Arbeitszeit Dax-Vorstandschef warnt vor zu viel Arbeit

Wer 80 Stunden pro Woche arbeitet, imponiere ihm nicht, sagt ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger. Der Top-Manager rät bei der Arbeitszeit zum "Haushalten" - aus eigener, leidvoller Erfahrung.

Heinrich Hiesinger, Chef von ThyssenKrupp
picture alliance / dpa

Heinrich Hiesinger, Chef von ThyssenKrupp


ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger warnt vor Belastungen durch überlange Arbeitszeiten und den dauernden Verzicht auf Urlaub. "Ich war sogar fast schon einmal kurz vor dem Burn-out", bekannte der 56-jährige Manager laut einem Bericht der "WAZ" bei einer Diskussion mit mehr als 150 angehenden Abiturienten in Essen.

Er habe daraus gelernt, seine Arbeitsweise geändert und arbeite seither weniger. "Denn schließlich muss man mit seiner Arbeitskraft rund 40 Jahre haushalten", sagte der ehemalige Siemens-Manager, der seit rund sechs Jahren an der Spitze des Essener Industriekonzerns mit mehr als 150.000 Beschäftigten steht.

Mitarbeiter, die 80 Stunden pro Woche arbeiteten oder mehrere Jahre auf Urlaub verzichteten, imponierten ihm nicht, so Hiesinger. Denn um jahrelang gute Leistungen bringen zu können, brauche man Freizeit und Urlaub.

Und: eine gute Motivation. Die gebe es aber nicht, wenn die Berufswahl nur von materiellen Interessen gelenkt sei, so der ThyssenKrupp-Konzernchef: "Lassen Sie sich von ihren Interessen, Ihrer Begeisterung und Neugierde leiten. Und nicht von Gehalt oder sozialem Status."

him/dpa



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insgesamt 23 Beiträge
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roborob 10.02.2017
1. Ehrlichkeit
Wenn der Herr DAX Vorstand ganz ehrlich zu sich und den Zuhörern gewesen wäre, dann hätte er aber erwähnen müssen, dass er ohne seinen früheren Arbeitseifer nicht in seiner jetzigen Position wäre. Gewisse Arbeitsstunden werden - ob sinnvoll oder nicht - in Führungspositionen gefordert.
Referendumm 10.02.2017
2.
Ich hatte mal einen Chef gehabt, der in seiner rund 40 Stundenwoche (sehr viel mehr hat er nicht gearbeitet) mehr geleistet hat und bessere Entscheidungen traf als andere leitende Angestellte in diesem Unternehmen, die quasi rund um die Uhr anwesend waren. Auch hier gilt: Qualität geht eben vor Quantität. Leider lassen sich wiederum viel zu viele Chefs allein von einer reinen Anwesenheit ihrer Mitarbeiter blenden. Das, was bei den in einer 60 oder gar 80 Stundenwoche herum kommt, spielt kaum ne Rolle.
nuramnoergeln 10.02.2017
3. Wenn das seine Manager wüßten
Die Einsicht vom höchsten Boß hat sich aber bis jetzt noch nicht in seinem Konzern rumgesprochen. Siehe die letzte Mitarbeiterbefragung, wo es immer noch einen hohen Prozentsatz gibt, die auch Krank zur Arbeit kommen.
mimija 10.02.2017
4. Grundsätzlich
ist es richtig was er zum Thema Belastung sagt. Allerdings sind es doch gerade die Führungsriegen, die die oft übermäßigen Ziele festlegen, und dadurch dies Mitarbeiter zwingen, sich völlig zu verausgaben! Insofern ist die Aufgabe der Führungskräfte ihre Mitarbeiter vor einer Überlastung zu schützen!
Newspeak 10.02.2017
5. ...
Leistung ist Arbeit pro Zeit. In Deutschland wird aber Arbeit bewertet, nicht Leistung. Praesenz ist wichtig, nicht das Ergebnis. Und nebenbei, einen Mitarbeiter, der jahrelang auf Urlaub verzichtet, darf es nach deutschem Arbeitsrecht eigentlich gar nicht geben, der Chef, der das erlaubt, macht sich strafbar.
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