Studie zur Arbeitszeit So viele Überstunden machen deutsche Arbeitnehmer

Schuften, wenn andere längst Feierabend haben: Mehrarbeit ist für viele normal. Eine neue Studie zeigt, wer besonders viele Überstunden macht.

Angestellter in Frankfurt am Main
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Angestellter in Frankfurt am Main


Es ist stockfinster, das Abendbrot zu Hause längst kalt und die Familie sauer: Für viele Angestellte gehören Überstunden zum Berufsalltag. Doch wer arbeitet am ehesten deutlich länger, als im Vertrag steht? Ältere oder Jüngere? Die, die in der Firmenhierarchie unten stehen - oder die Chefs? Und welche Rolle spielt dabei der Wohnort?

Für mehr als die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer sind Überstunden der Normalfall: Im Schnitt gehen rund 59 Prozent nicht pünktlich nach Hause. Das zeigt der Arbeitszeitmonitor 2017 - eine Untersuchung der Vergütungsberatung Compensation Partner, bei der mehr als 220.000 Vergütungsdaten aus den vergangenen zwölf Monaten analysiert wurden.

Wo werden die meisten Überstunden geschrubbt?

Ein Blick in die einzelnen Regionen zeigt: Arbeitnehmer in den neuen Bundesländern machen tendenziell mehr Überstunden. In der Gegend um Berlin und Leipzig wird besonders viel Mehrarbeit geleistet, etwa sechs Stunden pro Woche. Am wenigsten Überstunden machen Arbeitnehmer in den Regionen um Nürnberg, Würzburg und Teilen von Thüringen. Doch auch dort wird noch im Schnitt pro Woche fünf Stunden länger gearbeitet.

arbeitszeitmonitor 2017 infografik Karte
Compensation Partner

arbeitszeitmonitor 2017 infografik Karte

Die Studie zeigt auch, dass Topverdiener, die im Jahr mehr als 120.000 Euro Gehalt kassieren, am meisten Überstunden leisten. Sie bleiben pro Woche etwa zehn Stunden länger bei der Arbeit. Arbeitnehmer mit einem Einkommen bis zu 30.000 Euro schieben etwa 2,1 Überstunden in der Woche.

Nicht immer werden Überstunden ausgeglichen

Wer wie viele Überstunden macht, hängt auch von der Branche ab. Bei Unternehmensberatern sind demnach mehr als fünf Überstunden pro Woche üblich. Einen Ausgleich für die Mehrarbeit bekommen allerdings nur knapp 35 Prozent.

"Durch regelmäßige Geschäftsreisen und Kundentermine sammeln Unternehmensberater schnell viele Überstunden an. Dass die Mehrheit keinen Überstundenausgleich erhält, lässt sich mit einem überdurchschnittlichen Einkommen und hohen Bonuszahlungen begründen", sagt Tim Böger, Geschäftsführer von Compensation Partner.

Angestellte in der Maschinenbaubranche und im Hotel- und Gastronomiewesen haben es da meist besser. Immerhin bekommt dort mehr als die Hälfte einen Ausgleich für geleistete Überstunden. Meist entscheidet das Unternehmen, ob die Mehrarbeit mit Geld oder Freizeit kompensiert wird.

Frauen bekommen seltener Ausgleich

Die Studie zeigt auch einen deutlichen Unterschied zwischen Männern und Frauen: Zwar leisten Männer im Schnitt mehr Überstunden, bekommen aber im Schnitt auch häufiger einen Ausgleich. Während Frauen nur in etwa 40 Prozent der Fälle für Überstunden bezahlt werden oder diese abbummeln dürfen, bekommen 60 Prozent der männlichen Arbeitnehmer den Ausgleich.

Wer jedoch glaubt, dass insbesondere junge Arbeitnehmer Überstunden machen, weil sie meist noch ungebunden und besonders motiviert sind, irrt. Laut der Analyse steigt mit dem Alter auch die Zahl der Überstunden. Beschäftigte unter zwanzig arbeiten im Schnitt zwei Stunden pro Woche extra. Bei den 40-Jährigen sind es bereits 3,4 Stunden. Noch mehr Überstunden machen die über 59-Jährigen - sie bleiben im Schnitt 3,6 Stunden in der Woche länger.

koe



insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
xlabuda 15.05.2017
1. Ihr Beitrag verzerrt die Wirklichkeit
Nicht Angestellte und Arbeiter sind die Spitzenreiter, sondern Selbständige und Unternehmer. Es gibt nur wenige, die nicht 60 bis 80 Stunden schrubBen - unbezahlt natürlich und ohne abfederndes soziales Netz.
vitalik 15.05.2017
2.
Zitat von xlabudaNicht Angestellte und Arbeiter sind die Spitzenreiter, sondern Selbständige und Unternehmer. Es gibt nur wenige, die nicht 60 bis 80 Stunden schrubBen - unbezahlt natürlich und ohne abfederndes soziales Netz.
Was heißt hier unbezahlt? Wer es nicht schafft seine Preise so zu gestallten, dass die Verwaltungskosten mit abgedeckt sind, kann als Selbstständige einfach nicht wirtschaften. Was glauben Sie, wie die großen Firmen mit vielen angestellten das machen. Da kann man die Verwaltungskosten auch nicht dem Kunden direkt in die Rechnung stellen, sondern die Preise für die Arbeitsstunden oder Produkte so gestallten, dass die restlichen Mitarbeiter bzw. Produkte das Geld für solche Firmenbereiche erwirtschaften.
Der_schmale_Grat 15.05.2017
3. @2 vitalik: Unzulässiger Vergleich
Selbständige Kleinstunternehmer haben aber nicht die große Unterstützung vom Staat wie z.B. VW, das von Herrn Dobrindt und anderen Populistikern nach allen seltsamen Regeln verteidigt und auch bei extremen Verfehlungen geschützt wird. Zudem haben große Firmen prozentual doch viel weniger Steuern zu zahlen als Selbständige und Freischaffende. Steueroasen noch nicht mal mitgerechnet. Außerdem sind sie viel weniger flexibel, wenn mal der Laden ein paar Monate nicht läuft, sie erhalten keine Subventionen usw.
hegoat 15.05.2017
4.
Dass Unternehmensberater 5 Überstunden pro Woche machen, halte ich - vorsichtig ausgedrückt - für ein Gerücht. Es sind eher 20. Genauso wie bei Anwälten, Steuerberatern und so gut wie allen Selbständigen.
scooby11568 15.05.2017
5. Selbständige machen unbezahlte Überstunden?
Dann sollen sie ihren Laden schliessen. Alles, was ein Selbständiger macht, ist umsatzorientiert. Und Angestellte, die 20 Stunden die Woche dranhängen, machen sich strafbar. Es gibt ein Arbeitszeitgesetz, das gilt auch für Unternehmensberater.
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