Studie zu Stress am Arbeitsplatz Jeder Dritte fühlt sich überfordert

Viele Deutsche gefährden wegen hoher Arbeitsbelastung ihre Gesundheit. Mehr als 40 Prozent klagen laut einer Studie über stetig steigenden Druck, fast ein Viertel der Vollzeitbeschäftigten macht keine Pausen.

Stress im Büro: Ein Drittel weiß nicht, wie man den Ansprüchen gerecht wird
Corbis

Stress im Büro: Ein Drittel weiß nicht, wie man den Ansprüchen gerecht wird


Gütersloh - Stress macht krank, dieser Zusammenhang wird von vielen Studien untermauert. Einer aktuellen Befragung zufolge setzen viele Beschäftigte in Deutschland wegen des großen Drucks am Arbeitsplatz ihre Gesundheit aufs Spiel. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung legt ein Viertel der repräsentativ befragten Vollzeitbeschäftigen ein zu hohes Arbeitstempo vor. Langfristig sei das nicht durchzuhalten, sagten die Befragten.

18 Prozent stoßen oft an ihre Leistungsgrenzen, 23 Prozent machen keine Pausen. Jeder Achte kommt sogar krank zur Arbeit. Damit wachse bei vielen die Gefahr, die eigene Gesundheit zu gefährden, so das Ergebnis der Studie.

42 Prozent beklagten, dass das Arbeitsumfeld durch steigende Leistungsziele geprägt werde. Jeder Dritte weiß nicht mehr, wie er den Ansprüchen gerecht werden soll. Werden zu hohe Ziele dennoch erreicht, gelten diese sofort als neuer Maßstab.

Aus diesem Teufelskreis gebe es kein Entkommen, glaubt jeder zweite Arbeitnehmer. 51 Prozent der Befragten geben an, keinen oder nur geringen Einfluss auf ihre Arbeitsmenge zu haben. Mehr als 40 Prozent sagen das auch über ihre Arbeitsziele.

Arbeitgeber in der Pflicht

Um das selbstgefährdende Verhalten der Beschäftigten zu reduzieren, schlagen die Autoren der Studie regelmäßig verbindliche und realistische Zielvereinbarungsgespräche mit dem Arbeitgeber vor. Die vereinbarten Ziele müssten innerhalb der vertraglichen Arbeitszeit erreichbar sein, sagt Anja Chevalier von der Sporthochschule Köln.

Gert Kaluza vom GMK-Institut für Gesundheitspsychologie in Marburg sagt, besonders wichtig sei, dass Arbeitnehmer ein Gefühl für die eigenen Grenzen entwickeln, damit sie ihr Leistungspotenzial auch langfristig optimal ausschöpfen könnten.

Auch die Unternehmen müssten handeln, fordert Brigitte Mohn vom Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. Das Management könne die Leistungskultur maßgeblich beeinflussen und durch realistische Arbeitsziele ein gesünderes Arbeitsumfeld schaffen.

fdi/dpa

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insgesamt 33 Beiträge
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inver 16.03.2015
1. Unternehmensberater dürfen weiter Arbeitsprozesse optimieren,
obwohl der Arbeitnehmer durch die Vorgaben überfordert werden. Erst wenn die Folgekosten dieser unmenschlichen Optimierungsverfahren zu hoch sind, weil die Arbeitnehmer durch die dauernde Überforderung erkranken, wird ein Umdenken stattfinden. Vielleicht sollten die Unternehmensberater für diese ungewollten Folgen in die Pflicht genommen werden!
karlsiegfried 16.03.2015
2. Alles richtig
Die Textilarbeiter(innen) und andere Arbeiter(innen) in China, Pakisten, Bangladesh und so weiter würden die hier bejammerten Verhältnisse als Geschenk Gottes bezeichnen.und täglich dafür beten, dass diese dauerhaft erhalten bleiben mögen. Urlaub, Krankenversicherung, Rente, Pflegeversicherung eingeschlossen.
linkereuropäischerpatriot 16.03.2015
3. Von was träumt Ihr?!
Die in dem Artikel geforderten Änderungen werden durch kein Unternehmen der Welt umgesetzt, so lange dies nicht durch die Politik in Gesetze gegossen wird. Die Unternehmen verfolgen kurzfristige Ziele. Sie sind, und das ist auch nicht ihre Aufgabe, auf dem Sozialen wie ökologischen Auge blind. Schritte der Politik in die richtige Richtung, wie der Mindestlohn, der nebenbei eine Zeiterfassung einfordert, die selbsverständlich sein sollte, werden medial, auch hier, torpediert. Über das erarbeitete Geld in Deutschland sowie die dagegen stehende minimale Entlohnung wären ein weiteres Thema. Ohne diese Praxis hätten wir die Südländer nicht erdrückt. Und das Geld in der Sparanlage sowie der Lebensversicherung ist jetzt trotzdem weg. Doppelt bestraft!
Oberleerer 16.03.2015
4.
Die Computer und Maschinen müssen eingesetzt werden, um unsere Renten und Einkommen zu zahlen. Dann könnte man bald mit 40 in Rente gehen und auch wieder Kinder bekommen.
cicatriz 16.03.2015
5.
---Zitat--- Viele Deutsche gefährden wegen hoher Arbeitsbelastung ihre Gesundheit. Mehr als 40 Prozent klagen laut einer Studie über stetig steigenden Druck, fast ein Viertel der Vollzeitbeschäftigten macht keine Pausen. ---Zitatende--- Ist es ein Herdentrieb, daß das so viele dümmlich zu nennende Arbeitnehmer mitmachen?? Wie kann es sein, daß die Bevölkerung diese Zustände klaglos mitmacht, auf der anderen Seite aber problemlos gegen Asylbewerber und Arme gehetzt werden kann?? ---Zitat--- 18 Prozent stoßen oft an ihre Leistungsgrenzen, 23 Prozent machen keine Pausen. Jeder Achte kommt sogar krank zur Arbeit. Damit wachse bei vielen die Gefahr, die eigene Gesundheit zu gefährden, so das Ergebnis der Studie. 42 Prozent beklagten, dass das Arbeitsumfeld durch steigende Leistungsziele geprägt werde. Jeder Dritte weiß nicht mehr, wie er den Ansprüchen gerecht werden soll. Werden zu hohe Ziele dennoch erreicht, gelten diese sofort als neuer Maßstab. ---Zitatende--- Und Alle machen mit. Daß deutsche Arbeitgeber besonders perfide und asozial sind ( geschätzte 10% Ausnahmen bestätigen die Regel), ist schon lange bekannt. Aber es gehören zwei Seiten dazu: Eine, die verheizt, die andere, die sich verheizen lässt. Wenn aus der "verheizten" Seite kein Widerstand kommt und man brav , wie der Deutsche nunmal zu gefühlten Obrigleiten ist, alles mitmacht, ist es kein Wunder, wenn die Arbeitgeber ihre "Ansprüche" immer höher schrauben." Perfide" gesellt sich zu" feige & ängstlich". ---Zitat--- Aus diesem Teufelskreis gebe es kein Entkommen, glaubt jeder zweite Arbeitnehmer. ---Zitatende--- Es gibt immer Auswege, Man muss sie aber auch zu gehen bereit sein.
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