Arbeitszeit in Südkorea Bitte, macht schon um 20 Uhr Feierabend

Zu fleißig? In Südkorea wird zu viel gearbeitet, findet die Regierung und fordert, dass freitags die Computer früher heruntergefahren werden. Jedoch: Nicht alle Arbeitnehmer finden das gut.

Viele Arbeitnehmer in Südkorea sitzen spät noch im Büro. (Symbolbild)
DPA

Viele Arbeitnehmer in Südkorea sitzen spät noch im Büro. (Symbolbild)


Es ist Freitagabend, 20 Uhr, und alle fahren ihre PC herunter. So soll es ab Ende März in südkoreanischen Betrieben und Firmen aussehen, wenn eine Initiative der Regierung greift, mit der die Arbeitszeit ab März reduziert werden soll, wie "BBC News" berichtete.

Ab 30. März sollen Angestellte spätestens um 20 Uhr ihr Büro verlassen. Der dreistufige Plan der Regierung sieht vor, den Feierabend durch den früheren PC-Shutdown bis Mai auf ein Dienstende um 19 Uhr runterzuregulieren - wohlgemerkt nur an einem Tag der Woche: am Freitag.

Was hierzulande verwunderlich anmutet, hat einen ernsten Grund. Im OECD-Vergleich ist das wöchentliche Arbeitspensum in Südkorea extrem hoch. Das Land erreicht die dritthöchste Arbeitszeit mit durchschnittlich 2739 Arbeitsstunden im Jahr. Länger arbeiten lediglich die Mexikaner und Costa-Ricaner.

Ausnahmen von dem per Initiative verordneten Büroschluss sollen in speziellen betrieblichen Situationen allerdings weiterhin erlaubt sein. Offenbar regt sich allerdings bereits jetzt Widerstand: 67,1 Prozent der Regierungsmitarbeiter sollen laut "BBC News" gebeten haben, von der Maßnahme befreit zu werden.

52 Arbeitsstunden pro Woche - statt 68

Fleiß gilt in Südkorea als eine wichtige Tugend, die bereits in der Schule gefördert wird. Die Südkoreaner haben dafür das Wort "Yeolshimi" gefunden.

Bereits Anfang des Monats hatte die Regierung ein neues Arbeitsgesetz verabschiedet, das die höchste zulässige Wochenarbeitszeit auf 52 Stunden begrenzt. Zuvor waren es 68 Stunden. Die Regierung rechtfertigte den Vorstoß mit der Schaffung neuer Jobs und mit höherer Lebensqualität. Sie hofft zudem auf eine steigende Geburtenrate.

Die Reduzierung der Arbeitszeit war eines der Wahlkampfversprechen des linksliberalen Präsidenten Moon Jae In. Er hatte jüngst auch für eine Anhebung des Mindestlohns um 16 Prozent gesorgt.

Die Regierung Südkoreas hofft mit den gesetzlichen Regulierungen und der neuen Initiativen auf eine Verbesserung der sozialen Probleme im Land.

Nicht zuletzt dürfte die Reduzierung der Arbeitsstunden auch Erschöpfungsdepressionen und Burn-out vorbeugen: In Südkorea ist die Suizidrate im OECD-Vergleich hoch. Immer wieder führt das Land die betreffenden Statistiken an. Viele Beobachter sehen da einen Zusammenhang.

Unternehmen im Niedriglohnsektor reagierten allerdings bereits mit Entlassungen, wie die "taz" berichtete.

mae



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