Teilzeit und Co. So denken Personalchefs über flexiblere Arbeitszeiten

Weniger arbeiten, nur für ein paar Monate - das würde vielen Beschäftigten helfen. Aber die Chefs sind dagegen, richtig? Eine Umfrage zeigt, wie die meisten Unternehmen wirklich dazu stehen.

Teilzeit ist kein Angstthema für Unternehmen
TMN

Teilzeit ist kein Angstthema für Unternehmen

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Mehr Rechte bei der Teilzeit, weniger befristete Arbeitsverträge, mehr Gerechtigkeit - es mangelt nicht an Ideen, die die Arbeitswelt menschlicher machen sollen. Viele wurden schon vor der Bundestagswahl diskutiert, sie tauchen nun in den Sondierungsgesprächen zu einer möglichen Jamaikakoalition wieder auf.

Was halten die Personalmanager deutscher Unternehmen davon? Dazu befragten der Personaldienstleister Randstad und das Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo rund tausend Personalverantwortliche, vom HR-Manager im Konzern bis zum Geschäftsführer des kleinen Mittelständlers. Immer ging es darum: Wird eine Maßnahme zu Zuwachs von Personal im Betrieb führen oder zu Abbau?

Die Ergebnisse sind teils überraschend. Denn es ist nicht immer so, dass Chefs neue Rechtsansprüche für ihre Angestellten für Teufelszeug halten. Manches, was den Beschäftigten das Leben erleichtert, etwa weil sich damit Beruf und Familie besser vereinbaren lassen, sehen die Personaler in den Unternehmen vergleichsweise entspannt. Die wichtigsten Vorschläge:

  • Flexible Vollzeit: Hier geht es darum, die Wochenarbeitszeit um bis zu zehn Stunden zu reduzieren, etwa um Kinderbetreuung leichter zu organisieren, Verwandte zu pflegen oder sich weiterzubilden. Diese Idee, die Bündnis 90/Grüne gerne umsetzen würde und die von der IG Metall unterstützt wird, soll die Grenze zwischen Teil- und Vollzeit verschwimmen lassen, die Rückkehr auf den alten Stundensatz wird garantiert. Damit könnten die meisten Firmen offenbar gut leben: Ein Drittel erwartet positive Effekte, 15 Prozent negative.
  • Erweitertes Recht auf Teilzeit: Nur gut die Hälfte der Befragten rechnet bei diesem Thema überhaupt mit Wirkungen auf die Beschäftigung im eigenen Unternehmen. Während 34 Prozent ein Wachstum erwarten, glauben 21 Prozent, dass sie dann Stellen abbauen müssten. Wohlgemerkt: Nicht Knall auf Fall, sondern mittelfristig. Das könnte allerdings damit zu tun haben, dass schon jetzt die meisten Arbeitnehmer Anspruch auf Teilzeit haben, Arbeitgeber können einen Teilzeitwunsch nur schwer ablehnen. Die Große Koalition plante allerdings, auch ein Recht auf zeitlich befristete Teilzeit zu verankern. Was daraus künftig wird, ist offen.
  • Rückkehrrecht in Vollzeit: Skeptischer zeigen sich die Befragten gegenüber der Idee, Teilzeitarbeitern eine Rückkehr in die Vollzeit bei gleichwertiger Stellung zu garantieren - der Unterschied bei den Arbeitsstunden ist hier in der Regel größer als beim Konzept der flexiblen Vollzeit. 32 Prozent denken, dass sich das Rückkehrrecht schlecht auf die Beschäftigung in ihrem Betrieb auswirken wird, nur 12 Prozent rechnen mit positiven Wirkungen. Aber immerhin die Hälfte kommt zu einer neutralen Einschätzung. SPD-Ministerin Andrea Nahles hatte an einem Rückkehrrecht gearbeitet, war sich aber mit Kanzlerin Angela Merkel über die Ausgestaltung uneins. Die Grünen machen sich dafür stark, in der FDP stößt der Plan auf Ablehnung.
  • Abschaffung von sachgrundlosen Befristungen: Selbst hier gehen 58 Prozent der Firmen davon aus, dass das auf ihre Personalpolitik keinen nennenswerten Einfluss hätte, immerhin 27 Prozent rechnen allerdings auch mit Stellenabbau. Positiv wird die Idee von 15 Prozent der befragten Personalleiter bewertet. Sollte Deutschland demnächst von einer Jamaikakoalition regiert werden, ist es aber auch unwahrscheinlich, dass es zu der Abschaffung der Befristungen kommt. Theoretisch dürfen Unternehmen ihre Arbeitnehmer mit Fristverträgen nicht beliebig oft in Unsicherheit halten, in der Praxis finden sie allerdings oft Wege, es doch zu tun. Die Abschaffung der Befristung steht auf der Agenda der Grünen.
  • Entgelttransparenzgesetz: Ab dem kommenden Jahr haben Arbeitnehmer das Recht, Auskünfte über das Gehalt von Kollegen in vergleichbarer Situation abzufragen - das soll für mehr Gehaltsgerechtigkeit, nicht zuletzt zwischen Männern und Frauen sorgen. Hier rechnen die Personaler zu 80 Prozent mit keinerlei Beschäftigungseffekten, 15 Prozent erwarten, dass sie deswegen Personal abbauen.

Die Befragung des Ifo-Instituts ist Teil der vierteljährlichen Flexindex-Erhebung. Dabei fragen Ifo und der Personaldienstleister Randstad, wie sich der Einsatz von Instrumenten zur flexiblen Gestaltung von Arbeit entwickelt, zum Beispiel Überstunden, Arbeitszeitkonten, Fristverträge, Minijobs oder Zeitarbeit. Die Befragung wurde im dritten Quartal 2017 durchgeführt, also überwiegend vor der Bundestagswahl.



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