Infografik der Woche So gestresst sind deutsche Angestellte

Ich hab Rücken, Nacken, Schulter! Jeder zweite Deutsche klagt über Schmerzen bei der Arbeit. Die Ursache ist fast immer die gleiche.


SPIEGEL ONLINE

Auf der Baustelle muss ein Helm getragen werden, im Labor ein Kittel: Wenn die körperliche Gesundheit auf dem Spiel steht, müssen Unternehmen ihre Mitarbeiter schützen. So will es das Gesetz. Aber nicht nur herunterfallende Ziegel oder ätzende Flüssigkeiten gefährden die Gesundheit - auch zu kurze Pausen, Termindruck oder falsch eingestellte Schreibtische machen das Arbeiten schwer.

Knapp sieben von zehn deutschen Angestellten leiden unter Verspannungen im Nacken. Auch Rückenschmerzen, Schmerzen in den Schultern, Armen oder Händen betreffen mehr als die Hälfte aller Angestellten, wie die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE zeigt.

Laut einer Studie der pronovaBKK leiden insgesamt fast 86 Prozent der Bundesbürger unter Stressfaktoren am Arbeitsplatz. Aber was macht einen Job überhaupt stressig? Als Hauptursachen für Stress im Job nennen die meisten Teilnehmer der Studie ständigen Termindruck (38 Prozent), gefolgt von schlechtem Arbeitsklima (37 Prozent) und emotionalem Stress (36 Prozent).

Auch das Verschmelzen von Berufs- und Privatleben schlägt sich in der Statistik nieder. 33 Prozent der Befragten gaben an, durch Überstunden belastet zu sein, weitere 30 Prozent durch ständige Erreichbarkeit oder Rufbereitschaft. In der Altersgruppe der 18- bis 39-Jährigen fühlen sich sogar 91 Prozent vom Job stark belastet.

"Diese jungen Generationen sind von der Flexibilisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt besonders stark betroffen", sagt Gerd Herold, Arbeitsmediziner der pronova BKK. Viele jüngere Arbeitnehmer identifizierten sich besonders stark mit ihrem Job - und merkten zunächst gar nicht, dass die Belastungsgrenze schon überschritten sei. Will heißen: Ausgerechnet die Generation, die sich die Selbstverwirklichung zum Ziel gesetzt hat, stolpert über ihre eigenen Ansprüche.

Die Zahlen dürften auch die Arbeitgeber aufhorchen lassen. Rund zwei Drittel der Befragten gaben an, in ihrer Firma gesundheitsfördernde Angebote in Anspruch nehmen zu können. Besonders beliebt: frisches Obst, eine Kantine mit gesundem Essen und Augenuntersuchungen.


Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf der Themenseite.

loe/vet

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
upalatus 05.06.2016
1.
Vielleicht mag man es nicht glauben, aber das sog. bore out spielt bei dem Thema manchmal auch eine Rolle.
dreg1691 05.06.2016
2. Arbeit
Ich, 55 Jahre (männlich) sage nach meinen 35 Berufsjahren " Arbeit hat mich krank gemacht!". Kfm. Angestellter im Autohaus eines deutschen Premiumherstellers. In den letzten 10 Jahren hat sich im Kfz. Servicebereich vieles geändert. Druck vom Hersteller, Arbeitgeber und Kunden. In dieser Zeit habe ich mir Pausen abgewöhnt bzw. abgewöhnen lassen. Folge Rückenschmerzen, Depressionen, private Probleme etc. 9 Jahre keine Krankmeldung. JETZT hole ich die Ernte ein. In 2015 5 Wochen psychosomatische Reha. In 2016 liege ich jetzt gerade mit meinem 2. Hörsturz innerhalb von 3 Monaten im Krankenhaus. Ich bin leider schon 55. Den jungen Menschen kann ich nur raten" Lasst euch nicht zu sehr einbinden und ausnutzen.Achtet auf eure Gesundheit!!"
uhrentoaster 05.06.2016
3. Freizeit, Gewerkschaften
Wären alle Berufstätigen in einer Gewerkschaft, hätten die Gewerkschaften mehr Macht und würden dafür sorgen, dass sich die Sklaverei der Arbeitgeber nicht weiterverbreitet. Möglicherweise haben auch weniger Freizeit und die zunehmende Bequemlichkeit mit dem Problem zu tun. Steht weniger Freizeit zur Verfügung, gibt es weniger Möglichkeiten für einen Ausgleich durch Sport. Dank Smartphones wird eine fehlerhafte Körperhaltung auch noch in der Freizeit weitergeführt. Nur wenige Menschen sind in der Lage, Grenzen zu setzen. Dabei wäre es doch so einfach: Bin ich daheim, gehe ich per Desktop-PC ins Internet und telefoniere über das Festnetz. Mehr ist nicht nötig. Bin ich unterwegs, brauche ich das nicht. Wozu auch? Lediglich für den Notfall würde ein stinknormales Mobiltelefon genügen. Solange sich viele Menschen von der Mehrheit abhängig machen, anstatt ihr eigenes Ding durchzuziehen, werden diese Menschen auch weiterhin leiden.
spiegelleser987 05.06.2016
4.
Das hat sich in den vergangenen 15 Jahren so entwickelt. Die Entscheider und "modernen" Manager sind nur noch Juristen oder Kaufleute. Mit Zusammenhängen kennen die sich nicht mehr aus. Da zählen nur noch Begriffe und Termine. So ist es auch beim Staat. Wir sind nur noch ein Anwaltsstaat. Dadurch hat die Bürokratie und der Stress zugenommen. 2007 wurde das stark kritisiert. Damals nahm die Bürokratie in der Medizin zu. Ärzte mussten einige Krankenschwestern abschaffen und die anderen mussten mehr arbeiten. In der Elektronikindustrie war das noch schlimmer, weshalb viele Firmen dicht machen mussten. Dafür hat der Staat mehr Geld abkassiert und damit mehr Hartz-IV-Empfänger erzeugt.
olfnairolf 05.06.2016
5. Leben macht krank
Wenn ich am Rechner sitze bekomme ich Verspannungen, auf dem Bau kaputte Knie und Rücken, als Hausfrau einen Nervenzusammenbruch und als Arbeitsloser Depressionen. Und mein Arbeitgeber muss jetzt darauf achten dass mein Bildschirm richtig ausgerichtet ist und ich Pausen mache. Ich muss ein ganz schöner Depp sein wenn ich das selbst nicht hinbekomme.
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