den Blick in die Zukunft zu richten: Wo führen die jeweiligen Perspektiven hin?

Klar gibt es auch jene, die dazu partout nicht bereit sind. Da hilft dann nichts mehr - außer abbrechen... Mit Beton kann man nicht streiten.

insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
teichenstetter 29.12.2016
1. No 2
Also Nummer 2 ist der normaler Arbeitswelt eine direkte Einladung nie wieder einen Standpunkt vertreten tu können oder ernst genommen zu werden. Das funktioniert vielleicht als Lehrer oder unter Autoren und Künstler.
riedlinger 29.12.2016
2. Absolut richtig!
Jochen Mai hat absolut recht. Ich saß mal in einem heftigen Streit mit einem Geschäftspartner zusammen mit unseren beiden Anwälten. Normalerweise betreiben die Anwälte dabei "Waffen-Zeigen". Mein Anwalt dagegen sprach den Gegner direkt an und führte Punkt für Punkt auf, warum der überzeugt war, jeden Rechtsstreit zu gewinnen. Ich fragte mich für einen Moment, ob mein Anwalt die Seite gewechselt hatte. Aber dem Gegner ging das Herz auf. Nachdem mein Anwalt Punkt für Punkt die Positionen des Gegners aufgebaut hatte, machte er sie wieder Punkt für Punkt kaputt. Absolut sachlich und fundiert. "Und ein Richter könnte das dann auch so sehen." Nach zwei Stunden erzielten wir eine Einigung und verhinderten einen Rechtsstreit, der sich mit immensem Streitwert jahrelang durch die Instanzen gezogen und unendlich böses Blut gestiftet und viel Geld gekostet hätte. Und wir trennten uns in guter Atmosphäre! Chapeau, Herr Mai!
fatherted98 29.12.2016
3. Bastmatte...
...auspacken und Gesprächsrunde beginnen. Gähn...diese Tipps gabs schon vor 30 Jahren...und damals waren sie so falsch wie heute.
trackingerror 29.12.2016
4.
Jochen Mai, du bist der Messias! Ich huldige dir, deiner Karrierebibel und deinen kongenialen Personalerjüngern! *Ironie off. Mal im Ernst: wer so etwas triviales wie den beruflichen Werdegang in einen religiösen Zusammenhang setzt ("Karrierebibel" mag zwar ein nettes Wortspiel sein, aber reduziert den Menschen zu einem ideologischen Instrument [ähnlich wie der Begriff "Human Resource"]), der kann einem irgendwie nur leid tun. Oder bezahlt die Industrie auch schön kräftig für diese Form der Volksverblödung?
to78ha 29.12.2016
5. Da ist was dran...
Die Rangehensweise ist sicher nicht neu. Man sollte das einfach mal als Tipp am Rande sehen. Wir leben heutzutage in einer wahren Streitkultur. Wir streiten tatsächlich viel zu oft nur um des Streitens Willen. Doof nur das man sich nachher eigentlich nie als Gewinner fühlt. Privat macht es Beziehungen und Freundschaften kaputt und beruflich jeden Tag zu einem Ärgernis. Was den beruflichen Alltag angeht ist es tatsächlich besser wenn man auf die Kollegen zugeht statt ständig seinen Dickschädel durchzusetzen. Im Kontra ist wirklich Kräftezehrend. Man muss ja künftig auch ziemlich lange im Berufsleben sein. ;-) Und was gibt es schöneres als Freunde zu haben. Und wenn Kollegen wie Freunde sind dann ist es doch im Job auch auszuhalten. Ich finde auch das es gut ist sich im Job zu siezten, das wahrt die nötige Distanz. Das allerschlimmste ist Eiszeit, die kann ziemlich schnell aufkommen wenn alle auf sturr schalten. Und Eis bringt bekanntlich den härtesten Stein, ja sogar Stahl zum Bersten.
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