Talent-Irrtümer Scheibenwischer? Wegwerfwindeln? Kein Bedarf!

Das gab's wirklich: Eine Plattenfirma, die den Beatles keinen Vertrag gab, und eine Uni, die Einstein keine Stelle anbot. Was, wenn der Talentsucher die besten Bewerber nach Hause schickt? Eine kleine Sammlung gewaltiger Irrtümer bei der Auswahl künftiger Spitzenkräfte.

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Talent verkannt: Herr Warhol, holen Sie Ihr Bild ab!
Im Herbst 1956 wollte Andy Warhol dem Museum of Modern Art (MoMA) in New York eines seiner Bilder schenken: den "Shoe". Beim MoMA lehnte man dankend ab, nicht genug Platz, weder in der Galerie, noch im Lager. Herr Warhol solle sein Bild wieder abholen.

Heute wäre Warhols Schuh ein paar tausend Dollar wert - das Museum kaufte in den folgenden Jahrzehnten eine Reihe dem Schuh sehr ähnlicher Kunstwerke (auf denen auch Schuhe zu sehen sind) und heute erzählt die Presseabteilung des Museums diese Geschichte selbst gerne weiter.

Trotzdem bleibt am MoMA der kleine Makel hängen, dass Andy Warhol sein Bild zurückholen musste. Woran aber hätten sie sein besonderes Talent erkennen können, bevor es jeder kannte? Oder ist das alles bloß Zufall?

Der Lapsus-Moment

In der Karriere einer ganzen Zahl von berühmten Menschen - seien es Künstler, Unternehmer, Musiker, Sportler oder Politiker - findet sich ein solcher Lapsus-Moment. Oft war die Ablehnung, wie bei Warhol oder Oliver Kahn, auch ein besonderer Ansporn, der sie erst Recht an die Spitze trug.

Heute ist die Suche nach und die Einschätzung von Talenten eine eigene Profession geworden: Weltweit spüren Agenten jungen Sportlern, Musikern und Literaten nach - und in der Wirtschaft sondieren Headhunter den Markt. Ist die Zeit der Talent-Irrtümer deshalb vorbei?

Der KarriereSPIEGEL hat einige berühmte wie bodenlose Irrtümer des Talentmanagements gesammelt und einem berufsmäßigen Talentexperten vorgelegt: Headhunter Christoph Kleinen von der Personalberatungsfirma Korn/Ferry aus Frankfurt am Main. Er spürt Managertalente für Leitungspositionen auf und vermittelt sie in neue Jobs.

Was sagt der Headhunter dazu?

Kleinen fiel auf, dass bei den meisten Fehlentscheidungen zwei Dinge fehlten: Mut und Risikobereitschaft im richtigen Moment. Es gibt zwar heute Methoden, das Talent und den, der es fördert oder nachfragt, systematisch zusammenzubringen - Assessment-Center, langwierige Bewerbungsverfahren oder spezielle Software. Aber eines ist trotz allem nicht messbar: Spaß an dem, was man macht, Leidenschaft oder der berühmte kleine Götterfunken.

Am Ende nimmt dem Talentsucher niemand die Verantwortung ab: Erkennt er den besonderen Kandidaten - oder doch nicht?

Gewogen und zu leicht gefunden - hier geht es zu fünf bemerkenswerten Fehlleistungen bei der Talentsuche mit den Kommentaren von Headhunter Christoph Kleinen.

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Seite 1
WolfHai 09.08.2012
1. Wichtig daher: Markt und Wettbewerb
Zitat von sysopCorbisDas gab's wirklich: Eine Plattenfirma, die den Beatles keinen Vertrag gab und eine Uni, die Einstein keine Stelle anbot. Was, wenn der Talentsucher die besten Bewerber nach Hause schickt? Eine kleine Sammlung gewaltiger Irrtümer bei der Auswahl künftiger Spitzenkräfte. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,848567,00.html
Genau aus diesem Grunde sind Markt und Wettbewerb wichtig: nicht nur deshalb, weil es wirtschaftliche Höchstleistungen hervorbringt, sondern gerade damit nicht einzelne Menschen dem (Fehl-)Urteil/der Willkur eines einzelnen Monopolisten (meistens: einer gutmeinenden Behörde) ausgeliefert sind. In Deutschland ist z.B. eine solche Behörde die Stiftung für Hochschulzulassung (SfH), die über Studienplätze entscheidet, während in den USA die Hochschulen sich wettbewerblich um die besten Studenten bemühen. (Auch das Verfahren der USA hat seine Nachteile, aber jedenfalls ist man nicht vom Urteil einer einzelnen Behörde existentiell abhängig.) Da gäbe es sicher noch viele andere Beispiele. "Der Markt" ist eben nicht nur eine schreckliche anonyme Macht, sondern gibt oft (nicht immer) auch Menschen eine Chance, die nicht ins offizielle Raster passen.
eine-Meinung-unter-Vielen 09.08.2012
2. Habe mal einen interessanten Spruch ...
... aufgeschnappt: "Erstklassige stellen Erstklassige ein und Zweitklassige Drittklassige". Was passiert also, wenn ein Erstklassiger an einen Zweit- oder Drittklassigen gerät? - Genau! Selbst schuld, wenn ein Unternehmen angepasste Mitarbeiter sucht und nicht die wirklichen Leistungsträger. Letztere sind nicht selten "out-of-the-box". Wie sagte Einstein: "Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind." Und genau das ist doch "out-of-the-box" ;-)
juchtenkäfer 09.08.2012
3. Scheinwelt
Zitat von WolfHaiGenau aus diesem Grunde sind Markt und Wettbewerb wichtig: nicht nur deshalb, weil es wirtschaftliche Höchstleistungen hervorbringt, sondern gerade damit nicht einzelne Menschen dem (Fehl-)Urteil/der Willkur eines einzelnen Monopolisten (meistens: einer gutmeinenden Behörde) ausgeliefert sind. In Deutschland ist z.B. eine solche Behörde die Stiftung für Hochschulzulassung (SfH), die über Studienplätze entscheidet, während in den USA die Hochschulen sich wettbewerblich um die besten Studenten bemühen. (Auch das Verfahren der USA hat seine Nachteile, aber jedenfalls ist man nicht vom Urteil einer einzelnen Behörde existentiell abhängig.) Da gäbe es sicher noch viele andere Beispiele. "Der Markt" ist eben nicht nur eine schreckliche anonyme Macht, sondern gibt oft (nicht immer) auch Menschen eine Chance, die nicht ins offizielle Raster passen.
Hier wird von dem Forumsteilnehmer eine Scheinwelt dargestellt. In der Wirklichkeit sieht es doch so aus: Wissen braucht man nicht, man muß nur emotional in die Gruppe passen. Das hat nichts mit Markt und Wettbewerb zu tun, die wirtschaftliche Höchstleistungen hervorbringen will. Heute werde viel eher Personen, die über den Tellerrand hinausschauen, in die "Ablage P" abgetan.
Wunderläufer 09.08.2012
4. Irren ist menschlich
Am besten für mich zu greifen sind die Beispiele von Fußballern: in einem Verein auf der Ersatzbank, bei der Konkurrenz dann Leistungsträger und Nationalmannschaft. Anders sieht es aus, wenn kein Team erforderlich ist , wie z.B. bei Autoren: hier gehören auch dazu Mut, Vermarktung, Gespür Zeitgeist etc. Auch dürfen evtl. vorhandene persönliche Animositäten nicht die Urteilskraft des "Scouts" beeinträchtigen
waldfee123 09.08.2012
5. penetrante...
...Werbung für irgendeinen Personalberater. Die Geschichten hat man alle schon mal gelesen, es sollten hier wohl in erster Linie die Methoden dieses Headhunters publiziert werden, oder?
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