Studie zu Führungspositionen Im Osten gibt es nur wenige ostdeutsche Chefs

Ob in Politik, Wirtschaft oder Justiz: Die meisten Führungspositionen in Ostdeutschland besetzen immer noch Westdeutsche.

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Nur etwa ein Fünftel aller Führungskräfte in den neuen Bundesländern stammt aus dem Osten. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Leipzig im Auftrag des Fernsehsenders MDR.

In den Chefetagen der hundert größten ostdeutschen Unternehmen hielten Ostdeutsche nur ein Drittel aller Stellen, so die Forscher. An ostdeutschen Hochschulen arbeiteten nur drei ostdeutsche Rektoren - im Vergleich zu 19 westdeutschen.

Das liege an einer Migrationsbewegung nach der Wende, die es nach 1990 in beide Richtungen gegeben habe, sagte Studienleiter Olaf Jacobs dem MDR. Viele Westdeutsche seien in den Osten gekommen, um dort Führungspositionen zu besetzen - und viele qualifizierte Ostdeutsche von dort weggezogen.

Es habe ihn jedoch überrascht, dass der Anteil der ostdeutschen Manager in ostdeutschen Unternehmen seit 2004 weiter geschrumpft sei, so Jacobs. Auch gebe es heute weniger ostdeutsche Staatssekretäre in den neuen Bundesländern als noch vor zehn Jahren.

Der Filmemacher und Honorarprofessor am Institut für Kommunikation- und Medienwissenschaft der Uni Leipzig hat die Studie erstmals 2004 durchgeführt. Für die zweite Studie untersuchte die Uni Leipzig zusammen mit der Film- und TV-Produktionsgesellschaft Hoferichter & Jacobs zwischen vergangenem August und diesem März Führungspositionen in Justiz, Wirtschaft, Politik, Medien und Wissenschaft. Darüber hinaus sei die Zusammensetzung der Bundesregierung, der Bundesgerichte, der Generäle der Bundeswehr und der DAX-Vorstände ausgewertet worden. Weitere Daten würden noch ausgewertet, schreibt der MDR auf seiner Webseite.

Von 60 Staatssekretären stammen drei aus dem Osten

In den fünf Landesregierungen der neuen Bundesländer sind ostdeutsche Minister der Studie zufolge zwar in der Mehrheit - sie besetzen 70 Prozent aller Posten. Allerdings sei ihr Vorsprung leicht geschrumpft: 2004 habe der Anteil der Politiker mit ostdeutscher Herkunft noch bei 75 Prozent gelegen.

In Justiz und Bundeswehr hingegen rückten Ostdeutsche in Führungsfunktionen langsam nach. Bundesweit seien sie dafür noch spärlicher vertreten: Von insgesamt 60 Staatssekretären der Bundesregierung stammten nur drei aus dem Osten, heißt es. 2004 seien es sechs gewesen. Insgesamt besetzten Ostdeutsche bundesweit nur 1,7 Prozent der Führungspositionen.

Dieses Ungleichgewicht verstärke in der ostdeutschen Bevölkerung den Eindruck, abgehängt und von außen bestimmt zu sein, sagte der Historiker Justus Ulbricht dem MDR. "Wir müssen darüber reden mit Blick auf die Zukunft, ob man dieses Ungleichgewicht in gewissen Punkten nicht abmildert."

lov

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