Tänzer im "Moulin Rouge" Endstation Windmühle

Halbnackte Tänzerinnen mit Federn auf dem Kopf sind das Markenzeichen des "Moulin Rouge". Männer schaffen es nur schwer auf die Bühne des Pariser Varieté-Theaters. Jasper Hanebuth musste in Tokio mit Mickymaus und auf hoher See tanzen, bis er endlich den Job bekam.

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Das Haus mit der leuchtend roten Mühle auf dem Dach hatte es Jasper Hanebuth schon als Neunjähriger angetan. Es sei das "Moulin Rouge", eines der schönsten Cabarets der Welt, hatte ihm seine Mutter damals gesagt. Jetzt ist es sein Arbeitsplatz. Seit Anfang Mai gehört der 30-Jährige zum festen Ensemble des Pariser Varieté-Theaters.

Das hätte er sich damals beim Parisbesuch mit der Familie nicht träumen lassen. Die rote Mühle gefiel ihm, aber mit Tanzen wollte er nichts zu tun haben. Seine Mutter meldete ihn trotzdem beim Tanzkurs an, er war damals zehn Jahre alt. "Sie hat gesehen, dass ich Rhythmus und künstlerisches Talent in mir habe", sagt Hanebuth heute.

In 20 Minuten beginnt die Show. Ein Jongleur im schwarzen Glitzerhemd lüftet kurz den schweren Samtvorhang, Tänzerinnen huschen durch verwinkelte Garderobengänge. Im schummrig beleuchteten Ballsaal warten schon die Gäste bei Gänseleberpastete, Jakobsmuscheln, Hummer und Champagner. Jedes Jahr werden hier 240.000 Flaschen geköpft.

Karrierestart in Tokio: Tanzen mit Mickymaus

Der Glanz vergangener Tage ist zwar verblasst, doch noch immer lockt das "Moulin Rouge" jedes Jahr 600.000 Zuschauer aus aller Welt. Auch das achtzigköpfige Ensemble ist international, Australierinnen sind dabei, Engländerinnen, viele Osteuropäerinnen. Männer sind in der Minderheit. Die Anforderungen sind hoch: Vortanzen darf nur, wer eine klassische Ballett-Ausbildung vorweisen kann, für Männer gilt eine Mindestgröße von 185 Zentimetern.

Hanebuth bekam den Job erst im zweiten Anlauf. Er hat Tanz, Gesang und Schauspiel in Hamburg und London studiert. Die Schule hatte er ein Jahr vor dem Abitur geschmissen, der Bühne wegen, wie er sagt. Der Tanzkurs in Langenhagen, zu dem er erst nicht hatte gehen wollen, war sein größtes Hobby geworden.

Im Disneyland in Tokio bekam Hanebuth seine erste Festanstellung, er tanzte im bunten Kostüm bei den Paraden. Es folgten Engagements als Musicaltänzer auf hoher See: "Ich war viel auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs, mal auf besseren, mal auf schlechteren." So reiste er um die Welt - und stand 2007 erneut vor dem "Moulin Rouge". Diesmal ging er hinein. "Als ich die Show sah, wusste ich: Da will ich auch hin."

Nach den Aufführungen lässt die Gruppe gern mal die Korken knallen: "Das 'Moulin Rouge' hat die schönsten Mädels der Stadt, da bekommen wir in Clubs oft einen Tisch im VIP-Bereich", sagt Hanebuth. Weniger glamourös ist der Alltag in der dicht besiedelten Metropole mit ihren hohen Mietpreisen: "An die 17-Quadratmeter-Wohnung muss ich mich noch sehr gewöhnen, und wirklich gutes Französisch spreche ich halt noch nicht. Das macht es nicht immer einfach."

Biljana Jovic, dpa/vet

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